Reisebericht Botswana - Selinda Camp

von Jens Döring

Die letzte Nacht im Lebala Camp verlief leider nicht so erholsam, wie zunächst erhofft. Zwar schlafe ich nach meinem Bad ziemlich schnell ein, werde aber gegen 2:00 Uhr morgens jäh aus meinen Träumen gerissen. Ein Unwetter mit Sturm und Starkregen zieht auf. Jetzt macht sich bemerkbar, dass die Zeltwände, im Wesentlichen nur aus Moskitonetzen bestehend, auch so ihre Nachteile haben. Trotz großflächigem Dach und zugezogenen Vorhängen, drückt der Wind den Regen durch die Netze hindurch, hebt die Vorhänge fast bis zu 90 Grad an und bläst mir den Regen bis auf mein Bett. Der blitzartige Adrenalinstoß schärft meine Sinne und ich überlege blitzschnell, was ich als Erstes in Sicherheit bringe. Der Schreibtisch, auf dem ich fein säuberlich meine wichtigen Dokumente und bisher gesammelten Unterlagen ausgebreitet hatte, steht nun im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit. Hastig schmeiße ich allen Papierkram in eine Plastiktüte und verstaue diese im sturm- und regensicher Kleiderschrank. Als nächstes ziehe ich die Kofferablage samt 25-Kilo-Reisetasche weg von der Zeltwand zur Zimmermitte. Das Bettdecke ich mit der Tagesdecke ab, die kann ja ruhig nass werden. Nach circa 30 Minuten ist der Spuk dann auch schon wieder vorbei. Kurz und heftig, wie es typisch für diese Breitengrade ist. Trotzdem kann ich nicht gleich wieder einschlafen und liege noch eine Weile wach. Ich höre, dass auch meine Zeltnachbarn munter sind und sich wohl auch erstmal sammeln müssen. Wenn ich richtig höre, werden auch dort Möbel gerückt. Dank geschärfter Sinne in dieser Nacht, in der jeder Pups eines Salamanders zu einem ohrenbetäubenden Lärm wird, vernehme ich nach kurzem intensivem Schlaf gegen 4:00 Uhr morgens ein merkwürdiges Geräusch wahr, dass ich zunächst nicht zuzuordnen weiß. Von meiner Veranda her klingt es rupfend und kauend. Ich erinnere mich an das vorangegangene Briefing des Camp-Managers, als er von umherwandernden Elefanten und Hippos sprach. Da ist er, der nächste Adrenalinstoß. Zögerlich und respektvoll ziehe ich meine Vorhänge zur Veranda hin ein kleines Stück weit auf. Leider kann ich im Morgengrauen nicht wirklich viel erkennen. Aber diesen großen schwarzen Koloss kann man eigentlich nicht übersehen, auch im Dunkeln nicht. Das Flusspferd ist auf morgendliche Nahrungssuche und hat es sich vor meinem Zelt gemütlich gemacht. So nah war ich diesen Tieren dann auch noch nicht und lasse die Vorhänge wieder zufallen. Ich überlege kurz, ein Foto zu machen. Allerdings würde das wohl nichts werden, denn ohne Blitz ist das Projekt aussichtslos. Und mit Blitz traue ich mich nicht. Keiner weiß, wie der große schwarze Kumpel da draußen darauf reagieren würde. Vielleicht bin ich aber auch nur ein riesengroßer Angsthase. Egal! Ich lege mich zurück in mein Bett und lausche noch ein Weilchen. So langsam wird das Geräusch wieder leiser und ich höre, wie meine Zeltnachbarn auch wieder munter sind und sich köstlich über den morgendlichen Besuch amüsieren. Ich schlafe schließlich wieder ein. Gott sei Dank haben wir uns als Gruppe am Abend zuvor gegen eine Morgenpirschfahrt entschieden, sodass wir also heute ein klein wenig länger an der Matratze horchen können. Wir werden am Vormittag wieder zurück in Richtung Selinda Airstrip gefahren, haben also mehr oder weniger dabei ja auch schon eine Pirschfahrt. Also treffen wir uns erst gegen 9:00 Uhr in der Boma des Camps zum Frühstück. Wir sehen nun alle wieder etwas erholter aus und freuen uns auf die bevorstehenden Tage. Nach dem leckeren Frühstück begeben wir uns auf den Weg in Richtung Selinda Reserve. Auf halbem Wege wechseln wir von den offenen Kwando-Fahrzeugen in die wieder mit einem Sonnendach bestückten Safari-Fahrzeuge des privaten Selinda Reservates. Puh, das wurde aber Zeit!Nach insgesamt ca. 2,5 Stunden erreichen wir das Hauptcamp des Reservates. Insgesamt gibt es drei Camps in Selinda. Neben dem Selinda Camp, in dem wir untergebracht sind, zählen auch das Zarafa (ehemals Zibadianja) und das Motswiri Camp. Bei unserer Ankunft wartet man wieder mit einem Wollkommensliedchen auf uns. Nicht alle Teilnehmer unserer Gruppe haben beim Aussteigen bemerkt, dass die Fahrzeuge einen komfortablen Ein- und Ausstieg für die Passagiere haben und man eben nicht über die Fahrzeugkarosserie klettern muß. Mit großen Fragezeichen und Unverständnis beobachte ich meine Kollegin Ulrike dabei, wie Sie etwas unbeholfen versucht, doch über die Karosserie und den außen angebrachten Wagenheber und das Reserverad auszusteigen. Der Camp Manager eilt ihr zu Hilfe. Mit etwas Abstand betrachtet glaube ich, dass dies der ganze Zweck ihrer Aktion war. Nichts für Ungut, Ulrike!Das Selinda Camp befindet sich im gleichnamigen privaten Reservat, das sich auf 1.350 Quadratkilometer am Selinda Spillway erstreckt. Der Wasserlauf verbindet das Okavango Delta mit den Sümpfen von Selinda und Kwando. Hier kommen Naturliebhaber auf Ihre Kosten, denn die Landschaft zeichnet sich aus durch Waldlandschaften, Lagunen und zahlreiche Wasserwege. Mich beeindruckt der Blick auf die weite offene Savanne mit ihren kleinen mit Palmen bewachsenen Inseln. Das gesamte Camp ist auf Holzplattformen errichtet und besteht aus insgesamt neun Zelten, wovon allerdings zur Zeit nur acht genutzt werden. Bei voller Auslastung finden hier also bis zu 18 Gäste Platz. Es gibt keine Dreibettzimmer, dafür aber eine Honeymoon-Suite mit größerem Deck für private intime Abendessen. Angeboten werden Pirschfahrten, Pirschwanderungen sowie Bootsfahrten (saisonal bedingt).

Die Zelte des Selinda Camps verwöhnen mit einer tollen Aussicht auf die offene Savanne. Das Bad begeistert durch die in der Mitte stehende Stein-Badewanne. © Fotos: Jens Döring
Die Fahrzeuge des Selinda Camps sind neu und sehr komfortabel. In der Regel bekommt jeder Gast einen "Fensterplatz". Die Natur zu Füßen: Vom Bett aus blickt man auf die weite offene Savanne des Selinda Reservates. © Fotos: Jens Döring

Die Safari-Fahrzeuge sind neue Toyota Landcruiser mit drei Sitzreihen. Bis zu 8 Sitzplätze können belegt werden, wobei dies nur bei zusammenreisenden Gruppen erfolgt. In der Regel werden maximal sechs Personen auf einem Auto mitgenommen. Dann hat auch jeder einen Außenplatz und kann ungestört die Umgebung beobachten und in sich aufnehmen. Nach dem Briefing durch das Manager-Paar begutachten wir unsere Zelte, die ich als sehr komfortabel empfinde. Besonders das Badezimmer kann bei mir Punkten. Die Stein-Badewanne in der Mitte des Zimmers lädt zum Wohlfühlen und Entspannen ein. Sehr edel. Der Ausblick vom Bett aus ist wieder einmal fantastisch. So langsam gewöhnt man sich daran und erachtet es mit der Zeit als selbstverständlich. Da muß man sich immer selbst ein bisschen runter holen, um es jedes Mal aufs Neue genießen zu können.

Nach dem kleinen nachmittäglichen Vesper brechen wir zur Nachtpirschfahrt auf. Wir sehen nichts wirklich Neues: ein paar Zebras, Hippos, Kudus. Man kennt es ja mittlerweile. Und trotzdem gilt das Gleiche wie bei den Zimmern mit Ausblick: man erachtet es irgendwann für selbstverständlich. Aber so richtig realisieren werde ich es wohl wirklich erst Zuhause, wenn ich aus meinem Schlafzimmerfenster hinaus auf die benachbarte graue Häuserwand blicke.

Den Sundowner nehmen wir an einem riesigen Termitenhügel ein und blicken dabei direkt auf die untergehende Sonne. Bei diesem Licht und der Umgebung kann ich es nicht unterlassen, ein paar Späße auf dem Termitenhügel zu machen. Da kommt ein Gefühl des Fliegens auf, getreu dem Motto: „Ich bin der König der Welt!“. Nur meine persönliche Kate Winslet ist nicht dabei.

Ein bißchen Spaß muss sein: auf dieser einmaligen Naturbühne kann das temperament schon mal mit einem durchgehen. Ein Sundowner par excellence. Besser geht's nicht! © Fotos: Jens Döring
Ein bißchen Spaß muss schon erlaubt sein: Der Termitenhügel wird zur Bühne für mich und lasse mich zu ein paar Späßen hinreißen. Der perfekte Ort für den Sundowner. Besser geht's nicht! © Fotos: Jens Döring

Den Tag lassen wir wie immer bei einem köstlichen Abendessen und einem Gläschen Rotwein ausklingen. Noch so eine Sache, die ich Zuhause beim Abendessen mit trockenem Brot schmerzlich vermissen werde. Aber an Zuhause wollen wir ja eigentlich noch gar nicht denken, schließlich stehen uns ja noch ein paar Tage in Botswana und Sambia bevor?! Am frühen Morgen werde ich in meinem Bett durch die wärmenden Strahlen der aufgehenden Sonne geweckt. Direkt zu meinen Füßen färbt sich der Morgenhimmel ein und die rote Scheibe schiebt sich langsam hinter dem Horizont hervor. Ich schnappe mir sofort meine Kamera und schieße innerhalb weniger Minuten wohl an die 50 Fotos. Eines davon wird wohl das neue Hintergrundbild auf meinem Desktop im Büro werden, da bin ich mir jetzt schon sicher! Das Tollste daran ist allerdings, dass ich mich für diese Szenerie nicht einmal aus dem Bett bewegen muss. Okay, zugegeben: einmal muss ich raus, um die Eingangstüren vom Zelt aufzuschieben, damit ich die ganze Pracht genießen kann. Aber das war’s auch schon. Schöner kann man einen Tag in Botswana glaube ich nicht beginnen.Allerdings drängt die Zeit nun ein wenig und ich muss mich fürs Frühstück fertig machen. Die Sachen müssen zudem auch schon wieder gepackt werden. Schließlich geht es heute noch nach Kasane im äußersten Nordosten Botswanas. Aber immer schön der Reihe nach. Zuerst genießen wir noch unser Frühstück, was über offenem Feuer zubereitet wird. Ein Grill über dem Lagerfeuer fungiert als Toaster und Wasserkocher. Vor der Abfahrt gelingt es mir, noch schnell die Bilder auf meinen Speicherkarten auf CD zu brennen. Die CDs gibt es im campeigenen Souvenirshop und brennen kann ich an einem für alle Gäste bereitstehenden PC. Sehr praktisch! Auch wenn es keinen Internetanschluss gibt. Den erwartet man ja auch nicht wirklich mitten im afrikanischen Busch. Der heutige Tag ist wieder vollgepackt mit allerhand Erlebnissen Neugierig? Denn lesen Sie hier weiter…

Gern erstellt Outback Africa ein individuelles Safari-Angebot mit dem Selinda Camp.

Alle Teile der Botswana- Lodgereise in der Übersicht:

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