Reisebericht Botswana: Mobile Safari in Moremi

von Jens Döring

Nachdem wir nun meine flugkranke Kollegin Ulrike den Umständen entsprechend wieder gut im Terminal des Flughafens Maun physisch und psychisch aufgebaut haben, begeben wir uns, d.h. sechs Frauen (allesamt Reisebüro/Reiseveranstalter-Mitarbeiterinnen) und ich als einziger Hahn im Korb, wieder in den Flieger. Unser Ziel ist das Moremi Wildreservat. Der Flug zum Landeplatz der Khwai-Region soll etwa eine halbe Stunde dauern. Alle sind gespannt, wie Ulrike diese für sie wohl unendlich lange Zeit überstehen wird. Glücklicherweise scheinen ihr aber meine Anwesenheit und Ablenkungsversuche gut zu tun und so landen wir zwar holprig aber sicher auf dem Airstrip von Khwai.Dort erwartet uns bereits der Inhaber eines Safari-Untermehmens und gleichzeitig unser Guide für die bevorstehenden drei Tage Mobile-Tented-Safari. Unser Gepäck wird auf einen extra Jeep verladen, der noch vor uns zum Camp aufbricht. Nach einer kurzen gegenseitigen Vorstellung fahren auch wir in Richtung Camp los. Die zirka einstündige Fahrt dorthin gestaltet sich bereits als kleine Pirschfahrt. Viel zu sehen bekommen wir in der Mittagshitze leider nicht. Über das North Gate und über den Fluß Khwai fahren wir in das Moremi Wildreservat hinein. Das Wetter spielt auch mit und so sind die „Damen vom Grill“ und ich bester Laune. Obwohl der Planet schon heftig vom Himmel prasselt. Aber Wetter ist ja immer auch eine Frage der Kleidung (bzw. des Sonnenschutzes).

Komfort-Zelt und offenes Pirschfahrzeug von Letaka Safaris. | © Foto: Jens Döring / Outback Africa Erlebnisreisen
Mein Zelt hat Stehhöhe, eine kleine Veranda mit Stuhl und dahinter auch Dusche und WC. Rechts das offene Safarifahrzeug bei der Einfahrt in das Moremi Wildreservat.

Im Camp schließlich angekommen staunen wir nicht schlecht, als uns zwei Herren bereits mit einem erfrischenden Willkommensdrink erwarten. Das Camp ist zu diesem Zeitpunkt bereits komplett aufgebaut, das Mittagessen wartet schon. Und dieses Mittagessen hätte man wirklich nicht länger warten lassen sollen, so lecker ist das! Erstaunen macht sich in mir breit, was hier mitten im Busch auf den Tisch gezaubert wird. Nach dem Mittagessen besprechen wir den weiteren Ablauf der kommenden beiden Tage. Den nächsten Tag werden wir komplett mit Pirschfahrten verbringen bevor wir uns am dritten Tag die erste Lodge im Delta anschauen.Für den heutigen Nachmittag ist noch eine Pirschfahrt angekündigt, zu der wir nach einer kurzen Regenerations- und Akklimatisierungsphase aufbrechen. In der Zwischenzeit erkunde ich mein Zelt und staune nicht schlecht, dass dort bereits meine Reisetasche auf mich wartet. Das Zelt ist recht komfortabel ausgestattet, mit eigenem „Badezimmer“ und kleinem „Vorgarten“ mit einer Fußmatte (!) und einem gemütlichen Campingstuhl, von dem aus ich auf die direkt vor mir liegende Wasserlandschaft blicken kann. Brent erklärt mir, dass man mich als Mann gleich in dem Zelt untergebracht hat, das am nahesten am Ufer steht, damit die des nachts umherwandelnden Hippos die Damenwelt nicht so erschrecken. Ich bin also ein Bollwerk – wie beruhigend zu wissen. Im Zelt finde ich aber alles, was ich zum Überleben brauche: Insektenschutzmittel „Peaceful Sleep“, ein Signalhorn für Notfälle und falls mich im Ernstfall eines Hippo-Übergriffes die Angst übermannt, auch ein WC. Eine Eimerdusche steht ebenfalls zur Verfügung, um mir den Angstschweiß abzuwaschen. Der Duscheimer wird bei Bedarf dann mit warmem Wasser gefüllt, genau wie der kleine Waschtrog vorm Zelt für die Morgentoilette. Alles perfekt organisiert. Sogar ein kleines Begrüßungspaket mit meinen Namen liegt auf dem Feldbett bereit, bestehend aus den geltenden „Busch-Regeln“ und allerhand Tier-Checklisten, die es abzuarbeiten gilt.Nach einem kurzen Nachmittagssnack (haben ja schon lange nichts mehr gegessen) brechen wir zur Pirschfahrt auf, die sich bis zur Dunkelheit hinstrecken wird. Wir entdecken am Wegesrand Löwen-Spuren und folgen ihnen. Um die nächste Ecke herum liegt der König des Busches da mit seinem vollgefressenen Bauch und starrt uns wenig beeindruckt an. Schließlich steht er auf, läuft um einen Busch herum und taucht hinter dem selbigen wieder auf. Sein Ziel ist die Pfütze auf dem Weg, die sich zirka zehn Meter hinter unserem Auto befindet und aus dreckigem Regenwasser besteht. Genüsslich spült er das soeben zu sich genommene Mittagesmahl nach unten, und sein dicker Bauch kommt so richtig zu Geltung. Schließlich steht er wieder auf und wir verlieren ihn am Wegesrand entlang schlendernd aus den Augen. Ein echtes Erlebnis!

Loewe in Moremi (Botswana). | © Foto: Jens Döring / Outback Africa Erlebnisreisen
Die Spuren führen uns zu einem durstigen Löwen-Männchen. Ob er auch Hunger hat?

Dieses Erlebnis lässt sich aber noch steigern, weil wir kurz darauf bemerken, dass wir einen Plattfuß haben. Spannend, denn der Löwe ist noch in Hörweite. Im Schnellverfahren wird das Rad gewechselt und wir begeben uns dann auf die Suche nach einem geeigneten Plätzchen für den Sundowner. Das ist auch recht schnell am Flusslauf mit badenden Hippos gefunden. Die Szenerie beeindruckt Ulrike und mich derart, dass wir kurzerhand beschließen, von uns ein Foto machen zu lassen. Schließlich muss das ja für die Nachwelt festgehalten werden! „Komm, wir machen mal schnell ein Foto von uns und den Hippos!“, hieß es. Was dabei herausgekommen ist war ein Bild von uns beiden und etwas Wasser im Hintergrund. Von Hippos keine Spur, weil wir schlichtweg beide zu dick waren… Wir haben trotzdem unseren Spaß.Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir wieder das Camp und lassen uns das erneut ausgesprochen leckere Abendessen schmecken. Am Lagerfeuer eignen wir uns bei Gesprächen Hintergrundwissen über die Safari-Partner vor Ort an. Sehr interessant und aufschlussreich, wie professionell und durchdacht die Unternehmen hier arbeiten. Wir sind ja immer noch in Afrika!Die zwar nicht ernst gemeinte Information, ich sei das Bollwerk für die Mädels hinter, mir in den Zelten macht mir in der darauffolgenden Nacht doch etwas zu schaffen. Die Hippos schnaufen und grunzen die ganze Zeit, jedes kleinste Geräusch nehme ich auf und wittere Gefahr darin. Vollkommen unbegründet, wie sich am nächsten Morgen herausstellt. Entsprechend wenig Schlaf bekomme ich in dieser Nacht, aber spannend war’s allemal! Der nächste Tag beginnt ausgesprochen früh. Um 5.30 Uhr werden wir geweckt, für 6 Uhr ist das Frühstück angekündigt. In der Zwischenzeit bringen die Camp-Assistenten warmes Wasser herbei und füllen die Eimer-Dusche sowie das kleines Wasserbassin vor dem Zelt. Ich bin begeistert über diesen Service! Eine warme Dusche mitten im Busch.Nach dem kleinen Frühstück brechen wir 6.30 Uhr zur Pirschfahrt auf. Brent erklärt uns den zeitigen Start damit, dass wir um diese Uhrzeit noch ein paar nachtaktive Tiere zu Gesicht bekommen könnten. Und tatsächlich trampelt kurz nach unserer Abfahrt eine Herde Hippos etwa 100 Meter vor uns über diese Wiese und verschwindet mit viel Getöse und spritzendem Wasser im naheliegenden See. Jetzt habe ich auch die Gelegenheit, diese riesigen Monster einmal in voller Größe zu sehen. Sonst erkennt man ja an den tagsüber im Wasser liegenden Tieren nur den oberen Teil des Kopfes und die kleinen permanent wackelnden Öhrchen.Ansonsten verläuft der Rest der Morgenpirschfahrt recht unspektakulär mit nur wenigen Tieren. Gut, ein paar Vögel sichten wir, aber dafür kann ich mich ohnehin nicht so begeistern. Aber wer tatsächlich Vogelinteressierter ist, würde heute voll auf seine Kosten kommen.Nach dem reichhaltigen Brunch im Camp heißt es Siesta halten, die ich auch auf Grund des Schlafmangels wirklich gebrauchen kann. „Hin und weg“ heißt die Devise, als ich endlich an meiner Matratze im Zelt horchen kann. So eine Safari ist anstrengend und definitiv kein Erholungsurlaub! Am Nachmittag dann das gleiche Prozedere wie am Vortag: Tea Time und Pirschfahrt mit Sundowner, auf der wir wieder nichts großartig Interessantes aufspüren. Wahrscheinlich ist Mitte Dezember wirklich nicht die ideale Tierbeobachtungszeit, da es schon sehr grün ist und die Tiere nicht mehr auf die permanenten Wasserstellen angewiesen sind. Entsprechend wenig Tierbewegung ist im Busch. Schließlich finden sie ja genug Feuchtigkeit auf der Erdoberfläche. Hinzu kommt, dass man im dicken Grün ohnehin schwer irgendwelches Getier entdecken kann. Die Landschaft ist aber jetzt um diese Jahreszeit umso schöner: alles grünt und blüht und spiegelt sich malerisch auf der Wasseroberfläche. Da fährt man gerne zwei bis drei Stunden einfach nur so durch die Gegend.Nach unserem letzten Sundowner auf dieser Safari kehren wir ins Camp zurück und lassen am Lagerfeuer die letzten Tage Revue passieren. In der kommenden Nacht schlafe ich schon bedeutend ruhiger und entspannter.

Beim Sundowner in Moremi (Botswana). | © Foto: Jens Döring / Outback Africa Erlebnisreisen
In dieser Idylle wollten sich Ulrike und Jens unbedingt auf einem Erinnerunsfoto verewigen. Leider paßten die Hippos nicht mehr mit aufs Bild.

Der nächste Tag beginnt wieder früh (6 Uhr Wecken) und noch bevor wir das Frühstück beenden und zur allerletzten Pirschfahrt aufbrechen, haben die Assistenten das Camp bereits zu einem Großteil abgebaut. Das nenne ich mal Effektivität und Arbeitsteilung.Unsere heutige Pirschfahrt ist zugleich der Transfer zum Airstrip. Unterwegs dorthin machen wir aber noch einen Abstecher zur eleganten und komfortablen Khwai River Lodge. Im Fachjargon heißt eine solche Besichtung „Sight Inspection“. Dahinter verbirgt sich der Besuch einer Unterkunft inklusive Führung über das Areal, um sich selbst ein Bild zu machen und zu sehen, wie unsere Kunden untergebracht sind und was sie vor Ort genau zu erwarten haben.Was Sie im speziellen in der Khwai River Lodge erwartet, erfahren Sie in der Fortsetzung.Eine komfortable Mobile Camping Safari wie hier beschrieben, aber mit etwas längerem Programm durch die Wildparks Botswanas ist die Tour "Savanne und Delta". Die Reise "Botswana-Abenteuer mit Stil" enthält einen eine kleinere Mobile Safari kombiniert mit indivdiuellen Lodge-Aufenthalten.Alle Teile der Botswana- Lodgereise in der Übersicht:

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