Reisebericht Südafrika: Truck-Safari in den Krüger-Park (1)

von Jens Döring

12. Tag: Samstag, 22.11.2008Heute begleite ich Brett im Truck noch nach Johannesburg. Diese preisgünstige und äußerst empfehlenswerte Option bietet Drifters all jenen Gästen an, die auf besonders preisbewusste Art im Anschluß an die Safari "Südafrikas Küsten" nach Johannesburg gelangen wollen.Landschaft auf dem Weg von Durban nach Johannesburg © Foto: Jens Döring - Outback Africa ErlebnisreisenAlles in allem dauert die Fahrt neun Stunden, und so erreichen wir das Drifters Inn in Johannesburg um 17:30 Uhr. Für jene Gäste, die allerdings am selben Abend Ihren Langstreckenflug nach Hause antreten, sei der Flug von Durban nach Johannesburg natürlich wärmstens empfohlen.Das Gästehaus Johannesburg Inn © Foto: Jens Döring - Outback Africa ErlebnisreisenAm nächsten Tag gehe ich gleich auf die nächste Drifters Tour, die sich ohnehin meiner Meinung nach perfekt als Verlängerung für „Südafrikas Küsten“ empfiehlt: „5 Tage Krüger Park“. Das Briefing für die Tour findet schon an diesem Abend statt, also einen Tag vor der eigentlichen Abreise. Ein großer Unterschied macht sich sofort bemerkbar: Diese Tour ist mit 17 Teilnehmern komplett ausgebucht. Man merkt schon an diesem Abend, dass sich die Gruppe nicht so schnell zusammenfinden wird, wie es bei 6 Teilnehmern der vorangegangenen Safari der Fall war.Auch der Guide Dennis ist von einem ganz anderer Schlag als Brett. Mehr der Draufgänger und Entertainer, während Brett eher einen abwägenden und überlegten Eindruck machte, dabei aber nie unsicher wirkte.Nach dem gemeinsamen Abendessen stößt Dennis zu uns und unterrichtet uns über die bevorstehenden fünf Tage. Da ich anschließend an einer Informationsreise in Botswana teilnehme, werde ich die Gruppe bereits am Morgen des 4. Tages verlassen. Ich höre mir aber trotzdem sehr gern den Verlauf der gesamten Reise an, auch wenn die Erschöpfung der letzten Tage immer mehr durchschlägt. 13. Tag: Sonntag, 23.11.2008Ein unchristlich zeitiger Start steht mir heute bevor: Um 6:00 Uhr wird der Zündschlüssel des Trucks herumgedreht. Eine lange Strecke mit vielen Sehenswürdigkeiten steht auf dem Plan.Ich komme nun in den Genuss eines Trucks neueren Baujahres. Hauptunterschied ist der Komfort-Standard: bequemere, verstellbare Sitze, die Schließfächer sind nun quer (nicht längs) angeordnet und das Front-Fenster ist nicht zu öffnen. Daher kann auch nicht mehr auf das Dach gestiegen werden. Dafür bietet sich aber allen eine bessere Sicht noch vorn. Der Einstieg ist ebenfalls bequemer, da die herunterklappbare Treppe bis fast auf den Boden reicht.Ein Drifters Safari-Truck neueren Baujahres  © Foto: Jens Döring - Outback Africa ErlebnisreisenDarüber hinaus sind die Sitzreihen nach hinten zu ansteigend, so dass man immer über den Kopf des Vordermanns hinwegschaut. Das verbessert die Rundumsicht. Auch ein richtiger Gefrierschrank und ein Safe sind diesmal mit an Bord.Jedoch gibt es einen erheblichen Nachteil: die neueren Trucks bleiben leichter stecken. Das verrät mir Dennis augenzwinkernd während unseres ersten Stopps in Dullstrom. Ich sollte an dieser Stelle erwähnen, dass der Morgen zwar wettertechnisch vielversprechend begann, dann aber ziemlich schnell dunkle Wolken den bis dahin blauen Himmel lückenlos verdeckten. Wir fahren in Richtung Krüger Nationalpark und wollen in der restaurierten Goldgräberstadt Pilgrim’s Rest unsere Mittagspause einlegen. Der mittlerweile einsetzende Starkregen lässt die Straßen zu kleinen reißenden Bächen werden. Die Busgruppen zwängen sich auf der Suche nach Trockenheit in die ohnehin schon überfüllten Restaurants. Bereits nach zehn Schritten außerhalb unseres Trucks sind wir bis auf die Knochen nass. Macht aber nichts, schließlich war das Fenster an meinem Sitz ohnehin undicht und ich war schon sozusagen „vorgeweicht“.Als wären der Starkregen, die überfüllten Restaurants und das zunehmende Hungergefühl nicht schon schlimm genug, setzen nun auch noch Stromausfälle dem Ganzen die Krone auf. Genervt und hungrig setzen wir uns wieder in den Truck und fahren in den neueren Teil von Pilgrim’s Rest. Hier finden wir eine kleine „Pantry“, die uns trotz Energieproblemen recht schnell mit heißen Mahlzeiten versorgt.Gestärkt und frohen Mutes setzen wir unsere Fahrt auf einer „Abkürzung“ in Richtung Bourke’s Luck Potholes fort. Die Abkürzung besteht aus einer Schlamm- und Geröllpiste und schließlich kommt, was kommen musste: An einer kleinen Steigung verschaltet sich Dennis mitten am Hang, muss anhalten und den Truck im ersten Gang wieder zum Rollen bringen – keine Chance. Mit jeder Umdrehung graben sich die Reifen tiefer in den Schlamm. Rückwärtsrollen bringt den Effekt mit sich, dass der Truck sich zunehmend quer stellt und durch den hohen Schwerpunkt zu kippen droht. Wir müssen aussteigen und nach Geäst suchen, damit die Reifen wieder etwas Halt finden. Jeder packt mit an – trotz strömenden Regens und aufgewühlterm Schlamm bis zu den Knöcheln. Der Wunsch, endlich aus dieser misslichen Lage zu kommen, ist stärker. Auch die Rundhölzer, die sich für solche Fälle an Bord des Trucks befinden, helfen nicht. Der Truck bewegt sich keinen Zentimeter mehr. Jedes Rückwartsrollen bringt ihn nur noch näher an die beidseitigen Erdwälle. Nur ein Traktor kann den Truck noch aus dem Schlamassel ziehen © Foto: Jens Döring - Outback Africa ErlebnisreisenLetzte Rettung verspricht uns ein Bauer, der in seinem Land Rover die Hände über dem Kopf zusammen schlägt. Er kennt jemanden, der jemanden kennt, der einen Traktor hat. Ob das wohl gut geht? Ob wir den jemals wieder sehen? Bange Minuten verstreichen, bis wir in der Ferne endlich das Grollen eines Traktors hören. Und siehe da: im Handumdrehen und spielend leicht wird der Truck endlich aus dieser brenzligen Situation befreit und wir können mit erheblicher Verspätung und mit Schlamm voll gesudelt die Fahrt in Richtung Potholes fortsetzen. Ich habe inzwischen keine große Lust mehr, mir die Potholes anzuschauen. Aber als ich davor oder besser darüber stand, kommt mein Interesse plötzlich wieder zurück. Am Zusammenfluss von Treur und und Blyde River war früher eine Goldmine in Betrieb. Vom Wasser mitgeführte Geröll- und Sandmassen haben in den Felswänden bizarre Strudellöcher geschaffen, die nun täglich von zahlreichen Besuchern bestaunt werden können. Ein einmaliges Erlebnis. Die Fels-Auswaschungen Bourke's Luck Potholes © Foto: Jens Döring - Outback Africa ErlebnisreisenVon hier aus hat sich auch der Blyde River auf 20 Kilometer bis zu 700 Meter tief in den Felsen gegraben und ließ so den imposanten Blyde River Canyon entstehen. Nur wenige Kilometer von den Potholes entfernt, können wir den Canyon mit seinen „Rondavels“ (Felsformationen, die in ihrer Form an Rundhütten erinnern) bestaunen. Er ist nach dem Grand Canyon in den USA und dem Fish River Canyon in Namibia der drittgrößte Canyon der Welt. Leider bleibt hierfür auf Grund bekannter Ursache wenig Zeit und ich komme mir ein weiteres Mal wie ein japanischer Tourist vor. Noch zwei Stunden Fahrt trennen uns von unserem heutigen Ziel, dem Balule Wildreservat im Lowveld am Krüger Nationalpark. Da es keinen Zaun zwischen dieser privaten Konzesssion und dem Nationalpark gibt, ist es nicht unwahrscheinlich, selbst hier die „Big Five“ zu sehen. Erst nach Einbruch der Dunkelheit erreichen wir unser Ziel. Das Drifters eigene Camp liegt auf einer Anhöhe oberhalb eines künstlich angelegten Wasserloches und mit herrlichem Ausblick auf das Reservat, das sich einem zu Füßen legt.Der Hauptbereich mit Küche, Esstischen, Lagerfeuerplatz, Pool und öffentlicher Toilette überblickt das Wasserloch, das bei Nacht beleuchtet werden kann. Leider haben wir nicht das Glück, gleich am ersten Tag die „Big Five“ zu sehen, die sich um das Loch versammeln und uns ein Ständchen singen. Morgen ist ja auch noch ein Tag!Einrichtung der Zelt-Chalets im Balule-Naturreservat © Foto: Jens Döring - Outback Africa ErlebnisreisenDie Zelte sind zwar einfach aber vollkommen ausreichend ausgestattet. Der Schlafbereich ist aus Zeltstoff und besteht aus zwei Einzelbetten und zwei Kofferablagen. Im bad mit Dusche, Waschbecken und Toilette sind die unteren Mauern des Bades massiv - ab einer Höhe von 1,5 Metern bis hoch zur Decke sind die Wände mit Schilfrohren verschlagen. Begleitschutz ist notwendig, wenn wir vom Essen zum Zelt gehen möchten (es gab übrigens ein klassisches „Braii“, oder auch Barbecue genannt). Kein Zaun trennt uns von der umgebenden Wildnis.Die Zelt-Chalets des Camps im Balule-Naturreservat © Foto: Jens Döring - Outback Africa ErlebnisreisenIn der Nacht schwitze ich wegen meines viel zu dicken Schlafsacks, aus dem ich schnell wieder herauskrieche und ihn lediglich als Decke benutze. Die Gefahr von Moskitostichen nehme ich in Kauf. Dafür habe ich zumindest nicht mehr das Gefühl, ersticken zu müssen. Das Malarone muss ja auch mal für was gut sein.Fortsetzung hier.Diese Reise kann man hier buchen.

ein Kommentar

Katja Knaak

15.01.2009 um 14:41

Ich bin selber schon zwei Mal mit Drifters unterwegs gewesen. Einmal 18 Tage von Johannesburg nach Kapstadt und im letzten Jahr in Botswana. Ich kann den Veranstalter nur weiter empfehlen. Ich war begeistert! Alles gut organisiert und das Preis-, Leistungsverhältnis stimmt. Das Tolle ist, dass man als Alleinreisender keinen Zuschlag bezahlen muss. O.K., man muss sich eventuell ein Zimmer mit einem Mitreisenden teilen, aber wer solche Art Reise unternimmt, nimmt das gerne in Kauf.