Reisebericht von Südafrikas Küsten (1): Windiges Kapstadt

von Jens Döring

1. Tag: Dienstag, 11.11.2008Nun beginnt also das "Abenteuer Afrika". Zwar von langer Hand geplant, aber dann doch immer wieder vor sich her geschoben. "Es ist ja noch ein Stück hin!", habe ich mir immer wieder gesagt. Und dann ging es doch ganz schön schnell. Mitten in der Nacht fahre ich mit meinem schicken BMW-Mini-Mietwagen zum Flughafen Nürnberg. Die Abgabe am Terminal funktioniert recht reibungslos, selbst nachts um 3:00 Uhr empfängt mich ein Sixt-Mitarbeiter und nimmt mir das Auto ab.Dank der überschaubaren Größe des Nürnberger Flughafens finde ich mich schnell zurecht. Am Check-In Schalter der KLM präsentiert man sich sehr kunden- und serviceorientiert. Trotz einer vorherigen Sitzplatzreservierung bietet man mir eine nochmalige Sitzplatzänderung an, da ich ja in der mittleren Reihe in der Mitte sitze. Ich lasse mich überzeugen und ergattere nun einen der letzten Fensterplätze für den Langstreckenflug von Amsterdam nach Kapstadt.Nach einem unspektakulären einstündigen Flug von Nürnberg nach Amsterdam komme ich gegen 7:30 Uhr an. Noch knappe zwei Stunden, bis die KLM-Maschine nach Kapstadt startet. Der Flughafen Schiphol in Amsterdam ist nun doch einige Nummern größer als der in Nürnberg. Man braucht schon einige Zeit länger, um von A nach B zu kommen. Aber dank der Instruktionen der netten KLM-Mitarbeiterin in Nürnberg weiß ich nun, ausgestattet mit einem Lageplan, wo ich hinzugehen habe. Ganze 20 Minuten dauert es, bis ich vom Ankunftsgate zum Abfluggate gelange. Aber die Umsteigezeit gibt es ja her, allerdings würde die Zeit nicht für das Neu-Einchecken des Gepäcks ausreichen. Das Durchchecken bewährt sich in diesem Fall mal wieder, trotz Unkenrufen und der Angst, das Gepäck käme nicht am Bestimmungsort an.Der Langstreckenflug verläuft bis kurz vor Kapstadt sehr entspannt. Wobei ich sagen muss, dass ich auf Grund meiner quasi durchgemachten Nacht den Großteil des Fluges verschlafe.Beim Landeanflug auf Kapstadt wird es dann aber doch noch richtig interessant. Das Flugzeug beginnt sich zu schütteln und man merkt, wie der Pilot ständig gegensteuern muss. Er begrüßt uns nach der Landung mit den Worten „Welcome to windy Cape Town“. Und tatsächlich scheint da draußen Einiges los zu sein. Aber erst einmal muss ich ja durch die Passkontrolle, die gefühlte 120 und tatsächlich 45 Minuten in Anspruch nimmt. Das Gepäck dreht in der Zwischenzeit Extra-Runden. Aber immerhin finde ich meine Tasche dann schnell und kann mich in der kleinen Ankunftshalle nach meinem Transfer in das Cape Town Drifters Inn umschauen. Unvorteilhaft ist, wenn der Fahrer ein Schild mit seiner rechten Hand in die Luft hält und ausgerechnet meinen Namen mit seiner Faust verdeckt. Da kann man dann lange suchen…Nach der Landung in Kapstadt um 22:30 Uhr vergehen insgesamt 90 Minuten, bis ich endlich im Transferbus sitze. Auf dem Weg zu meiner Unterkunft für die nächsten beiden Nächte (Drifters Inn im Ortsteil Sea Point) zeigt sich der Sturm von seiner hässlichen Seite: umgeknickte Bäume, abgedeckte Dächer, umherfliegender Müll und sogar Einkaufskörbe finden sich auf der Straße. Nach 40 Minuten Fahrt durch dieses Chaos erreichen wir dann schließlich das Drifters Inn. Mir öffnet „Brett“ die Tür und ich bin froh, dass überhaupt noch jemand kurz vor 1:00 Uhr nachts wach ist. Er erklärt mir kurz das Wichtigste, denn ich mache wohl keinen besonders aufnahmefähigen Eindruck mehr. Er sagt nur noch kurz, dass wir zusammen auf der „Coastal Explorer“ (Südafrikas Küsten) sind. Ich freue mich, schon den ersten Teilnehmer getroffen zu haben und sehne mich nun nach einem Bett!2. Tag: Mittwoch, 12.11.2008Die Nacht verlief alles andere als ruhig und erholsam. Der Sturm wütet selbst am Morgen noch und das wegen Wartungsarbeiten geöffnete und nur mit Folie notdürftig geflickte Dach tat sein übriges dazu. Begleitet von Regen und Donnergrollen weckt mich der Sturm um ca. 7:00 Uhr auf. Macht aber nichts, denn ich muß ohnehin jetzt aufstehen, weil bereits um 8:30 Uhr meine Halbtagestour nach Cape Point und zum Kap der guten Hoffnung startet. Erst jetzt habe ich Zeit (und Lust) mir die Unterkunft genauer anzuschauen. Die Twin-Zimmer sind zwar zweckmäßig eingerichtet, versprühen aber dennoch ein gemütliches Flair. Hier fühlt man sich auch aufgrund der warmen Farben sofort wohl. Der Speiseraum ist mit Liebe zum Detail eingerichtet und lässt auch zum Teil den Blick auf den nur einen Steinwurf entfernten Atlantik frei. Eine Bushaltestelle ist übrigens auch gleich um die Ecke, falls man auf eigene Faust zur V&A Waterfront und ins Stadtzentrum möchte. Auch das Kaminzimmer mit seinen schweren aber äußerst komfortablen Couches lädt zum Faulenzen ein. Hier liest man gerne mal ein Buch aus der hauseigenen kleinen Bibliothek. Leider habe ich dafür aber keine Zeit. Denn nach dem kontinentalen Frühstück wartet auch schon der Minibus für die Tour nach Cape Point auf mich.Die Tour ist Ihre 450 Rand (ca. 35,- EUR) auf jeden Fall wert. An der Westseite der Kaphalbinsel entlang geht es vorbei an Kirstenbosch mit seinen Botanischen Gärten und weiter über Groot Constantia und den umgebenen Weingütern bis zum Cape of Good Hope Nature Reserve. Das Naturreservat bildet die Südspitze der Kap-Halbinsel und ist Teil des Table Mountain National Park. Die Straße endet an einem Parkplatz. Hier ist Vorsicht geboten vor den oft dreisten und teilweise aggressiven „Baboons“ (Paviane), die sich hier in großer Zahl aufhalten. Füttern ist strengstens verboten.Bis zum Südpol ist es von hier aus nicht mehr so weit, bis nach Berlin schon.Mit der Standseilbahn fahren wir schließlich hinauf zum eigentlichen Cape Point (212 Meter ü.M.), der äußersten Spitze der Halbinsel. Wie wir aber an diesem Tag lernen, ist weder Cape Point noch das Kap der Guten Hoffnung der südlichste Punkt Afrikas! Vor dem altem Leuchtturm eröffnen sich wunderschöne Ausblicke auf den Atlantik, jedoch stürmt und regnet es immer noch derart heftig, dass es mich kaum auf den Füßen hält. Es fällt einem schwer zu glauben, dass es zwischen diesem Ort und dem Südpol nur noch Wasser und Eis gibt.Wir steigen wieder in unseren Minibus ein und fahren die wenigen Meter hinunter zum Kap der guten Hoffnung. Hier bläst der Wind sogar noch stärker und mehr als ein ganz ganz kurzer „japanischer Fotostop“ ist leider nicht drin. Schade, hätte ich doch gern auch eines der berühmten Bilder von mir hinter dem Kap-Schild.Anschließend setzen wir unsere Fahrt fort in Richtung Norden, diesmal an der Ostseite der Kap-Halbinsel entlang. Wir legen noch einen kurzen Zwischenstopp in „The Boulders Bay“ ein. Hier hat sich am Strand eine Kolonie von zahlreichen Brillen-Pinguinen angesiedelt, die in den bewachsenen Dünen und am Strand brüten und sich aus der Nähe betrachten lassen.Läßt sich gern fotografieren: Ein Brillenpinguin in Boulders Bay.Schließlich fahren wir zurück nach Kapstadt, wo wir gegen 14:00 Uhr ankommen. Mein Magen knurrt und ich entschließe mich, mir um die Ecke vom Dirfters Inn einen schnellen Snack zu besorgen. Der Wind peitscht immer noch und der Regen fällt mittlerweile „nur noch“ in Schauern. Schönes Wetter sieht anders aus…Den Rest des Nachmittages verbringe ich damit, meine Sachen neu zu packen, da ich mich ja eigentlich auf warmes Frühlingswetter eingestellt hatte und sich die wärmenden Regensachen ganz unten in der 22kg schweren Reisetasche befinden. Am späten Nachmittag zieht es mich dann aber doch noch einmal nach draußen, da ich gerne noch eine eMail an die Lieben zu Hause absetzen will. Der Supermarkt gleich neben dem Internet Café versorgt mich mit ein paar Knabbereien und Wasser für den morgigen ersten Abschnitt der Reise „Südafrikas Küsten“. Der Einfachheit halber gehe ich noch einmal zum selben Schnellimbiss, um mir noch etwas für den Abend zu holen.Alle Teile des Reiseberichts in der Übersicht: Die beschriebene Reise kann man hier buchen.

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