Zambia Reisebericht (1): Bad mit Aussicht in Songwe Village

von Marco Penzel

Simon, unser Sohn, ist gerade zwei Monate alt - kann und darf ich schon wieder nach Afrika? Meine Frau Svenja gibt mir grünes Licht, zumal ich ja nur neun Tage unterwegs sein werde. Sambia steht diesmal auf dem Programm, eine Info-Reise von Wilderness Safaris ist ein reizvoller Aufhänger. Und der Gedanke an die Geräusche und Gerüche Afrikas, an endlose Weiten und einsame, mir noch ganz unbekannte Landschaften und neun Tage ohne Babygeschrei (mutmaßt Svenja) lassen mir das Herz schon wieder höher schlagen. Also wird die Reisetasche gepackt, was diesmal ganz schön schwer fällt, denn bei einer Gewichtsbeschränkung auf 15 kg INKLUSIVE Fotoausrüstung muß doch so manches Kleidungsstück und Objektiv zu Hause bleiben. Gestartet bin ich in München. Obwohl die Flüge mit SAA auf einem Ticket gebucht sind, können sie mir noch keine Bordkarte für den Weiterflug von Johannesburg nach Livingstone ausstellen. Das Gepäck wird durchgecheckt, nur in Johannesburg muß ich dann lange an einem speziellen Transit-Schalter warten, bis ich endlich eine Bordkarte bekomme. Livingstone hat einen netten kleinen Flughafen. Auf dem Weg vom Flugfeld zum Terminal läuft man unter schönen alten, schattenspendenden Bäumen hindurch. Drinnen steht man lange an, bis man endlich seine 50 US$ Visa-Gebühren los bin. Das ist viel, zumal man im vorigen Jahr noch mit einem Visa-Waver kostenlos ins Land kam. Andererseits gibt es Reisende, die noch viel tiefer in die Tasche greifen müssen als wir Kontinentaleuropäer. Briten zahlen 75 Pfund (etwa 95 Euro), Amerikaner 135 US-Dollar.

Badezimmer mit Blick in Batoka-Schlucht Songwe/Sambia © Foto: Kwando Safaris   Badezimmer Songwe Village © Foto: Marco Penzel
Das Badezimmer mit der traumhaften Aussicht gibt es in Songwe tatsächlich, nur die Frau mit den dunklen langen Haaren war bei meinem Besuch nicht zu finden :-(

Dorothy, die Managerin von Songwe Village, holt mich mit einem Fahrer ab. Kurz hinter der Stadt verlassen wir die Asphaltstraße, auf sandigen Wegen geht es weiter. Frauen tragen Wasser auf dem Kopf zu ihren Häusern. Die verstreuten Hütten hier gehören alle zur großen Ortschaft Songwe, nach der auch die Lodge benannt wurde. Es ist aber keine Lodge wie jede andere. Die Bungalows sind als afrikanische Rundhütten mit Rieddach gebaut. Dazwischen laufen Hühner herum – Songwe Village soll dem Gast das Gefühl geben, in einem afrikanischen Dorf zu wohnen. Innen sind die Bungalows rustikal eingerichtet. Es gibt ein bequemes, großes Bett, über das am Abend ein Moskitonetz gespannt wird. Statt Teppichen liegen Rinderfelle auf dem Boden. Hinter dem Schlafzimmer gibt es Dusche, Toilette und einen Waschtisch, auf dem eine Emaille-Schüssel mit einem Blechkrug steht. Einen Wasserhahn gibt es auch, aber – Dorothy hat schon im Auto dafür um Entschuldigung gebeten - heute läuft kein Wasser aus der Leitung. Wegen Problemen mit dem Generator funktioniert die Pumpe nicht, die das Wasser aus dem unten in der 100 Meter tiefen Schlucht fließenden Sambesi heraufpumpt. Aber mit Krug und Schüssel ist es ja ohnehin authentischer. Und den Spülkasten der Toilette an der Rückseite des Hauses füllen fleißige Hände immer wieder auf.

Es ist spät am Nachmittag, die Sonne steht schon tief. „Wir haben dir ein Bad eingelassen, du mußt das Tageslicht noch schnell ausnutzen“, erklärt Dorothy. Songwe hat für die sechs Gästebungalows drei extra Bade-Häuschen direkt an der Kante der Batoka-Schlucht. Das begründete den Werbespruch von der besten Badezimmer-Aussicht der Welt. Es gibt ein berühmtes Bild, das eine Frau mit dunklen langen Haaren in der Badewanne zeigt, mit Blick in die Schlucht. Die Abendsonne taucht alles in ein warmes Licht. Das Motiv war schon zweimal im Outback-Africa-Katalog abgebildet. Auf Reisemessen habe ich oft beobachtet, wie die Leute beim Blättern durch den Katalog genau bei diesem Bild inne hielten. Nun probiere ich dieses berühmte Bad also selbst aus. Wanne und Aussicht halten, was das Bild im Katalog versprach. Nur die dunkelhaarige Schönheit ist bei meinem Besuch nicht zugegen. Für den Weg zwischen Bungalow und Bad gibt es übrigens einen farbenfroh gemusterten Bademantel. Ich will lieber nicht wissen, wie ich darin aussehe, als ich quer über den Hof schreite - „like a chief“, lacht Dorothy.

Songwe Village, Livingstone/Zambia © Foto: Marco PenzelDie Gästebungalows in Songwe Village sind nach dem Vorbild eines afrikanischen Dorfes gebaut.Alle Teile des Reiseberichtes in der Übersicht:

noch keine Kommentare