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Rovos Rail - Blick in eine De Luxe Suite
In der De Luxe Suite gibt es neben dem Bett noch Tisch und Polsterstühle sowie wie in allen Suites eine private Dusche und Toilette. © Foto: Marco Penzel

Zum Bahnhof? Der Taxifahrer schaut ungläubig, als ich am Messegelände von Durban einsteige und das Ziel erkläre. Am Morgen hatte ich Mark, der in einem Vorort von Durban lebt, nach dem Hauptbahnhof gefragt. Er kannte den Weg nicht. Bahnfahren ist in Südafrika, jedenfalls für den weißhäutigen Teil der Gesellschaft, so ungewöhnlich wie Schlittschuhlaufen in der Karibik. Doch ich will heute mit Zug reisen, mit einem ganz außergewöhnlichen auch noch, dem Rovos Rail. Zum Glück kennt der Taxifahrer den Weg zum Bahnhof, einem Zweckbau aus viel Beton. Oben, am Ende einer langen Auffahrrampe, warten schon freundliche Frauen in eleganten Uniformen mit dem RVR-Signet. Sie nehmen mir meine Tasche aus der Hand und hängen ein dunkelgrünes Namensschild dran. “Mr. Penzel” steht darauf sowie der Name meines Abteils ”Kudu”. Unten auf dem von kaltem Neonlicht erleuchteten Bahnsteig ist ein Tisch aufgebaut, Kellner verteilen Champagner und Orangensaft zur Begrüßung. Eine Rovos-Mitarbeiterin gibt zu, dass man mit dem Ambiente hier nicht so richtig glücklich ist. “In Kapstadt genießen unsere Gäste den Komfort einer Lounge, in Pretoria haben wir ja unseren eigenen Bahnhof”, erklärt sie. Aber hier müsse man leider mit dem einfachen Bahnsteig vorlieb nehmen. Immerhin ist extra ein roter Teppich verlegt worden. Schnell fällt ein groß gewachsener älterer Herr im Getümmel auf, er hat graues Haar und einen freundlichen Blick. So stellt man sich den Prototypen eines englischen Gentlemans vor. Es ist Rohan Vos persönlich, der Mann, der hinter dem Unternehmen steht. Er hat sich mit diesem Zug den Traum eines Eisenbahnfreaks verwirklicht und lässt den gediegenen, luxuriösen Reisestil längst vergangener Zeiten wieder aufleben. Mit einem verbindlichen Händedruck begrüßt er jeden einzelnen seiner Gäste. Nach einer kurzen Ansprache heißt es endlich Einsteigen in den Zug, der laut Rovos der luxuriöseste der Welt ist und unter dem Motto „Pride of Africa“ („Stolz Afrikas“) durch verschiedene südafrikanische Länder und zweimal im Jahr sogar bis hinauf nach Dar es Salaam fährt. Im Wagon fühle ich mich sofort wie in einem alten Film. Die dunkle Holzvertäfelung, das gedämpfte Licht, der feine dunkelgrüne Teppichfußboden. Hier soll kein banales Utensil an die hektisch-technische Welt von heute erinnern. Deshalb ist in der Suite, wo das Gepäck bereits auf mich wartet, selbst die Fernbedienung der Klimaanlage in einem dunkelgrünen Stoffsäckchen versteckt. Fernsehapparate wurden hier nicht eingespart, nein auf sie wird ganz bewusst verzichtet. Die Reisenden sollen nicht vor der Glotze die teure Zeit vergeuden, sondern in den Gesellschaftswagen, an den Bars oder auf der Aussichtsplattform mit anderen Passagieren ins Gespräch kommen oder einfach vom bequemen Sessel aus die vorbeiziehende Landschaft genießen. Meine Suite gehört zur Kategorie De Luxe, der mittleren der drei angebotenen Klassen. Es gibt ein kleines Bad mit Dusche, Waschbecken und Toilette. Im Zimmer steht ein Schreibtisch mit zwei Polsterstühlen, dahinter ein Doppelbett. Auch die Pullman-Suiten haben private Duschen und Toiletten, nur sind die Abteile etwas kleiner. Dort muss der Butler am Abend das Sofa in ein Bett verwandeln. Die Royal Suites, die sich jeweils über einen halben Wagon erstrecken, bieten entsprechend mehr Platz und im Bad sogar eine Wanne.

Im Speisewagen wird jetzt das Mittagessen serviert. Mit drei Gängen zieht es sich von 13 bis fast 15 Uhr hin. Hauptgericht ist ein Salat, von dem drei verschiedene Varianten zur Auswahl stehen. Ich entscheide mich für die Crevetten mit Zitronengras. Auf der Weinkarte stehen mindestens zwanzig erstklassige südafrikanische Tropfen. Die offenen Flaschen werden in der Mitte des Wagens deponiert. Manchmal hat jeder der vier Gäste am Tisch einen anderen Wein bestellt. Die Kellner wechseln die Flaschen hinter dem Rücken so geschickt, dass die Gäste es zumeist gar nicht bemerken. Doch wie können sie sich erinnern, wer welchen Wein nachgeschenkt bekommt? Das Geheimnis ist offenbar ein Notizzettel auf dem Flaschentisch. Nach dem Essen kehre ich in meine Suite zurück und rufe daheim im Büro an. Ich muss doch den Kollegen berichten, wie es mir hier ergeht. Im privaten Abteil ist das möglich, dagegen sind in den Gesellschaftswagen Mobiltelefone nicht erwünscht. Draußen zieht eine herbstliche Landschaft vorbei. Der Zug muss mehrfach halten. Einen festen High Tea gibt es im Zug nicht. Nachmittags stehen im Clubwagen silberne Tabletts mit Kuchen und Torten bereit. Tee und Kaffee werden jederzeit auf Wunsch serviert. Andere Getränke natürlich auch. Noch mehr als die authentische, selten kitschige Atmosphäre beeindruckt mich das Personal. Es scheint tatsächlich Wünsche vom Gesicht der Passagiere ablesen zu können. Die Kellner schaffen die Balance aus angenehmer Zurückhaltung und ständiger Aufmerksamkeit. Du sitzt auf einem Sofa-Sessel, blätterst in einem der Bildbände. Weit und breit ist kein Personal zu sehen. Dann denkst Du, jetzt könnt man eigentlich mal etwas trinken. Plötzlich steht ein Kellner da und fragt: “Was darf ich Ihnen bringen?”

Rovos Rail - Lunch
Leichter Hauptgang beim Mittagessen: Salat mit Crevetten. © Foto: Marco Penzel

  • Teil 2 des Reiseberichts finden Sie hier.

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