Neuigkeiten und Berichte von Outback Africa Erlebnisreisen

Reiseberichte

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Massai Mara, 4.Juli 2014

Es ist noch stockdunkel draußen, als ich gegen 4.00 Uhr heute morgen aufstehe. Strom gibt es in der Lodge erst in einer Stunde und ich bin wegen der befristeten Stromzeiten etwas in Sorge, ob meine Akkus nach der fotoreichen Pirschfahrt am gestrigen Nachmittag schon wieder voll geladen sind.

Elly Kirkman, die verwegene Ballonpilotin © Foto: S. Schlesinger | Outback Africa Erlebnisreisen

Elly Kirkman, die verwegene Ballonpilotin © Foto: S. Schlesinger | Outback Africa Erlebnisreisen

Mit einem Fahrer geht es hinein in die Dunkelheit. In weiter Ferne sieht man blinkende Lichter – die Massai halten so die Löwen von ihren Viehpferchen fern. Nach rund einer halben Stunde Fahrt treffen wir auf einige weitere Fahrzeuge. Von dem Ballon ist noch nicht viel zu sehen, lediglich ein überdimensionaler Korb steht bereit. Erst bei näherem Hinsehen erkennt man im ersten Morgenlicht eine riesige gelb-orangene Fläche, die auf dem Boden ausgebreitet liegt. Mit Hilfe von Generatoren werden nun Ventilatoren in Gang gesetzt, die den Ballon soweit vorab aufblasen, dass ein Sicherheitscheck der Hülle stattfinden kann.

Eine kleine, drahtige Frau stellt sich als Elly, unsere Pilotin, vor. Sie kommt aus Australien, ist seit 15 Jahren Ballonpilotin und hat über 1500 Flugstunden auf ihrem Konto. Ihre deutlich zu verstehenden und eindeutigen Sicherheitsanweisungen geben mir ein gutes Gefühl. Wir werden 16 Passagiere sein und fliegen mit “Twiga”, einem der größten Ballons, von denen die Firma insgesamt sieben besitzt. Wir teilen uns in vier Gruppen auf, denn der Korb ist in vier “Compartments” eingeteilt. Der Rand ist ungefähr brusthoch, innen ist alles gepolstert und die Passagiere sitzen oder stehen hübsch aufgereiht wie Kekse in einer Schachtel nebeneinander. So kann auch bei der Landung für den Fall, das der Korb umkippt, nicht viel passieren. Ich schließe mich einer indischen Familie mit einer kleinen Tochter an. Der Vater bekommt nochmals separate Anweisungen, wie er das Kind bei der Landung festhalten soll, dann wird genau eingeteilt, in welcher Reihenfolge der Korb bestiegen wird.

Der Brenner wird entzündet und speit nun wie ein Drache Feuer in die Ballonhülle. Innerhalb von Sekunden richtet sich der gelb-orangene riesige Luftsack auf und wir bekommen das Kommando zum Einsteigen. Ich bin in unserem „Abteil“ zuerst dran und setze mich wie angewiesen auf die gepolsterte Sitzbank, den Rucksack mit der Kamera zwischen die Beine geklemmt. Nachdem alle anderen Passagiere ebenfalls sitzen, geht es los und nach einigen kräftigen Brennerstößen heben wir ab. Wir dürfen aufstehen und sehen, wie die Bäume unter uns immer kleiner werden. Einfache Physik wirkungsvoll angewandt. Langsam gewinnen wir an Höhe. Der Brenner über der Mitte des Korbes erzeugt ordentlich Hitze und da ich direkt daneben stehe, habe ich es kuschelig warm und bekomme Ellys Kommentare natürlich besonders gut mit.

Wir haben nicht viel Wind und es scheint, als ob wir uns fast gar nicht von der Stelle bewegen. Das Ballonfahren habe sie Geduld gelehrt, sagt Elly und erzeugt mit dem Hebel eine ordentliche Brennerflamme. Langsam kommen wir in Fahrt und bewegen uns in westliche Richtung, denn der Wind kommt hier fast immer von Osten. Gestern waren genau hier unter uns Hunderte von Gnus und Zebras, nun sind sie weitergezogen. Wir steigen weiter auf, damit wir in eine Windströmung kommen und Fahrt aufnehmen. Mit einem Fernglas sucht Elly die Savanne nach interessanten Tieren ab. Unter uns wandern einige Antilopen vorbei, später sehen wir an einem Flusslauf zwei junge Löwen und eine Hyäne, die sich an einem erlegten Gnu gütlich tut.

Die Sonne geht auf und hinter uns am Horizont sieht man die Silhouetten von fünf weiteren Ballons. Ein toller Anblick! Ballonfahrten sind sehr beliebt. Langsam dreht sich der Ballon und wir haben die Möglichkeit, in unterschiedliche Richtungen zu schauen. Elly macht mit einer kleinen Kamera, die in den Leinen über uns hängt, einige Gruppenbilder. Alle im Korb sind auffallend still. Eine Mitreisende findet gerade heraus, dass sie doch etwas Höhenangst hat, alle anderen genießen andächtig das herrliche Gefühl, lautlos über die Ebene zu schweben, nur begleitet vom Blöken der Gnus und dem Wind, der über das Savannengras streicht.

Vor uns erhebt sich ein kleiner Hügel und hier treffen wir endlich auf die großen Gnu- und Zebraherden. Wir sinken weit herunter und können die Tiere ganz nah sehen, die von dem Fauchen des Brenners aufgeschreckt davongaloppieren. Immer dichter wird der weiß-schwarze und graue Teppich. Die Große Tierwanderung ist in der Massai Mara angekommen.

Viel zu schnell vergeht die Zeit und wir bekommen das Kommando, die Kameras wegzupacken und uns zur Landung bereit zu machen. Elly macht ihre Sache großartig, wir setzen auf und werden nur ein kleines Stück durch den Schwung des Ballons mitgerissen, dann kommen wir zum Stillstand und kippen auch nicht mit dem Korb um. Natürlich werden nun eine Menge Fotos gemacht, während die Fahrer geduldig auf uns warten, um uns quer durch die Gnuherden zum Frühstücksplatz zu bringen. Hier ist unter einem Baum ein Tisch mit Leckereien aufgebaut und es gibt reichlich Sekt und Kaffee. Sogar eine Toilette wurde installiert. Insgesamt sind wir rund 20 Kilometer über die Massai Mara gefahren.

Wir bekommen unsere Zertifikate. Auf die albernen Rituale, die es bei deutschen Ballonfahrten gibt, wird hier zum Glück verzichtet. Wir können uns die gemachten Fotos anschauen und auch kaufen. Alle sind sich einig, dass dies ein tolles und einmaliges Erlebnis war. Ich könnte sofort wieder abheben und auch wenn Ballonfahrten mit rund 500 Dollar recht preisintensiv sind, sollte man lieber an anderer Stelle sparen und sich dieses fantastische Erlebnis gönnen. Man kann übrigens einen Ballon auch exklusiv mieten, muss jedoch immer die komplette Anzahl Personen bezahlen.

Ballonfahrten sind bei fast allen Reisen in die Massai Mara und auch in der Serengeti und in Tarangire arrangierbar. Die Vorbuchung wird dringend empfohlen, denn nicht immer sind noch genügend Plätze im Korb frei.

Meine Erkenntnisse von meiner dritten Kenia-Reise innerhalb von drei Jahren sind diese:

Die Nordparks sind etwas Besonderes. Mit „Nordparks“ bezeichnen die Kenianer die Wildreservate und Nationalparks nördlich des Mt. Kenya bzw. nördlich des Äquators, auch wenn diese Region eher im Herzen Kenias liegt als an der Nordgrenze des Landes.

Netzgiraffe in Samburu © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Netzgiraffe in Samburu © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Abgesehen vom Lake Nakuru, der sowieso kein Nordpark ist und der zum Standardprogramm vieler Kenia-Safaris gehört, habe ich mich diesmal auf weniger besuchte und weniger bekannte Parks konzentriert. Es hat sich gelohnt. Die Tierwelt in den Aberdares, in Samburu, Buffalo Springs, Lewa und Ol Pejeta ist wunderschön. Diese Parks sind auch in der Regenzeit im April/Mai sehr gut zu bereisen (nicht einmal ein Allradfahrzeug ist dafür nötig) und auch dann erstaunlich tierreich. Angenehm ist die Höhenlage der Reservate um den Mount Kenya herum. Viele liegen auf 1600 bis 1800 Metern, was für angenehme Temperaturen und ein sehr geringes Malaria-Risiko sorgt.

Wer sich für eine Reise im April oder Mai entscheidet, hat zudem einen großen Preisvorteil und teilt die Tiersichtungen nur mit wenigen anderen Besuchern. Ich habe mir vorgenommen, nie wieder pauschal von einer Kenia-Reise in der Regenzeit abzuraten. Viel Regen haben wir auch im April nicht erlebt. Hin und wieder fiel er in der Nacht, die meisten Tage waren sonnig und warm.

Elefant in Samburu © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Elefant in Samburu © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Ein Safari-Minibus (zumindest ein gut ausgestatteter mit guten Reifen von unserer Partnerfirma) steht einem Landcruiser in fast nichts nach. Er bietet guten Sitzkomfort, fährt sich etwas weicher als ein Landcruiser, hat dasselbe Hubdach und bietet denselben Platz im Fahrgastraum. Ich war erstaunt, was für Pisten dieser Minibus bewältigt, auch steinige und steile Anfahrten, Senken mit Wasserläufen und Querfeldein-Fahrten. Nur in sumpfigen, morastigen Gegenden hätte er wohl seine Schwierigkeiten, aber solche Gegenden blieben uns erspart.

In den Hochland-Nächten wird es ganz schön kühl. In Aberdares, Ol Pejeta und Lewa war ich sehr froh über die Wärmflasche, die abends in meinem Bett lag.

Der Tourismus in Kenia ist schon vergleichsweise alt, sehr viel älter als im Nachbarland Tansania. Das hat einige Vorteile, zum Beispiel ist vielerorts der Service-Standard höher. Man kennt die Bedürfnisse und Wünsche der Touristen schon seit Jahren, das Personal in den Lodges ist gut geschult, die Service-Qualität ist nicht so schwankend wie in Tansania.
Die Tiere in den Reservaten sind nicht scheu, sie sind seit Jahrzehnten an Autos gewöhnt und lassen sich ganz entspannt aus der Nähe fotografieren. Das ist aber in Tansanias Serengeti und im Ngorongoro-Krater ebenso gegeben.

Nashörner im Lake Nakuru NP © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Nashörner im Lake Nakuru NP © Foto: Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

In Kenia gibt es ausreichend Kapazitäten für Safari-Touristen, und anders als in Tansania werden nicht ständig neue Lodges gebaut und die Zimmerzahl der bestehenden Lodges erweitert. In Kenia bekommt man auch in der Hochsaison überall noch relativ kurzfristig Zimmer, wenn man sich nicht auf bestimmte Lodges versteift. Während wir in Tansania oft zu kämpfen haben, mit drei Monaten Vorlauf geeignete Lodges für die Hochsaison im Juli/August zu bekommen, ist das in Kenia wesentlich einfacher. Auch sind Flüge nach Kenia leichter und günstiger zu buchen als nach Tansania. Es gibt einfach mehr Verbindungen nach Nairobi als nach Kilimanjaro.

Nachteile des „alten“ Tourismus in Kenia sind die großen Hotels an der Küste nördlich und südlich von Mombasa. Sie stammen aus den 70-er und 80-er Jahren, als TUI, Neckermann und Thomas Cook sowie britische Großveranstalter anfingen, Heerscharen von Badeurlaubern ins Land zu bringen. Heute füllen sich diese großen Kästen nicht mehr so gut, weil Kenia für einen reinen Badeurlaub viel zu schade ist und mehr und mehr Safari-Touristen gar nicht mehr an die Küste kommen, sondern ihre Reise ab und bis Nairobi planen. Manche möchten im Anschluss an ihre Safari lieber nach Sansibar fliegen als an die kenianische Küste. Mombasa selbst ist keine attraktive und keine sehr sichere Stadt, mehrere Anschläge hat es schon gegeben. Auch wenn diese nicht gegen Touristen gerichtet waren, so hat doch das Image der Stadt und der umliegenden Küstenregion gelitten.

Lewa Conservancy, Grevy-Zebras © Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Lewa Conservancy, Grevy-Zebras © Svenja Penzel | Outback Africa Erlebnisreisen

Der Äquator ist eine interessante Linie, die sich quer durch Kenia zieht und die ich diesmal gleich mehrmals überquert habe. Was einem dort geboten wird und was man daraus machen kann, habe ich in einem eigenen „Äquatorial“ beschrieben.

Auch von meiner dritten Kenia-Reise kehrte ich begeistert zurück. Neben der Tierwelt, die mich immer wieder neu beeindruckt, haben mich diesmal besonders die Landschaften fasziniert. Das herrliche Elefantenparadies Samburu mit seiner Lebensader, dem Ewaso Nyiro River, die grünen Hügel der Aberdares, die wie ein Dschungel wirken und voller Tiere sind, das sanft gewellte Land von Lewa, in dessen wogendem Gras die Nashörner wie Urgestein erscheinen, die grandiosen Aussichtspunkte entlang des großen afrikanischen Grabenbruchs, Szenen wie in „Jenseits von Afrika“. Ich werde wiederkommen.

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Den schlafenden Krieger, nach dem die Sleeping Warrior Lodge benannt wurde, sieht man schon von weitem. Ein großer grüner, etwas unförmiger Hügel mit einem markanten Einschnitt in der Mitte. Er weist den Besuchern den Weg zur gleichnamigen Lodge. Wenn man im richtigen Winkel zu diesem Hügel steht, sieht er aus wie ein großer liegender Kopf mit offen stehendem Mund.

Der Weg zur Lodge ist nicht der einfachste, aber er lohnt sich. Wir nähern uns der Lodge vom Lake Elmenteita aus und fahren durch das Reich Lord Delameres, eines kenianischen Großgrundbesitzers, dessen Großvater einst aus England nach Kenia gekommen war. Die Delameres haben in Kenia Geschichte geschrieben und besitzen bis heute große Ländereien mit viel Vieh. Ein wesentlicher Teil dieses Landbesitzes ist heute aber ein Wildschutzgebiet. Es heißt Soysambu und bildet einen Korridor zwischen dem Lake Nakuru und dem Lake Elementeita. Hier liegt die Sleeping Warrior Lodge wunderschön auf einer felsigen Anhöhe mit weitem Blick über das von Vulkangesteinen durchsetzte Buschland. In der Ferne schimmert der Lake Elmenteita. Ein Anblick zum Träumen. Hier möchte man bleiben und verweilen. Jacqueline Damon, eine US-Amerikanerin, hat es gemacht. Sie kam vor einigen Jahren mit ihrem französischen Ehemann hierher und erfüllte sich mit über 60 Jahren ihren Traum von einer eigenen Lodge. Eine schönere Stelle hätte sie wohl kaum auswählen können. Aufgrund der Höhenlage besteht hier so gut wie kein Malaria-Risiko, es herrschen angenehme Temperaturen, es gibt genügend Regenfälle und die Gegend ist sehr fruchtbar.

Während die drahtige, zierliche Frau uns mit leuchtenden Augen durch die Anlage führt und vom Werdegang ihrer Lodge erzählt, fällt mein Blick immer wieder auf das grandiose Panorama, das sich unterhalb der Lodge über den halben Horizont erstreckt. Und während sie von den vielen Aktivitäten erzählt, die man hier unternehmen kann (Wandern, Trekking, Besteigung des “Sleeping Warrior”-Felsens, Pirschfahrten am Tag und bei Nacht, Sundowner-Fahrten, Frühstück oder Mittagessen im Busch), denke ich nur “ach nein… ich möchte einfach nur hier sitzen”. Man gebe mir eins dieser Chalets am Hang, einen Liegestuhl auf der Terrasse, einen Sonnenschirm und ein gutes Buch, und ich könnte das eine Woche lang aushalten, ohne die Lodge zu verlassen. Der Infinity-Pool unterhalb des Haupthauses bietet denselben schönen Panoramablick. Zwischen diesen beiden Orten würde ich hin und her pendeln und mir ab und zu einen Gin Tonic kommen lassen.
Übrigens, die Sleeping Warrior Lodge steht auch für sehr gute Küche. Davon konnten wir uns bei einem Drei-Gänge-Mittagessen überzeugen. Hin und wieder finden sich sogar Lord und Lady Delamere zum Abendessen ein.
Wer am Ende seiner Kenia-Safari nicht zum Baden an den Indischen Ozean möchte, dem sei wärmstens empfohlen, hier ein paar Tage gepflegt auszuspannen oder – für Aktive – in herrlicher Landschaft zu wandern. Ein Kleinod und zur Zeit noch ein Geheimtipp.

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