Neuigkeiten und Berichte von Outback Africa Erlebnisreisen

Jens


 

Von der Panorama-Route in den Krüger Nationalpark

31.03.2011: Auf in den Krüger – Safari pur

Heute soll es nun in den Krüger Nationalpark gehen. Bevor wir am Morgen starten, lassen wir uns noch ein wenig auf dem Gelände der Hannah Game Lodge herum führen. Wir schauen uns die unterschiedlichen Zimmerkategorien an (Standard-Chalets und Suiten) und lassen uns von dem gemütlichen Veranstaltungs-Bereich beeindrucken, wo man ganz ungestört seine Geschäfts- oder Familienfeiern ausrichten kann.

Bevor wir starten, telefoniere ich mit dem Büro zu Hause. Angelika, unsere Buchhalterin, ist die einzige, die um diese Uhrzeit die Stellung hält. Ich gebe nur kurz durch, dass wir gut gelandet sind und dass die Fahrerei bisher auch ganz gut klappt. Leider habe ich in diesem Moment nicht auf Holz geklopft, sonst wäre das darauffolgende Missgeschick vielleicht nicht passiert.
Es liegen heute rund 200 Kilometer vor uns. Normalerweise sollte das in circa drei bis vier Stunden zu schaffen sein. Dennoch möchte ich keine Zeit verlieren, denn wir möchten uns noch die Crystal Springs Mountain Lodge auf dem Robber’s Pass anschauen. Also versuche ich, kurz nachdem wir von dem Farmgelände der Hannah Game Lodge auf die R555 abgebogen sind, einen LKW zu überholen. Da ich keinen Ferrari als Mietwagen habe, versuche ich zunächst, im Windschatten des Brummis Geschwindigkeit aufzunehmen, um auf der kurvenreichen Straße im richtigen Moment schnell vorbeiziehen zu können. Es kommt, wie es kommen musste: Ein Stein aus dem Hinterreifen des Trucks kommt bei meiner Windschutzscheibe auf einen Sprung vorbei – RUMMS. Das hat ganz schön gescheppert, genau in meinem Sichtfeld. Und augenblicklich reißt die Scheibe dann von der Mitte aus nach links bis zur A-Säule. Mir ist sofort klar, das sich damit nicht mehr bis nach Durban komme. Also halte ich an der nächsten Tansktelle an, um zunächst einmal mit Europcar zu telefonieren. Die Dame am anderen Ende kann oder will mich nicht so recht verstehen und verspricht mir, das der Teamleiter mich in wenigen Minuten zurück ruft. Das klappt auch, auch wenn eine endgültige Klärung ausbleibt. Ich solle erstmal weiter fahren und auf seien Rückruf warten. Er will das Auto unterwegs zum Krüger irgendwo austauschen. Meine Laune ist am Boden, schließlich haben wir jetzt schon eine volle Stunde Verzug. Die Sight Inspection der Crystal Springs Mountain Lodge habe ich innerlich bereits gestrichen, schließlich müssen wir spätestens gegen 13:00 Uhr am Paul Krüger Gate sein, damit wir rechtzeitig zur nachmittäglichen Pirschfahrt in der Rhino Post Safari Lodge sind. Und mit der Geschwindigkeit muss ich mich nun auch zurück nehmen, damit die Windschutzscheibe nicht noch weiter reißt und uns womöglich noch auf dem Schoß liegt.

Über den landschaftlich sehr reizvollen Robber’s Pass erreichen wir Pilgrim’s Rest. Hier erhoffe ich mir nun telefonisch eine Klärung, wo wir das Auto hinbringen sollen. Wir nutzen die Wartezeit auf den Anruf und schlendern ein wenig durch das alte Goldgräber-Städtchen, das Ende des 19./Anfang 20. Jahrhunderts einen wahren Boom erlebte. Aus der einstigen Zeltstadt entwickelte sich kürzester Zeit ein befestigtes Camp mit Bars, Geschäften, einer Schule und sogar einer Zeitung. Selbst ein Hotel, das „Royal Hotel“, wurde eröffnet. Der Schürf-Boom legte sich aber Mitte des 20. Jahrhunderts wieder bis schließlich 1971 die letzte Mine geschlossen wurde. Drei Jahre später kaufte die Regierung den gesamten Ort und verwandelte ihn in ein Freilicht-Museum. Aber irgendwie habe ich in diesen Minuten keinen rechten Sinn dafür, schließlich geht mir nur im Kopf herum, wie, wo und wann ich das Auto los werde. Mir dauert das alles zu lange.

Das Royal Hotel in Pilgrim's Rest

Das Royal Hotel in Pilgrim's Rest

Das ehemalige Bankgebäude von Pilgrim's Rest

Das ehemalige Bankgebäude von Pilgrim's Rest

Scot's Café mit Souvenirshop in Pilgrim's Rest

Scot's Café mit Souvenirshop in Pilgrim's Rest


Nachdem wir ein paar Postkarten und Souvenirs, bei denen ich mich mit dem Preis über den Tisch habe ziehen lassen, besorgt haben, gehen wir zum Auto zurück. Ich staune nicht schlecht, als ein frisch geputzter weißer Kia in der Parkbucht steht. Da hat sich doch tatsächlich so ein Tagelöhner frech das Recht heraus genommen, ungefragt an meinem Mietwagen zu schrubben. Stimmt, diese Typen sind mir mit ihren Schildern schon beim Aussteigen aufgefallen, schenkte ihnen aber keine große Beachtung. Jetzt bin ich richtig sauer und im Nachhinein tut mir der Kerl auch wieder leid. Er bekommt meinen ganzen Frust ab, der sich in den letzten beiden Stunden angesammelt hat. Als er noch dazu die Hand aufhält, um für sine Leistung bezahlt zu werden, platzt mir die Hutschnur. Katja, mein gutes Gewissen, ermahnt mich aber zur Generosität und so drücke ich ihm des lieben Friedens Willen ein paar Rand in die Hand, wobei mir jeder Cent zu viel erscheint für diese Dreistigkeit.

Wir setzen uns also wieder uns Auto und fahren weiter Richtung Graskop und Hazyview. In Hazyview wollen wir noch ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt besorgen. So bin ich froh, dass unmittelbar nach Ortseingang ein großer Supermarkt in unser Blickfeld rückt. Der entstehende Tunnelblick lässt mich allerdings das Hinweisschild zum Paul Krüger Gate übersehen, was später noch für Verwirrung sorgen wird. Auf dem Parkplatz angekommen hält schon wieder einer die Hand auf: Für seine wild gestikulierenden EInparkanwiesung will der Parklatzwächter Bares sehen. Ich will nur meine Ruhe und gebe ihm einen Rand. Er gibt sich damit zufrieden. Im Einkaufszentrum selbst ist die Hölle los. Alles scheint auf den Beinen zu sein. Beim Abendessen in der Lodge erfahren wir später auch, wieso das so ist. Uns ist das hier jedenfalls alles zu viel. Als ich dann am Eingang auch noch meinen Rucksack in ein Schließfach sperren soll, entscheiden wir uns spontan, wieder umzudrehen und weiterzufahren. Wahrscheinlich hätten wie für ein paar Flaschen Wasser und Knabbereien bei dem Gewusel locker eine halbe Stunde verloren. Also setzen wir uns wieder in unser sauberes, exakt eingeparktes Auto und fahren zurück auf die Hauptstraße. Nach einigen Minuten verlassen wir plötzlich schon wieder Hazyview, obwohl es im Ort hätte links zum Paul Krüger Gate gehen sollen. Ich werde unsicher, ob wir noch richtig sind und fahre rechts ran. Denn die Beschilderung weist auch nicht in die richtige Richtung. Wir kehren also um und fahren zurück in den Ort. Wieder nichts zu sehen. Bis wir schließlich wieder an die Kreuzung mit dem Supermarkt kommen. Da steht nun plötzlich ein großes Schild mit den magischen Worten „Paul Kruger Gate“. Ich bin heute immer noch der Überzeugung, dass die dass erst in den zurückliegenden zwanzig Minuten aufgestellt hatten…

Kudu im Krüger Park

Kudu im Krüger Park

Leider nur kurz von hinten...

Leider nur kurz von hinten...

Giraffen im Krüger Nationalpark

Giraffen im Krüger Nationalpark


Jedenfalls erreichen wir dann das Paul Krüger Gate rechtzeitig, um die Nachmittagspirschfahrt noch mitnehmen zu können. Unser Auto wird am Parkeingang kurz kontrolliert, ob wir auch ja keine Waffen mitführen. Wilderei ist nämlich im Krüger ein großes Problem. Nach etwa 45 Minuten gemächlicher Fahrt erreichen wir nordöstliche von Skukuza die Rhino Post Safari Lodge. Etwas versteckt im Wald liegt sie ruhig am Flussbett des Mutlumuvi, der nur saisonal Wasser führt und derzeit trocken ist. Aber es gibt immerhin ein kleines Wasserloch, das direkt vor der Bar und der Feuerstelle liegt. Schon beim Verlassen des Autos steht der Manager on duty samt Gepäckträgerinnen zum Empfang bereit. Nachdem wir mit den Gepflogenheiten und Abläufen des Camps vertraut gemacht wurden, begeben wir uns zu unserem Zimmer. Jedes der acht auf Stelzen gebauten Zimmer (zwei Doppel- und sechs Zweibett-Konfigurationen) verfügt über uneingeschränkten Blick auf das Flussbett, sei es vom Bett, vom Bad oder von der großen Veranda aus. Die mit Schilf bedeckten und mit Zeltstoff an den Wänden versehenen Zimmer lassen trotz der visuellen Abgeschirmtheit nach außen immer noch den Eindruck entstehen, man schlafe in der Natur, da die Geräusche des Buschs unerwartet deutlich ins Innere gelangen. Zur Ausstattung der Zimmer zählen eine freistehende Badewanne, eine Außendusche, ein separates WC, Minibar, Safe, Haartrockner, Deckenventilatoren, Strom (Generator, nachts nur Batterie) und Telefon. Im allgemeinen Bereich befindet sich die Lounge mit kleiner Bibliothek, eine Bar, ein Souvenirshop und natürlich der Essbereich.

Empfang und Souvenir-Shop der Rhino Post Safari Lodge

Empfang und Souvenir-Shop der Rhino Post Safari Lodge

Gemütliche Feuerstelle für die kühlen Abende

Gemütliche Feuerstelle für die kühlen Abende

Loungebereich der Rhino Post Safari Lodge ©Foto: Jens Döring

Loungebereich der Rhino Post Safari Lodge ©Foto: Jens Döring


Die gesamte Lodge wurde unter ökologischen Gesichtspunkten konstruiert und gebaut, sodass man sie einfach wieder abbauen könnte, wenn man müsste, ohne auch nur eine Spur zu hinterlassen. Eine Pflanzenkläranlage recycelt das Abwasser und auch ansonsten wir der Müll hier strikt sortiert und recycelt. Sowohl die Rhino Post Safari Lodge als auch das Plains Camp, das wir später noch besuchen werden, befinden sich auf einer rund 12000 Hektar großen Privatkonzession innerhalb des Krüger Nationalparks. Das hat schon etwas Einzigartiges. Neben Nachtpirschfahrten sind in einer privaten Konzession auch Pirschwanderungen erlaubt. Auch dies ist wieder eine Besonderheit im Krüger. Aber dazu später mehr.

Veranda eine Doppelzimmers in der Rhino Post Safari Lodge

Veranda eine Doppelzimmers in der Rhino Post Safari Lodge

Frei stehende Badewanne

Frei stehende Badewanne

Außendusche

Außendusche


Wir haben ein paar Minuten für uns, um uns kurz auf unserem Zimmer frisch zu machen. Ich lasse es mir nicht nehmen, rasch unter die Außendusche zu springen. Was für ein Fun! So lange alles blickdicht ist und meine Schwimmringe nicht Jedermann sehen kann, ist das ein großer Spaß.

Gegen 15:00 Uhr wird zum High Tea gerufen. Das geschieht über die Telefonanlage der Lodge. Es gibt allerlei süße und herzhafte Köstlichkeiten, bei denen ich mich wieder einmal nicht zurück halten kann. Gut gestärkt und wohl riechend geht es auf zu unserer ersten Pirschfahrt im Krüger. Die Erwartungen sind hoch…

Unterwegs mit dem Pirschfahrzeug der Rhino Post Safari Lodge

Unterwegs mit dem Pirschfahrzeug der Rhino Post Safari Lodge

Noch mehr Giraffen...

Noch mehr Giraffen...

Ein Vertreter der "Small Five" - die Leopardenschildkröte

Ein Vertreter der "Small Five" - die Leopardenschildkröte


Leider sehen wir an diesem Nachmittag nicht allzu viel. Ein paar Antilopen und Giraffen kreuzen unseren Weg. Katja verliebt sich auf der Stelle in die Langhälse und will von nun an nur Giraffen sehen. Nicht zu vergessen aber auch die Schildkröte, die mitten auf dem Weg unser Vorankommen stoppte. Als unser Guide Eben anhält, sie aufhebt und aus der Gefahrenzone bringen will, möchte Katja unbedingt das kleine Tier aus der Nähe sehen. Die Schildkröte ist unsicher und vielleicht auch ein bisschen verängstigt, denn sie zieht den Kopf zurück in Ihren Panzer. Eben meint nur, wir sollten aufpassen, dass sie uns aus Furcht nicht anpinkelt. Wir alle bleiben aber trocken und setzen unsere Pirschfahrt schließlich fort. Pünktlich zum Sonnenuntergang sucht uns Eben ein schönes Plätzchen für den obligatorischen Sundowner. Ich genieße mein Glas trockenen Rotwein mit etwas Biltong und Erdnüssen. Herrlich! Da wir uns hier auf einer Privatkonzession innerhalb des Krügerparks befinden, dürfen wir auch bis in die Nacht hinein mit unserem Pirschfahrzeug unterwegs sein. Wenn andere also schon längst in Ihren Unterkünften sein müssen, erleben wir mit, wie das Nachtleben im Park erwacht. Zahlreiche Bushbabies sitzen in den Büschen und Bäumen, sehr gut zu erkennen an ihren leuchtend roten Augen im Licht des Strahlers, mit dessen Hilfe Eben die Umgebung scannt. Auch die Eulen sind hervorragend an ihren glitzernden Augen zu erkennen. Einen Leoparden, den ich mir so wünsche, bekommen wir leider nicht zu Gesicht.

Auf Pirschfahrt in der Privatkonzession der Rhino Post Sfari Lodge

Auf Pirschfahrt in der Privatkonzession der Rhino Post Sfari Lodge

Das Pirschfahrzeug der Rhino Post Safari Lodge.

Na endlich - der Sundowner!

Nette Gesellschaft beim Sundowner

Nette Gesellschaft beim Sundowner


So kehren wir etwas angefroren, es ist ja immerhin schon Herbst in Südafrika, zurück zur Lodge. Eine halbe Stunde bleibt uns, bis das Abendessen serviert wird. In der Nacht muss uns allerdings immer ein Ranger zu unserem Zimmer begleiten. Da das Camp nach allen Seiten offen und nicht eingezäunt ist, kann es durchaus passieren, dass die Tiere auf Ihrer Nahrungssuche bis an die Zimmer heran kommen. Vorsicht ist auch hier die Mutter der Porzellankiste. Als wir ausgehbereit sind, rufen wir wieder an der Rezeption an, damit uns jemand abholen kommt. So funktioniert das eben hier, mitten im Busch.

Hier wird am Abend zusammen geschlemmt.

Hier wird am Abend zusammen geschlemmt.

Essbereich in der Rhino Post Safari Lodge

Essbereich in der Rhino Post Safari Lodge

Bar mit vielen köstlichen und kühlen Erfrischungen

Bar mit vielen köstlichen und kühlen Absackern nach dem Abendessen


Beim Abendessen komme ich ins Gespräch mit der Managerin Nicky, die auch schon eine Lodge in Südtansania geleitet hat. Sie erklärt mir auch, weshalb wir heute in Hazyview keine Chance hatten, in Ruhe einzukaufen. Es ist der letzte Tag des Monats und in Südafrika ist das traditionell der Zahltag. Ein Äquivalent in Deutschland wäre wohl der Rentenzahltag, bei dem so mancher malader Senior eine Wunderheilung erfährt und plötzlich wie ein junges Reh zum nächsten Geldautomaten spurtet.

Das Camp ist diese Nacht gut gebucht. Eine Gruppe junger, aber wohl erzogener, Russen sitzt mit uns an der langen Tafel. Auch die Guides und Manager speisen alle mit an unserem Tisch. Diese Gepflogenheit ist mir noch bestens aus Botswana bekannt.

Morgen früh soll ja das Mietauto ausgetauscht werden. All die spannenden Erlebnisse auf unserer Pirschfahrt ließen mich diesen Umstand doch glatt vergessen.

Müde und erschöpft lassen wir uns in die weichen Betten fallen. Da der Laptop ja ohnehin dabei ist, schauen wir uns noch eine DVD von Bastian Pastewka an, die uns schnell in den Schlaf wiegt. Etwas deutsche „Kultur“ in Afrika ist doch wohl erlaubt, oder?

Panorama Route und Hannah Game Lodge

30.03.2011: Entlang der berühmten Panorama-Route nach Ohrigstad

Nach einer sehr stürmischen Gewitternacht erwachen wir dennoch halbwegs ausgeruht gegen 7 Uhr morgens, eine Stunde eher als geplant. Nach dem langen Tag gestern wollen wir es heute etwas ruhiger angehen lassen. Uns erwartet die berühmte Panorama-Route. Nach einem leckeren Frühstück, wie immer gab es Süßes und Gekochtes, lassen wir uns noch vor unserer Abreise die unterschiedlichen Zimmertypen der Misty Mountain Lodge zeigen. Gegen 9:45 Uhr brechen wir schließlich auf in Richtung Panorama Route, einer beliebten Reisestrecke durch die nördlichen Drakensberge und unter anderem entlang des Blyde River Canyons. Charakteristisch für die Route sind durch Flüsse geschaffene tiefe Schluchten, zahllose Wasserfälle sowie eine abwechslungsreiche und ursprüngliche Vegetation. Unsere erste Station ist Sabie, wo wir uns noch mit ein paar grundlegenden Dingen wie Wasser und etwas zu Knabbern eindecken. Gleich hinter dem Ortsausgang von Sabie lohnt der gleichnamige Wasserfall einen kurzen Besuch. Weiter geht die Fahrt über Graskop und die Mac Mac Pools zu den Mac Mac Falls, die mit einer recht imposanten Fallhöhe beeindrucken. An den Fällen kann man über den großen Souvenirmarkt bummeln. Man sollte hier aber auf keinen Fall den Preis bezahlen, zu dem die Waren angeboten werden. Hier ist Verhandeln Pflicht!

Weiter geht die Reise am Blyde River Canyon entlang, einem der großen Naturwunder Afrikas. Massiv und majestätisch präsentiert sich die über zwanzig Kilometer lange Schlucht, die einem direkt zu Füßen liegt. Erster Aussichtspunkte sind der „Pinnacle“, ein freistehender Quarzitfelsen in Form einer Turmspitze, und „God’s Window“. Das „Fenster Gottes“ beeindruckt mich immer wieder aufs Neue, hat man doch von hier aus einen atemberaubenden Blick hinunter in das Lowveld, das circa 1000 Meter tiefer liegt und durch die hier verlaufende große Randstufe vom Hochfeld getrennt ist. Von God’s Window fahren wir wieder ein Stück, bis wir schließlich Bourke’s Luck Potholes am Zusammenfluss der Flüsse Treur und Blyde erreichen. Benannt wurde dieses Naturphänomen nach dem Goldsucher Tom Bourke, der hier mit viel Glück (englisch: luck) erste Goldnuggets fand. Durch angeschwemmtes Geröll- und Sandmaterial in Zusammenspiel mit sich bildenden Strudeln wurden hier bizarre Löcher in die Felswände der Flussläufe geschliffen, sogenannten „Kolke“ (englisch: potholes). Bei meinem letzten Besuch 2008 konnte ich den Aufenthalt nicht so recht genießen, da es damals gegossen hat wie aus Kannen. Diesmal jedoch ist das Wetter auf unserer Seite und Katja ist von den riesigen Strudellöchern genauso begeistert wie ich vor drei Jahren. Mit dem Lowveld Lookout und den Three Rondavels (drei wie Rundhütten geformte Felsen, die den Canyon überragen) runden wir unsere Tour entlang der Panorama-Route ab und begeben uns auf der R36 in Richtung Ohrigstad.
In der Nähe dieses Ortes liegt unsere Unterkunft für die nächste Nacht, die Hannah Game Lodge. Die 4-Sterne-Lodge befindet sich in einem privaten Wildreservat ca. 15 Minuten nordöstlich von Ohrigstad. Wir passieren das Eingangstor, wo wir uns zunächst registrieren müssen. Anschließend fahren wir bei einem kurzen Regenschauer noch zehn Minuten durch das Konzessionsgebiet der Lodge, bis wir schließlich die Rezeption erreichen. Dort bekommen wir den Schlüssel zu unserem Standard-Chalet.
Die Hannah Game Lodge verfügt über 72 riedgedeckte Chalets, die sich in 68 Standard-Chalets und 4 Suiten aufteilen. Sie alle stehen entlang einer Bergkette. Von hier aus blickt man hinunter auf das zur Lodge gehörende Reservat, das rund 8000 Hektar umfasst. Die Standard-Chalets sind zweckmäßig ausgestattet mit Dusche, WC, Balkon oder Terrasse, Tee- und Kaffeezubereitungsmöglichkeiten sowie Deckenventilatoren und einem Safe. Auf Fernseher wird in den Standard-Chalets absichtlich verzichtet. Die Gäste sollen den Klängen der Natur lauschen und die ausgesprochene Ruhe und Friedlichkeit dieses Stückchen Erde genießen können, so die Lodge-Philosophie. Warum in den Suiten dann dennoch Flat-Screens montiert sind, erschließt sich mir nicht ganz.

Weiterhin gehören zum Anwesen ein Konferenzzentrum, Open-Air-Bomas, ein Swimmingpool, eine Bar, das große „Wasserbock-Restaurant“ mit Außenterrasse und Platz für 160 Gäste, TV-Lounge, Souvenirshop mit kleinem Café, Spielzimmer mit Dart, Tischtennis und Billardtisch, kleine Kapelle für Hochzeitszeremonien und Internet-Zugang.
Zum Serviceangebot zählen täglicher Wäscherservice, Internet-Zugang und Flughafentransfers. Außerdem können zahlreiche Aktivitäten in die Umgebung (zum Beispiel zum Krüger Nationalpark, Fahrten mit Heißluftballons, Panoramaroute etc.) an der Rezeption gebucht werden. Auf dem Konzessionsgebiet selbst werden geführte Wanderungen und Pirschfahrten im offenen Geländewagen angeboten.
Neben Nashörnern und Büffeln können in diesem Reservat 28 Antilopenarten beobachtet warden, darunter Impalas, Kudus, Eland-Antilopen, Blesböcke, Kuhantilopen (red hartebeest), Säbelantilopen (scimitar-horned oryx), Tsessebe, Mountain Reedbuck, Springbok und Gemsbok. Vier Leoparden leben auf dem Gebiet, werden aber naturgemäß nicht sehr häufig gesehen.Besonders Vogelliebhaber kommen hier bei über 250 Arten auf ihre Kosten. Neben den typischen Vögeln der Savanne kommen hier auch Strauße und Sekretärvögel vor.
Auf unserer Pirschfahrt am späten Nachmittag entdecken wir dann auch einige der oben genannten Exemplare. Für Katja ist es die erste Pirschfahrt, die sie jemals unternimmt. Aus dieser Perspektive betrachtet war es sicherlich sinnvoll, zunächst mit den kleinen Tieren anzufangen, bevor wir im Krüger Park dann die großen zu Gesicht bekommen. Die Spannung steigt!

Weitere Artikel dieser Serie:

Anreise und Long Tom Pass

28.03.2011: Abflug ab Leipzig via Frankfurt nach Johannesburg im Lufthansa A380

Und wieder einmal freue ich mich, dass ich meine Koffer für Afrika packen kann. Diesmal erwarten mich aber gleich zwei Novitäten: Zum einen begebe ich mich nicht auf eine von unseren geführten Kleingruppenreisen, sondern setze mich in einen Mietwagen und bereise die Regenbogennation auf eigene Faust. Dafür brauche ich natürlich auch einen fähigen Beifahrer, der mir den Weg weist. Womit ich dann auch schon bei der zweiten Premiere bin: Ich nehme meine Freundin Katja mit, die Südafrika nur aus meinen Erzählungen von früheren Reisen kennt. Sie hatte bislang, abgesehen von Pauschal-Bruzzelreisen am Roten Meer, noch keine Afrika-Erfahrung vorzuweisen. Das soll sich nun ändern und ich möchte Katja auch mit dem gefährlichen Afrika-Virus anstecken, den man doch so schwer wieder los wird, wenn überhaupt.
Um 19 Uhr startet in Leipzig unser Flieger nach Frankfurt, wo wir in den brandneuen Airbus A380 der Lufthansa umsteigen. Ich hatte einmal in einem Augenzeugenbericht der Titanic gelesen, dass das Schiff auf seiner Jungfernfahrt noch immer nach frischer Farbe roch. Das war zwar im A380 nicht mehr der Fall, aber dennoch schwebte ein ganz eigener Geruch von Neuwertigkeit in der Kabine. Etwas enttäuscht war ich von der Beinfreiheit. Ziemlich eng bestuhlt, dieser größte Flieger der zivilen Luftfahrt. Hier hatte ich mir mehr erhofft. Ein Sitzplatz bleibt auf unserer Seite der Reihe leer, so dass wir uns in der Nacht noch ein bisschen breit machen können. In Bezug auf die Titanic hoffe ich jedoch, dass wir unsere Destination Johannesburg heil und ausgeschlafen erreichen.

29.03.2011: Ankunft in Johannesburg und Weiterfahrt zum Long Tom Pass

Der Wunsch vorm Vortag erfüllt sich leider nur zum Teil. Zwar war der Flug sehr angenehm und ruhig, aber geschlafen haben wir leider nicht viel. Etwas zerknirscht stehen wir an der Gepäckausgabe. Als dann auch noch ein kleines Mädchen neben uns plötzlich einen Kreislaufzusammenbruch erleidet und am Boden liegt, will nicht so recht Urlaubsstimmung bei uns aufkommen. Ich bin in Gedanken eigentlich schon zwei, drei Schritte weiter.
Als wir unser Gepäck endlich in Empfang genommen haben, ist die nächste Amtshandlung nun an Bargeld zu kommen. In der großen Ankunftshalle gibt es ein paar Geldautomaten, an denen man mit seiner EC-Karte (mit Maestro-Zeichen) mühelos südafrikanische Rand abheben kann. Nachdem das geschafft ist, suchen wir den Europcar-Schalter, um unseren Mietwagen zu übernehmen. Das ist schon etwas schwieriger, aber machbar. Nachdem wir auch diese letzte organisatorische Hürde genommen haben, kann es endlich losgehen. Ich staune nicht schlecht, als auf dem uns bekannten Stellplatz plötzlich ein Mittelklassewagen steht, obwohl wir ja nur einen Kleinwagen gebucht hatten. Schick sieht er aus und geräumig. Ich hatte ja ehrlich gesagt schon meine Bedenken, ob wir all unser Gepäck in den Kofferraum eines Kleinwagens bekommen, aber dieses Problem hat sich damit in Luft aufgelöst.
Nachdem der etwas verwirrende Straßenverlauf rund um den Flughafen O.R. Tambo in Johannesburg gemeistert ist, begeben wir uns auf den Weg zu unserem heutigen Ziel. Nach dem langen Nachtflug stehen uns nun noch rund 370 Kilometer bis zum Long Tom Pass in der Provinz Mpumalanga bevor. Unsere Fahrt führt uns zunächst über die N12 und N4 bis nach Belfast, wo wir auf die R540 abbiegen. Wir durchfahren die Ortschaft Dullstrom, die ganz im Zeichen des Forellenfanges steht. Der kleine schmucke Ort verfügt zudem über den höchstgelegenen Bahnhof im südlichen Afrika (2077 Meter). Durch bewaldetes Gebiet erreichen wir Lydenburg, wo wir auf die R37 abbiegen. Nun liegt der Long Tom Pass (zweithöchster Pass de Landes) vor uns. Auf 20 Kilometern Länge werden 670 Höhenmeter überwunden, bevor man den höchsten Punkt auf 2150 Metern Höhe erreicht. Nach weiteren 18 km würde man Sabie auf 1000 Meter erreichen. So weit müssen wir allerdings nicht mehr fahren, denn unsere Unterkunft liegt direkt an der Passstraße. Den Namen erhielt der Pass im Burenkrieg. Die Buren kämpften mit schweren Geschützen, die sie „Long Tom“ nannten. Damit konnten Sie rund 40 Kilogramm schwere Granaten über neun Kilometer weit verschießen.
Nach reichlich dreieinhalb Stunden erreichen wir die Misty Mountain Lodge direkt am Long Tom Pass inmitten eines Waldgebietes. Von hier aus bietet sich ein herrlicher Blick auf die umliegenden Berge. Die 3-Sterne-Lodge verfügt im Hauptgebäude über einen traumhaft schönen Infinity-Pool mit Aussicht auf die Berge, einen Whirpool, Bar/Pub, Restaurant und eine Lounge mit Fernseher und kleiner Bibliothek. Außerdem kann man sich die Zeit wunderbar mit Billard oder Tischtennis (überdacht im Hauptgebäude) vertreiben. Alle Räume werden in den kälteren Wintermonaten urig und gemütlich mit Kaminen beheizt. Ein weiterer Pool steht den Gästen bei der Rezeption zur Verfügung, allerdings mit keinem solch grandiosen Ausblick, aber umgeben von kleinen Büschen und Bäumen. Für die kleinsten steht ein großer Spielplatz bereit. Überhaupt gibt man sich in der Misty Mountain Lodge sehr kinder- und familienfreundlich. So kann auch aus einer großen Auswahl an Brettspielen und Videos gewählt werden, und Ausflüge mit dem Quadbike versprechen viel Spaß für Groß und Klein.
Zu den weiteren angebotenen Aktivitäten zählen Wanderungen in der Umgebung der Lodge, Forellenangeln (Ruten können an Rezeption gemietet werden) im eigenen See oder auch Mountainbiking in den umliegenden Wäldern. Fahrräder können von der Lodge gemietet werden.
Die 27 Chalets, sowohl einzeln stehend als auch als Doppelchalets, sind massiv gemauert und verfügen über eine kleine Küche mit Kühlschrank, Bad mit Dusche/WC, Kamin (Feuerholz wird täglich zur Verfügung gestellt), kleiner Sitzgruppe und einem elektrischen Heizer für besonders kalte Nächte. Von der Veranda aus eröffnet sich ein schöner Blick auf die umliegenden Berge. Hier lässt sich abends bei einem Glas Wein genüsslich der Tag abrunden.

Weitere Artikel dieser Serie:

Katogorien

Archiv