Neuigkeiten und Berichte von Outback Africa Erlebnisreisen

Coffee Tour  © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Kaffeestrauch

In und um Arusha gibt es viele Kaffeeplantagen und die Ngurdoto Lodge und die Meru View Lodge bieten eine ca. vierstündige Wandertour zum Thema Kaffee mit einem eigenen Führer an. Kaffee ist das schwarze Gold Tansanias und die Einheimischen sind sehr stolz auf die Qualität. Tansania gehört nicht zu den Spitzenproduzenten wie zum Beispiel Äthiopien, durch die Höhenlage bekommen die hier angebauten Kaffeesorten jedoch ein besonderes Aroma und werden auf dem Weltmarkt als sortenreine Spitzen-Arabicas zu hohen Preisen gehandelt. Jeder zehnte Tansaner lebt vom Kaffeeanbau. Kaffeeplantagen sind ökologisch nicht unumstritten wie alle Monokulturen, vor allem, wenn andere Pflanzen und Bäume, die die Qualität eigentlich durch den Schatten verbessern, abgeholzt werden, um mehr Platz für die Kaffeesträucher zu schaffen. In Tansania gibt es viele kleinere Plantagen, sogenannte “Shambas”. Diese werden von Kleinbauern betrieben, die für ihre Familien neben Kaffee auch Bananen, Ananas und andere Früchte anbauen und so automatisch den Monokulturen entgegenwirken. Die Bauern sind in Genossenschaften organisiert, jeder verdient zwar wenig, aber dafür wird der Kaffee fair gehandelt.

Nach dem Frühstück treffe ich mich mit Roman, dem Kaffeetour-Führer der beiden Lodges. Ich bin der einzige Gast heute, aber das scheint ihm nichts auszumachen. Annette, die mir gestern von der Tour vorgeschwärmt hat, war auch allein mit ihm unterwegs. Roman war früher Bergführer für Kilimanjaro-Touren, kann das aber aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr machen und hat sich deshalb auf die Kaffeetouren spezialisiert. Er kennt sich super mit Pflanzen aus und möchte gern deutsch lernen, damit er die Touren auch in deutscher Sprache durchführen kann.

Tisch im Ngorongoro Farm House  © Foto: Doreen Schütze | Outback Africa Erlebnisreisen

Die vier Stadien der Kaffeebohne - Tisch im Ngorongoro Farm House

Wir ziehen mit gutem Schuhwerk und genügend Wasser im Rucksack los. Die Tour führt durch das Usa-Tal in den tropischen Bergwald. Ich sehe zum ersten Mal, wie Ananas, Avocados und Zitronen wachsen, riesige Bananenstauden mit großen lila Blüten und bereits erkennbaren kleinen grünen Bananen säumen den Weg. Ich sehe auch einen Leberwurstbaum, Bottlebrush-Bäume und auch viele Kaffeesträucher. Sie können bis zu vier Meter hoch werden, werden aber meist etwas gekappt, damit man besser an die Früchte herankommt. Kaffeesträucher blühen in weißen Rispen und bilden dann grüne Früchte aus, die sich rot verfärben, wenn sie reif sind. An jedem Strauch kann es unterschiedliche Reifegrade geben. Botanisch handelt es sich um Steinfrüchte, deshalb nennt man die auch “Kaffeekirschen”, weil sie in reifem Zustand ungefähr kirschgroß sind. Die Kerne der Kaffeekirsche sind die eigentlichen Kaffeebohnen, in jeder Kirsche liegen zwei Kerne mit der flachen Seite aneinander.

Nach ca. anderthalb Stunden Wanderung und vielen wissenswerten Informationen von Roman kommen wir zu einer kleinen Shamba, die von Mama Sofia betrieben wird. Sie führt uns vor, wie der Kaffee vom Strauch in die Tasse kommt. Hier ist alles Handarbeit, nicht wie auf den großen Plantagen, wo Maschinen und ein Röstofen die Arbeit übernehmen. Einen solchen Ofen habe ich ja bereits im Ngorongoro Farm House gesehen. Die Genossenschaft, der Mama Sofia angehört, hat ihr lediglich eine mechanische Mühle zur Verfügung gestellt. Für uns macht sie die Vorführung aber ganz traditionell mit dem Mörser.

Die reifen roten Kaffeekirschen werden per Hand vom Strauch gepflückt – das kann auch auf den großen Plantagen keine Maschine- und dann werden die Kerne aus dem roten Fruchtfleisch herausgepult. Nachdem sie in der Sonne eine Weile getrocknet wurden, werden sie im Mörser vorsichtig etwas gestampft, damit sich das Pergamenthäutchen, dass die rohen Kaffeebohnen umschließt, aufreißt und dann durch Hochwerfen in einem flachen Korb weg gepustet werden kann. Ohne die Entfernung des Häutchens würden sich die Bohnen nicht rösten lassen – es brennt leicht. Über einem offenen Feuer werden dann die enthäuteten Bohnen trocken bis zum gewünschten Röstgrad dunkelbraun geröstet. Das riecht herrlich. Anschließend werden die Bohnen im Mörser zerstampft und das Pulver wird mit kochendem Wasser überbrüht. Nach kurzem Durchziehen kann der Kaffee dann gefiltert werden und ist trinkbereit.

Das Mörsern ist eine anstrengende Angelegenheit, wie ich schnell feststelle. Mama Sofias Tochter kommt aus der Schule – nach den raspelkurzen Haaren zu urteilen geht sie auf eine öffentliche Schule- und hilft beim Stampfen der Kaffeebohnen. Wir probieren den Kaffee – er ist richtig schwarz und stark und voller Koffein, dass mir gleich durch den ganzen Körper strömt und mich ganz hibbelig macht. Ich bin ja kein großer Kaffeetrinker, entsprechend intensiv wirkt der Koffein-Kick bei mir. Dazu gibts eine Banane, die ebenfalls viel intensiver als unsere Supermarktbananen schmeckt.

Der Besuch der Toilette stellt eine weitere kulturelle Erfahrung dar, es ist einfach nur ein Loch im Boden, dazu ein Eimer Wasser – kein Papier. Zum Glück habe ich Feuchttücher dabei und komme deshalb nicht in Verlegenheit. Wir ziehen weiter – ich gebe Mama Sofia ein Trinkgeld, denn ein Honorar für die Vorführung und Bewirtung bekommt sie offiziell nicht. Nach einer weiteren Stunde Wanderung durch das tropische Pflanzenparadies kommen wir zu einer weiteren Hütte – hier gibt es Mittagessen bei Rosi.

Ein paar kleine, schmutzige Nachbarskinder schauen neugierig vorbei. Wir bekommen Wasser für unsere Hände, denn wir essen mit den Fingern. Nach einer kurzen Unterweisung geht es los. Das weiße Maisbrot dient als Unterlage für die Bohnen und den Spinat, beides sehr würzig zubereitet. Das Brot leicht zusammendrücken und schnell rein in den Mund. Es ist so lecker, dass ich die ganze Schüssel allein essen könnte. Eine sehr authentische Erfahrung, denn in den Lodges und Camps isst man ja immer gesittet mit Messer und Gabel.

Auf unserer letzten Etappe begegnen uns junge Frauen mit großen Wasserkanistern und mir wird wieder einmal klar, wie luxuriös unser Leben mit Wasserleitungen und Heißwasser aus der Leitung so ist. Wir kommen an einem Ficus Benjamini vorbei – die beliebte deutsche Zimmerpflanze ist hier ein riesiger Baum mit dicken Wurzeln. Roman posiert für ein Foto, damit man die reale Größe sehen kann. Von den Baumwipfeln rieseln Blätter herab – zwei Colobusaffen springen von Ast zu Ast. Man kriegt sie nicht vor die Kamera, höchstens ein puscheliger weißer Schwanz ist einmal kurz zu sehen. Unser Zielpunkt ist ein kleines Dorf mit einigen Hütten, einer Kirche und einer Kneipe, deren Wände lustige Bierplakate und ein Titelblatt des Rolling Stone mit Barack Obama zieren. Wir trinken etwas, während wir auf unseren Shuttlebus warten, der uns zur Ngurdoto Lodge zurückbringt.

Was für ein herrlicher und interessanter Tag – die Coffeetour werde ich bestimmt jedem Kunden empfehlen, der in Arusha Station macht. Heute Abend heißt es packen, ich sortiere meine Einkäufe und hole den Bikini von ganz unten in der Tasche nach ganz oben, denn morgen Nachmittag fliege ich von Arusha aus nach Sansibar. Den Vormittag nutze ich noch zu einem Ausflug in den Arusha Nationalpark.

Der komplette Reisebericht in der Übersicht:

 

 

Eine Antwort auf Auf Kaffeetour am Usa-River – Reisebericht Tansania 2011 (17)

  • Susanne sagt:

    Richtigstellung: Beim Autor dieses Artikels hat es ein Missverständnis gegeben – Doreen war im Rahmen ihrer Tansania-Reise auf Kaffeetour und hat auch die schönen Bilder mitgebracht (auch wenn ich es natürlich gern selbst gesehen hätte). Mein Fehler – ich muss auf den Schreck erstmal einen Kaffee trinken!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Katogorien

Archiv