Neuigkeiten und Berichte von Outback Africa Erlebnisreisen

Die Abendsonne hüllt die Szene in rotgoldenes Licht. In Zeitlupe taucht das Hippo aus dem Wasser auf, die Ohren wackeln, es reißt sein großes Maul auf, die Wassertropfen spritzen im perfekten Gegenlicht langsam in die Luft. Tausende von Gnus galoppieren mit dröhnenden Hufen direkt über die im Boden versteckte Kamera hinweg. Löwenkinder in Großaufnahme schmusen mit ihren Eltern. Alle fünf Minuten eine Jagdszene, im Moment des Angriffs wieder Zeitlupe. Eine kleine Antilope, gerade geboren, übt auf wackligen Beinchen die ersten Schritte. Dazu eine ergreifende Musik und eine gefühlvolle Erzähler-Stimme. „Ach, schönes Afrika…“ denkt der nichtsahnende Fernsehzuschauer. „Ach, Fernsehteam“, denkt Svenja, „trag doch bitte nicht immer so dick auf.“ Könnten die Damen und Herren von der Filmproduktion nicht wenigstens ein bisschen Safari-Realität drin lassen? Muss das alles weggeschnitten werden? Kann man nicht auch einmal eine unergiebige Pirschfahrt zeigen mit gähnenden Touristen im Jeep? Oder eine Tiersichtung, an der sich 20 Fahrzeuge versammelt haben, während sich gerade das 21. und 22. nähern? Die Staubwolken, die gleißende Sonne, einen kaum erkennbaren Punkt in der Ferne („das ist ein Nashorn“) oder den Leopardenschwanz, der in einem Baum 100 Meter von der Piste entfernt aus dem Geäst hängt, ohne dass das versteckte Tier irgendwelche Anstalten macht, sich zu bewegen?

Nein, das kann man nicht zeigen. Das habe ich nach längerem Nachdenken eingesehen. Ein Tierfilm ist ein ästhetisches Endprodukt, genau wie ein gutes Konzert, ein gelungenes Theaterstück, ein vollendetes Gemälde. Die Schritte auf dem Weg dorthin will eigentlich keiner sehen, man will sich ja an dem fertigen Schönen freuen. Und für die, die es doch interessiert, gibt es ja noch das „Making Of“. Da kann man sich dann die vier Stunden Rohmaterial anschauen (bestenfalls im Zeitraffer), bis der Leopard sich endlich bewegt und in voller Pracht auf dem Ast erscheint – lange nachdem die 20 Safari-Fahrzeuge weggefahren sind und sich der Staub gelegt hat. Wahrscheinlich hat das Film-Team dort nicht nur mehrere Wochen verbracht, sondern auch noch eine Ausnahmegenehmigung, um bis nach Sonnenuntergang im Nationalpark zu bleiben.

Liebe Leute, lasst Euch davon nicht entmutigen. Genießt weiterhin die schönen Tierfilme, auch oder gerade weil Ihr das nie so nah und so geballt erleben werdet. Und fahrt trotzdem nach Afrika. Es ist doch viel toller, das alles selbst zu erleben und mit eigenen Augen zu sehen, weil man dabei eben nicht auf dem Sofa sitzt, sondern mittendrin ist, vom Licht und den Farben Afrikas umgeben, von der Spannung einer Pirschfahrt eingefangen, mit Wind in den Haaren und dem unverwechselbaren Geruch nach Gras und Staub und ein bisschen Elefant in der Nase. Eine schöne Tierbeobachtung ist noch wertvoller, wenn man sie sich mit der eigenen Geduld verdient hat. Auch ein Leopardenschwanz kann etwas ganz Großartiges sein.

3 Antworten auf Warten auf den Leoparden

  • Peter sagt:

    Hallo, Svenja,

    Glückwunsch für Deine realistische Safari-Beschreibung. Aber genau das macht es ja auch aus…..das Unerwartete.

    Und vielen Dank für die wirklich hervorragende Beratung letzte Woche zu meinen Reiseplänen Tansania Januar 2013.

    Peter

  • Danke, Peter! Ich freue mich wirklich sehr über Deinen netten Kommentar!

  • Dr.Alfred Jäckle sagt:

    bei unserer Botswana Reise hatten wir das Glück, mehrere Leoparden aus nächster Nähe zu beobachten. Und selbst bei der Fusspirsch haben drei Leoparden unseren Weg gekreuzt.
    Es ist einfach Glücksache und darum bleibt es immer spannend.
    Ausserdem konnten wir an zwei Tagen ein Rudel Wildhunde entdecken und da hat sich auch unser Guide sehr gefreut, genauso wie über den Honigdachs.

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