Neuigkeiten und Berichte von Outback Africa Erlebnisreisen
4. Tag, 05.03.2010: Cedarberge
Um 07:30 Uhr wird heute Morgen das Frühstück serviert. Eine Stunde später starten wir. Vorher muß aber noch das Gepäck im roten Safari-Truck verstaut werden. Wir fahren auf der N7 Richtung Norden. Dabei durchqueren wir zunächst das Swartland mit dem Zentrum Malmesbury. Auf Grund der fruchtbaren Böden wurde diese Region zum wichtigsten und größten Weizenanbaugebiet Südafrikas. Das weiter nördlich gelegene Citrusdal liegt wiederum im größten Anbaugebiet von Zitrusfrüchten, bewässert vom Olifants River, der gleichzeitig auch die Grenze zu den Cedarbergen bildet. Etwa 30 Kilometer nördlich von Citrusdal (auf halber Strecke nach Clanwilliam) quert nach Osten eine Straße den Olifants River. Über den Niewoudt Pass mit einer Höhe von 590 Metern erreichen wir unser heutiges Ziel, das Algeria-Camp am Rondegat River in der unter Naturschutz stehenden Cedarberg Wilderness Area. Die Cedarberge erstrecken sich auf einer Länge von 100 Kilometern und haben eine Höhe von bis zu 2.028 Metern.

Auf dem Weg in die Cedarberge © Foto: Jens Döring
Durch ständige Erosion entstanden bizarre Felsformationen aus leuchtend rotem Sandstein. Besonderen Reiz verleihen dieser Landschaft die zahlreichen Wasserfälle und Höhlen mit Buschmann-Felszeichnungen. Besonders Wanderer, Bergsteiger und Fotografen finden hier ein wahres Mekka. Den Namen erhielt dieser Gebirgszug von der vom Aussterben bedrohten Clanwilliam-Zeder.
Um 14:00 Uhr erreichen wir das Camp. Nachdem der Truck entladen ist, zeigt uns Pieter, wie man am schnellsten und effektivsten die Kuppeldachzelte aufbaut. Ich bin ja immer noch skeptisch, ob 2×2 Meter Grundfläche für zwei Personen wirklich ausreichend sind, zumal ich mir das Zelt auch noch mit George teile. Jedenfalls geht der Aufbau eines solchen Zeltes tatsächlich recht flott von der Hand. Wenn man ein paar Tricks und Kniffe kennt, ist das Zelt innerhalb von fünf Minuten aufgebaut. Als unseres steht und unsere Reisetaschen (George nennt meine ob der Größe fortan „The Monster“) als Bollwerk zwischen mir und meinem Zeltnachbarn reingestellt sind, bin ich von der Geräumigkeit doch ganz überrascht. Also ich muß sagen, das mir meine Freundin zu Hause oftmals weniger Platz im Doppelbett lässt.

Campingplatz Algeria in den Cedarbergen © Foto: Jens Döring
Nachdem nun unsere Pflichten erledigt sind, gönnen wir uns in dem natürlichen Pool, den der Rondegat River formt, eine erfrischende Abwechslung. Mittlerweile ist es nämlich sehr heiß geworden. So warten wir auch bis in die Nachmittagsstunden mit unserer kleinen Wanderung. Aber selbst um 16 Uhr ist es noch richtig heiß, als wir unsere Wanderung beginnen. Es ist nicht nur die Hitze, die durch die Sonne entsteht, sondern vor allem auch die, die von den Felswänden zurückgestrahlt wird, die mir das Leben so schwer macht. Der Schweiß tropft mir aus allen Poren und die mitgenommene Wasserflasche ist innerhalb der ersten halben Stunde leer. Ich komme so langsam an meine Leistungsgrenze, als wir endlich Schatten erreichen. Da kommt ein kleiner Fluß, der unseren Weg kreuzt, gerade recht. Wir gönnen uns alle nun eine kleine Erfrischung und spritzen uns Wasser in Gesicht und Genick. Eine wahre Wohltat! Ich habe nun endlich Zeit und Muße, mein erstes Foto zu schießen. Nach dem Cooldown beginnt der Abstieg. Schnell sind wir wieder in sengender Hitze, die Anstrengung relativiert sich aber, da das Ziel, unser Campingplatz, nun mit jedem Schritt näher kommt.

Auf Wanderung in den Cedarbergen © Foto: Jens Döring
Unten gegen 18 Uhr angekommen, springen wir ein weiteres Mal in die Fluten, bevor das wohlverdiente Abendessen serviert wird. Pieter hat uns Lammkoteletts gegrillt. Da dieses Fleisch nicht gerade zu meinen Favoriten zählt, wünsche ich mir, ich hätte mich als Vegetarier ausgegeben. Denn der Fleischersatz sieht ziemlich lecker aus. Aber egal, das gehört zur Kultur-Erfahrung eben auch dazu, also runter damit. Der Hunger will ja gestillt werden. Später am Abend merke ich, wie mein Knöchel plötzlich anfängt, höllisch zu schmerzen. Da fällt mir auch wieder ein, dass ich beim Abstieg zweimal kurz hintereinander umgeknickt bin. Das tat zwar für den Moment nicht weh, aber jetzt kommen die Schmerzen umso heftiger. Ich kühle meinen linken Fuß gleich im fließenden Bach direkt vorm Zelt. Die Kälte schafft Linderung und die Schmerztablette tut dann ihr Übriges. Ziemlich zeitig legen wir uns alle schlafen, schließlich steht uns morgen wieder ein ereignisreicher und vor allem heißer Tag bevor.
5. Tag, 06.03.2010: Heiße Nächte und schnelle Flüsse – Orange River
Schon um 6:15 Uhr klingelt der Wecker. Nach dem zügigen Zeltabbau bleibt noch etwas Zeit für eine kurze Dusche, bevor es nach dem Frühstück auf in Richtung Namibia geht. Über den Nieuwoudt Pass erreichen wir wieder die N7 und folgen dieser in Richtung Norden. Wir fahren nun durch die Provinz Nord-Kap (Northern Cape). Diese Verwaltungseinheit ist zwar allein so groß wie Deutschland, ist aber die am dünnsten besiedelte. Sie beheimatet auch das Namaqualand, das wiederum zum Distrikt Namakwa gehört. Es ist das Land der Nama und der San, dessen zentraler Ort Springbok ist. Das wellige und halbwüstenhafte Namaqualand war ursprünglich Siedlungsgebiet von wenigen Buschmännern und Hottentotten, die aber schon das Vorkommen von Kupfererz zu nutzen wussten. Diese Region zieht vor allem in den Monaten August und September viele Touristen an. Dann fallen ausreichend Niederschläge, um den steinigen und ausgetrockneten Boden in ein farbenprächtiges Blumenmeer zu verwandeln. Es blühen vor allem die Namaqua-Daisies und die Mittagsblumen sowie viele weitere Arten.

Zwischenstopp in Springbok: keinerlei Verständigungsprobleme
© Foto: Jens Döring
Nach circa 3 ½ Stunden gelangen wir gegen 12:30 Uhr nach Springbok. Der Ort mit 15.000 Einwohnern ist eng mit dem Kupferbergbau verbunden, der hier im 19. Jahrhundert seinen Anfang nahm. Der damit verbundene Reichtum sorgt für gut ausgebaute Straßen, ansehnliche Siedlungen und Erholungsgebiete in dieser ansonsten unwirtlichen Umgebung. Da unser Kühlschrank seit Beginn der Tour nicht funktioniert, erhoffen sich Pieter und Tinus hier Hilfe. Allerdings werden sie enttäuscht, da ihnen die ortsansässige Werkstatt auch nicht weiterhelfen kann. Also werden die Speisen weiterhin mit Kühlakkus und Eis gekühlt.
Nach einem Einkaufsstopp und einer Mittagspause unter einem Schatten spendenden Bäumchen geht die Fahrt auf der N7 weiter in Richtung Grenze, wo wir gegen 14:00 Uhr in sengender Mittagshitze ankommen. Gefühlt sind es etwa 50 Grad Celsius, tatsächlich dürften wir aber locker an 40 Grad Celsius kratzen. Nach dem Aussteigen aus dem Truck drückt die Hitze des Asphalts sofort durch die Sohle hindurch, so dass wir einen Eindruck davon bekommen, wie schnell man sich die Fußsohlen verbrannt hätte. Die Südafrikaner am Grenzposten Vioolsdrif sind noch recht freundlich und versuchen zumindest, uns schnell aus dieser Sauna-Baracke wieder zu entlassen. Auf den Toiletten wird das fließende „Kaltwasser“ zum Händewaschen nun zur heißen Gefahrenquelle, da sich das Wasser in den Rohren fast bis zum Siedepunkt erhitzt.
Wir überqueren nun den Fluß Oranje und gelangen an den namibischen Grenzposten Noordoewer. Hier ist man schon weniger freundlich und nimmt sich etwas mehr Zeit. Trotz auf Hochtouren laufender Klimaanlage rinnt uns der Schweiß in Strömen den Körper hinunter. Mein helles Shirt färbt sich binnen weniger Minuten braun, als sich Staub und Sand auf meiner Haut verflüssigen. Nach einer Viertelstunde sind wir endlich befreit. Wir freuen uns auf unseren nächsten Campingplatz (der erste in Namibia), der nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt ist. Tatsächlich fahren wir nur 10 Minuten, bis wir „Felix Unite River Adventures“ am Orange River erreichen.

Restaurant und Pool von Felix Unite mit Blick auf den Oranje © Foto: Jens Döring
Der stets Wasser führende Orange River (Oranje-Fluss, auch Gariep River genannt) sorgt im sonst ariden Südnamibia für bemerkenswerte Fruchtbarkeit. Selbst Weine werden an dessen Ufern angebaut. Sehr beliebt ist der eher ruhige Fluß auch bei Kanufahrern. Auf diese Art von Fortbewegung hat sich auch unser Campingplatz spezialisiert, der verschiedene Tages- und auch Mehrtagestouren per Kanu anbietet. Der Platz verfügt über zahlreiche Annehmlichkeiten wie Bar mit Billardtisch und TV, Restaurant, Pool (Flusswasser), Internetcafé, Waschmaschinen und natürlich Duschen und Toiletten, die sehr sauber sind. Zu dem Areal gehören aber auch feste Unterkünfte, die oberhalb des Flusses in einem Halbkreis errichtet sind. In der Dämmerung gelingen mir ein paar schöne Schnappschüsse von der Anlage. Zum Abendessen gibt es wieder einmal Lamm, diesmal als Eintopf. Heute schaffe ich es, mich bei den Vegetariern zu bedienen, für die es heute Tofu gibt. Ich werde satt, was das Wichtigste ist. Geschmacklich übrigens auch nicht sooo schlecht.
Nach dem Essen gönnen wir uns noch den einen oder anderen Schluck an der Bar oberhalb des Pools. Dieser hat uns im Übrigen nach unserer Ankunft hier eine sehr willkommene Abkühlung beschert. Ehrlich gesagt, hatte ich gar keine Pools irgendwelcher Art auf den südafrikanischen und namibischen Campingplätzen erwartet, scheint aber Standard zu sein. Die Nacht ist sehr sehr schwül. Einige schlafen draußen auf dem Rasen. Trotz geöffneter Zelte (nur die Moskitonetze trennen uns von der Außenwelt) schlafen wir ohne jegliche Bedeckung. Selbst ein dünnes Laken wird einem bei einer solchen Hitze zu viel. Von richtig erholsamem Schlaf kann ohnehin nicht die Rede sein…

Zeltplatz am Oranje-Fluss in Namibia © Foto: Jens Döring
6. Tag, 07.03.2010: Studentenmittag und tiefe Schluchten – Fish River Canyon
Nach einer fast schon tropischen Nacht lassen wir es am heutigen Sonntagmorgen sehr ruhig angehen. Um 8 Uhr gibt es Frühstück. Anschließend brechen ein paar Abenteuerlustige von uns zu einer Kanutour auf. Pieter erzählt mir, dass die Tour normalerweise drei Stunden dauert. Da der Oranje aber im Moment viel Wasser führt und die Fließgeschwindigkeit dadurch höher ist, werden die nach Abkühlung Suchenden wohl schon nach 1 ½ bis 2 Stunden wieder zurück sein. Und tatsächlich kraxeln sie bereits um viertel vor elf wieder aus ihren Kanus. Es bleibt anschließend noch Zeit zum Relaxen, bevor Tinus das Mittagessen vorbereitet hat. Vorher müssen aber wieder die Zelte abgebaut und sämtliches Gepäck verstaut sein.

Schnelles und einfaches Mittagessen © Foto: Jens Döring
Das Mittagessen gestaltet sich heute etwas ungewöhnlich: in einem Zipp-Beutel bzw. Gefrierbeutel werden zwei Eier und diverse Zutaten nach Wahl (Paprika, Käse, Wurst, Gurken etc.) kräftig durcheinander gemischt und der fest verschlossene Beutel für ca. 10 Minuten in kochendes Wasser geschmissen. Das Resultat ist ein sehr wohlschmeckendes „Studenten-Omelett“ – einfach und schnell mit wenig Aufwand zubereitet.
Nach der Stärkung brechen wir auf in Richtung Fish River Canyon. Keine weite Strecke, die wir heute zurücklegen müssen. Es sind etwa 200 Kilometer entlang der B1 und dann bei Grünau auf der C12 Richtung Seeheim, die wir nach etwas weniger als vier Stunden bewältigt haben. Wir erreichen kurz vor 16 Uhr den Campingplatz Hobas in der Nähe des Canyons und unweit vom Canyon Road House. Das Thermometer am Verwaltungsgebäude zeigt wieder etwas mehr als 40 Grad Celsius an. So langsam wünscht man sich in den strengen deutschen Winter zurück. Oder zumindest in einen angenehmen Temperaturbereich von rund 25 Grad. Aber wir sind ja schließlich in Afrika, und das soll man ja auch merken. Nach dem üblichen Prozedere des Zeltaufbaus hüpfen wir fast alle wieder in den Pool. Der hat zwar auch nur wieder Badewannentemperatur, aber für eine Erfrischung reicht das allemal.

Posieren vor dem Fish River Canyon in Namibia © Foto: Jens Döring
Um 17:30 Uhr steht der nächste Programmpunkt an: Wir fahren zum 10 Kilometer entfernten Fish River Canyon, wo wir den Sonnenuntergang bei einem Sundowner an einem spektakulären Aussichtspunkt genießen wollen. Mit insgesamt 168 Kilometern Länge und einer Tiefe von bis zu 550 Metern sowie einer Breite von maximal 27 Kilometern zählt dieser Canyon zu den größten Schluchten dieses Planeten. Gleichzeitig ist er aber auch eine der Hauptattraktionen Namibias. Der Fish River führt zwar nicht das ganze Jahr über Wasser, ist aber kräftig genug, um die Tiere und Pflanzen zu versorgen. Wir laufen ein Stück am Rand entlang und gewinnen einen Eindruck, wie mächtig diese Schlucht ist und welche Energie einst notwendig war, um diese atemberaubende Landschaft zu formen.

Sonnenuntergang am Fish River Canyon © Foto: Jens Döring
Wir posieren vor dieser imposanten Kulisse. Und doch können unsere Kameras nicht erfassen, welch Naturschauspiel sich hier vor unseren Augen eröffnet. Ganz in der Nähe des Hauptaussichtspunktes beginnt auch der Abstieg in den Canyon, den nur Wanderer unternehmen dürfen, die eine Erlaubnis zum Begehen des Fish River Trails haben. Wir tun uns aber diese Strapazen nicht an, sondern genießen unseren kühlen Drink bei untergehender Sonne. Fantastisch! In der Dämmerung erreichen wir schließlich gegen 19:30 Uhr unser Zeltlager. Das Abendessen verspätet sich heute etwas, dafür ist es aber umso leckerer. Heute gibt es mal kein Lamm, sondern leckere Köstlichkeiten vom Grill. Pieter und Tinus haben uns nämlich ein traditionelles Braai zubereitet, eine Variante des Grillens, die in Namibia und Südafrika gepflegt wird. Braai ist Afrikaans und bedeutet „braten“. Es genießt in der afrikanischen Gesellschaft einen hohen Stellenwert, weshalb man auch immer wieder in vielen öffentlichen Bereichen Braaiplätze findet.
Nach dem Abendessen verkündet uns Pieter, zu welcher unchristlichen Zeit er gedenkt, uns am nächsten Morgen aufstehen zu lassen.
Den kompletten Reiseverlauf dieser Reise finden Sie hier:
- Kapstadt & Kap der Guten Hoffnung – Reisebericht Südafrika Teil 1
- Berge, Flüsse und die Hitze – Reisebericht Südafrika und Namibia Teil 2
- Begegnungen in der Wüste – Reisebericht Südafrika und Namibia Teil 3
- Eine frische Meeresbrise – Reisebericht Südafrika und Namibia – Teil 4
- Spitzkoppe und Brandberg – Reisebericht Südafrika und Namibia Teil 5
- Etoscha Nationalpark & Windhoek – Reisebericht Südafrika und Namibia Teil 6
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