Neuigkeiten und Berichte von Outback Africa Erlebnisreisen

Das Boot aus Mosambik liegt schon am Ufer. Francis und zwei andere Mitarbeiter der Nkwichi Lodge begrüßen uns und helfen uns an Bord. Es ist ein offenes Motorboot mit bequemen Sitzkissen, aber ohne Schattendach, so daß wir gleich die Sonnenhüte aufsetzen. Eine knapp einstündige Fahrt bringt uns von Likoma an die mosambikanische Küste zum kleinen Ort Cobwe (Cobué). Dieser Ort scheint seine Daseinsberechtigung allein der Einreisebehörde und den dort generierten US-Dollars zu verdanken, doch er sieht recht trostlos aus. Noch niemand hat den zerstörten Turm der Kirche wieder aufgebaut, der im Bürgerkrieg zerschossen wurde – und dieser Krieg liegt schon fast 20 Jahre zurück.
Wir klettern aus dem Boot an den Strand. Stege gibt es hier genauso wenig wie auf Likoma Island. Das Boot fährt grundsätzlich mit Schwung auf den Strand auf und man hopst vom Bug herunter, wenn man Pech hat genau in eine heranrollende Welle hinein, also zieht man tunlichst vorher die Sandalen aus. Am Strand sitzt ein alter Mann in einem Plastikstuhl und spielt mit einem Bekannten ein Brettspiel. Er ist einer der Grenzbeamten und hat uns schon erwartet. Als wir alle abgestiegen sind, führt er uns einen Hügel hinauf, wo ein paar Hütten, ein brandneuer Antennenmast und ein kleines gemauertes Gebäude mit der Aufschrift „Imigracao“ stehen. Unterwegs erfährt er, daß wir noch keine Visa im Paß haben, seufzt und sagt, da müsse er noch einen weiteren Kollegen dazuholen. Und es ist auch noch Sonntag. Aber dann kann es endlich losgehen. Im Halbdunkel sitzen die beiden Beamten und harren der Dinge, während wir draußen vor der Tür die Formulare für den Visum-Antrag und das eigentliche Einreiseformular ausfüllen. Dann heißt es warten. Fast eine Stunde, obwohl wir die einzigen Touristen an diesem heißen Nachmittag sind. Ich studiere die amtlichen Bekanntmachungen, die außen am Immigrationsbüro angeschlagen sind – allesamt in Handschrift. Herrlich. Am Ende sind wir 30 Dollar pro Person ärmer und erhalten unsere Pässe mit allerlei hübschen Aufklebern, Wertmarken und Stempeln zurück. Ich liebe es, wie die afrikanischen Grenzbeamten stempeln. Das hat so etwas Bestimmtes, Wichtiges, Theatralisches. Nun haben wir es geschafft und dürfen nach Mosambik einreisen.
Nach dieser Prozedur kann ich nur jedem empfehlen, das Visum für Mosambik schon vorab im Heimatland zu besorgen.

Cobué mit seiner kaputten Kirche – sie hatte mal zwei Türme. Gegenverkehr auf dem Malawi-See
Zurück im Boot geht es noch etwa eine Stunde in südlicher Richtung entlang der Küste und um markante Felsen herum, hinter denen schon bald der erstaunlich weiße Sandstrand vor der Nkwichi Lodge auftaucht. Der sehr feine Sand, der manchmal beim Darüberschlurfen unter den nackten Füßen quietscht, gab der Lodge ihren Namen. Als wir anlegen, ist die Sonne schon untergegangen, und es wird rasch dunkel. Wie immer will Elise als erstes unser Chalet und ihr Bett sehen und ist genervt, daß wir erst bei einem Willkommensgetränk ein Briefing anhören müssen. Doch einer der Angestellten nimmt sie bei der Hand und spielt draußen mit ihr im Sand. Devon Concar, einer der südafrikanischen Manager, erzählt uns in Kürze das wichtigste zur Lodge. Hier wird das Öko-Prinzip ganz groß geschrieben – die Lodge hat dafür schon internationale Preise gewonnen. Sie engagiert sich auch sehr für die Menschen in den Nachbardörfern. Dann klärt er uns über mögliche Gefahren auf: Malaria, Bilharziose und Krokodile. Der Malawi-See ist zwar nicht bilharziosefrei, aber beim Baden am Hauptstrand der Lodge besteht keine Gefahr. Krokodile gibt es hier vielleicht. Sie wurden zwar noch nicht in der Nähe der Lodge gesichtet, dennoch sollte man zwischen fünf Uhr abends und sieben Uhr morgens sicherheitshalber nicht im See baden.
Nun ist Elise wirklich todmüde und quengelig, hatte ja heute keinen Mittagsschlaf und will nur noch ins Bett. Im Dunkeln stolpern wir über sandige Wege zu unserem Häuschen. Aber selbst ohne Tageslicht sind wir beeindruckt: Es ist ein riesiges rundes Chalet mit Strohdach, das auf der Wasserseite im oberen Bereich offen ist, und Wänden aus Bambus, Holz und Stein, mit einem riesigen Himmelbett mit Moskitonetz und einem kleinen Beistellbett mit extra Moskitonetz für Elise, das in dem riesigen Raum fast verloren wirkt. Direkt angebaut ist ein kleines Badezimmer mit Toilette und Waschbecken. Draußen führt ein privater gepflasterter Weg durchs Grüne zu einem weiteren Badezimmer unter freiem Himmel: Waschbecken, Dusche und Badewanne mit Blick auf den See und doch ganz versteckt durch Büsche und Bäume. Herrlich. Ein weiterer privater Weg führt zu einem winzigen Strand und Felsen über dem See, wo bereits ein Tisch und Stühle aufgebaut sind. Hier genießen wir später, als Elise schon schläft, ganz allein unser Abendessen und ein kühles 2M, das mosambikanische Nationalbier (sprich: doischemm).

Terrasse und Innenbereich unseres riesigen Chalets
04.05.2009
Am Morgen können wir die ganze Pracht bei Licht betrachten. Wir haben es wirklich toll erwischt. Da wir momentan die einzigen Gäste sind, hat man uns das Honeymoon Chalet zugeteilt. Es ist mit Liebe zum Detail und vielen phantasievollen und praktischen Kleinigkeiten ausgestattet: Kleiderhaken und Handtuchstangen aus polierten Ästen, ein wie ein Tier geschnitzter Baumstamm auf Beinen als Tisch, ein Kleiderschrank aus Bambus mit viel Platz, eine schön schattige, große Terrasse mit weichen Sitzkissen, die unmittelbar in einen kleinen privaten Strand übergeht, kostenloses Peaceful Sleep und Wäscheservice, und endlich das perfekte Moskitonetz mit ausreichend Abstand zum Bett und im Saum kleine eingenähte Steine, so daß es überall sicher am Boden aufliegt. Farben und Muster aller innen und außen verwendeten Stoffe wiederholen oder komplementieren sich auf geschmackvolle Weise. Also hier hat sich mal ein afrikanischer Lodge-Designer so richtig ausgetobt, was wir später auch an den anderen Chalets sehen werden. Es gibt sogar Leselampen auf beiden Seiten des Bettes. Und Trinkwasser in hübsch dekorierten Flaschen, die immer wieder aufgefüllt werden. Genau wie in den anderen Lodges am Malawi-See kommt das Wasser aus Dusche, Waschbecken und Toilette direkt aus dem See und hat bereits sehr gute Qualität, wird aber nicht unbedingt als Trinkwasser empfohlen. Wir putzen trotzdem unsere Zähne damit und bleiben alle gesund. Wir baden ja schließlich auch im See und schlucken dabei mal Wasser. Hier wohnen so wenige Menschen, daß das Wasser sauber und sehr, sehr klar ist.

Mittagessen auf der “Plattform”, nur ein paar Schritte vom Strand entfernt.
Übrigens krähen hier morgens keine Hähne. Dafür sieht man aber auch keine Dorfbewohner oder Kinder am Strand. Letzteres finde ich etwas schade, aber man hat eben noch mehr Privatsphäre – und wer will, kann ja eins der umliegenden Dörfer und die Schule besuchen, was wir auch noch vorhaben. Aber nach dem Morgenkaffee und anschließendem Frühstück auf unserer Terrasse zieht es uns erstmal an den Strand. Der feine Sand ist genial. Nach dem recht kiesigen, rauhen Sand bei Kaya Mawa ist das eine Wohltat für die nackten Füße. Im Uferbereich liegen glattgewaschene Steine, aber nur ein paar Meter weiter in den See hinein hat man wieder weichen Sand unter den Füßen. Es geht hier deutlich flacher hinein als bei Kaya Mawa. Schön für Elise, die mit ihrem Schwimmring weiter hinausschwimmen darf. Sie entdeckt hinter dem Schattendach mit den Sitzgruppen zwei große Holzkisten, in denen unter anderem Schnorchel, Taucherbrillen, Flossen, ein Schwimmring und ein kleines Planschbecken liegen. Das muß gleich aufgeblasen werden. Auch der rote Schwimmring ist natürlich viel toller als ihr eigener, und so spielt sie vergnügt bis zum Mittagessen. Das wird uns auf der „Plattform“ serviert, einem Holzdeck unter großen schattigen Bäumen in den Felsen, die in den See hineinragen. Dort sind auch zwei Hängematten aufgespannt, und farbenfrohe Eidechsen huschen über die warmen Bretter und die sonnigen Felsen. Wir lassen ein Brötchen übrig, wollen es mitnehmen, falls Elise noch Hunger bekommt. Doch als wir gerade alle nicht aufpassen, springt eine grüne Meerkatze herbei und schnappt es sich, hüpft damit in einen hohen Ast und verspeist es genüßlich und irgendwie schadenfroh. Elise ist davon sehr beeindruckt und stellt tausend Fragen. Am Abend tüfteln Marco und sie etwas aus, wie man den Äffchen den Appetit verderben und das Klauen einstellen kann: scharfe Sauce auf das Brötchen streichen! Die ist hier aber auch wirklich hammerscharf!!

Meine erste SMS in Chinyanja mißlingt. Aber die Aussicht von diesem Felsen ist toll.
Nach einer Siesta, während der ich wie so oft Tagebuch schreibe und Elise zu Papa ins große Bett krabbelt, unternehmen wir mit unserem Guide Willard noch eine Wanderung zu einem Aussichtspunkt hoch über dem See, von dem aus man Cobué und Likoma Island sehen kann. Da oben soll es auch Handy-Empfang geben. Willard hat extra sein Handy mitgebracht und will eine SMS an seine Bekannten in Cobué schicken, doch seine Batterie ist fast leer. Ich biete ihm an, die Nachricht von meinem Handy zu senden. Mühsam diktiert mir Willard den Text in Chinyanja, der einheimischen Sprache – englisch verstehen hier nur wenige. Als ich aber an die angegebene Nummer senden will, bekomme ich kein Netz. Dabei ist Malawi doch so nah und auch die Einheimischen hier benutzen das malawische Netz. Nach drei weiteren Versuchen gebe ich auf. Ich hätte ihm gern geholfen und die erste SMS meines Lebens in Chinyanja verschickt. Anschließend besichtigen wir noch einen riesigen Baobab mit ganzen 39 Metern Stammumfang. Verschwitzt kehren wir zur Lodge zurück. Es ist kurz nach fünf, und wir möchten noch für einen Sprung in den See. Devon gibt nach kurzem Zögern sein OK und wir hoffen ganz einfach, daß die Krokodile heute schon genug Fische gefangen haben, und stürzen uns in das erfrischende Naß. Am Strand zünden die Mitarbeiter der Lodge währenddessen ein Lagerfeuer an und gruppieren Stühle und Bänke darum. Daneben bauen sie eine richtige Bar auf mit zwei Kisten verschiedener südafrikanischer Weine und vielen andere Spirituosen. Das ist hier Tradition: gemeinsam mit andere Gästen und den Mitarbeitern und Managern beim Sundowner zu sitzen und ins Gespräch zu kommen, bevor man sich zu seinem privaten Dinner zurückzieht. Wir plaudern mit Malcolm, dem Schotten, der hier für ein paar Monate jobbt und recht gut deutsch spricht, da er auch in Berlin gelebt hat. Und mit Mickey aus Kenia, der für längere Zeit hier ist und im früheren Leben Touristen auf den Kilimanjaro und den Mount Kenya geführt hat. Elise nascht Popcorn und spielt im Sand, bekommt um halb sieben ihr Abendessen serviert und ißt im Feuerschein eine kleine Portion, bevor wir uns verabschieden, sie ins Bett bringen und auf unserem Privatstrand vor dem Haus dinieren, während die Wellen sanft an die Felsen schlagen.
05.05.2009
Heute vormittag besichtigen wir die Farm, von der die Lodge ihr Obst und Gemüse bezieht. Es ist ein wichtiges Projekt im Rahmen der Manda Wilderness, denn die Bauern aus den Dörfern der Umgebung kommen hierher, um etwas über die richtigen Anbaumethoden und erfolgreiche afrikanische Landwirtschaft zu lernen. Der Weg zur Farm ist etwa eine halbe Stunde Fußmarsch, immer in Küstennähe, durch Wald und Felder und Sand und über Felsen. Befestigte Wege gibt es hier nicht. Die Lodge und die Farm sind nicht per Auto zu erreichen. Es wäre sinnlos. Hier passiert alles per Boot. Dinge, die nicht im Farm-Garten wachsen oder selbst hergestellt werden können, müssen in Malawi gekauft werden, denn selbst in Cobué gibt es keinen gescheiten Laden. Also fährt immer mal wieder jemand nach Nkhata Bay in Malawi, sicherlich eine Tagestour per Boot, und kauft Milchprodukte, Nudeln, Fleisch, und andere Dinge des täglichen Lebens ein und besorgt neue Bestände für die Bar. Kein Wunder, daß Getränke hier so teuer sind. Die sind leider nicht inklusive. Hier ein paar Beispiele:
Gin USD 4,-
Bier (2M) USD 3,50
Glas Wein USD 6,-
Flasche Wein ab USD 30,-
Cooldrinks USD 2,-
Also unsere Getränkerechnung für die vier Tage wird hoch, denn natürlich gönnen wir uns trotzdem unseren Gin&Tonic am abendlichen Lagerfeuer und trinken zum Abendessen ein mosambikanisches 2M. Da sind immerhin 0,55 Liter drin.
Auf dem Weg zu der Farm kommen wir noch am Songea House vorbei. Ein Komplex aus drei sehr luxuriösen und unglaublich großen Gästehäusern, die zur Nkwichi Lodge gehören, aber in sich autark sind. Es gibt dort eigene Angestellte und Köche, auch einen eigenen Strandabschnitt, der aber kleiner und schmaler ist als direkt bei der Lodge. Für Gruppen von Freunden oder gemeinsam reisenden Familien, die gern unter sich sein möchten, sicher eine schöne Sache. Mir persönlich gefällt das Flair der Hauptlodge besser.

Auf der Farm von Manda Wilderness
Auf der Farm zeigt uns eine junge Frau die gepflegten Anbauflächen. Sie hat ein Baby auf dem Arm, und ein kleines hübsches Mädchen bleibt dicht an ihrer Seite. Unser Guide Willard ist mitgegangen und übersetzt alle Erklärungen ins Englische. Viele der Beete haben Schattendächer. Pflanzen wie Kartoffeln, Cassava und Süßkartoffeln wachsen in Bodenwellen, also immer oben auf den Erdhügeln, während sich in den Rinnen drumherum das Wasser sammeln und länger vorhalten kann. Das beugt auch der Erosion vor, denn wenn es in der Regenzeit regnet, dann richtig. Dagegen hilft auch ein anderer typisch afrikanischer Trick: Man nehme Hunderte von leeren Weinflaschen (bzw. andere Spirituosen), stecke sie verkehrt herum in die Erde und forme daraus den Rand eines Beetes. Funktioniert toll, ist so einfach und kostet nichts. Nach diesem Motto machen sie auch Kompost aus Bio-Abfällen der Lodge, so daß sie keinen teuren chemischen Dünger brauchen. Ein interessantes und lehrreiches Projekt. Aber das Schönste für Elise kommt jetzt erst: Sie darf matschen. In einem der Häuser werden nämlich aus Lehm afrikanische Energiespar-Kochtöpfe mit integriertem Ofen hergestellt: im unteren Teil brennt ein kleines Feuer, und oben gart das Essen. Elise erhält ein Tablett und einen Klumpen Lehm, dazu eine Blechdose voll Wasser. In der nächsten halben Stunde haben wir richtig Spaß. Zwei Guides der Lodge, Elise und ich kneten und formen, was das Zeug hält. Es entstehen: ein Flugzeug, ein Krokodil, ein Schneemann und ein großer Ball. Die dürfen wir mitnehmen. Den Rückweg wollen wir nicht laufen, sondern Kanu fahren. Die beiden Boote liegen bereits am Strand unterhalb der Farm. Zum Mittagessen sind wir zurück. Den Nachmittag verbringen wir faul am Strand. Im letzten Sonnenlicht, kurz nach fünf, sitzt Elise in der Open-Air-Badewanne und nimmt ein Schaumbad. Trockene Blätter fallen von den Bäumen, es ist Herbst, oder wie man das hier nennen mag… Was für herrliche Tage! Wir haben schon lange keine festen Schuhe oder lange Hosen oder Unterhemden mehr getragen. Die Nächte sind so warm, daß ein Bettlaken als Decke ausreicht. Auch morgens ist es schon so warm, daß wir im dünnen Schlafanzug oder in Shorts und T-Shirt barfuß draußen unseren Morgenkaffee trinken.

Unser tolles Outdoor-Badezimmer. Freundliche Zimmermädchen
Nkwichi hat das gewisse Etwas, gibt einem das Gefühl, etwas ganz Besonderes zu sein. Jeder strahlt einen an, fragt nach dem Befinden, ob die Nacht gut war, wie es Elise geht. Und wenn das Englisch noch so gebrochen ist, wie z.B. bei den Zimmermädchen, tut es ein Lächeln, ein herzlicher Gruß. Wir schließen nichts weg, verstecken nichts tief im Gepäck, es ist einfach eine Vertrauensbasis da. Die Häuser sind offen, es gibt keine Zimmerschlüssel, keine Rezeption, nur ein Büro etwas weiter oben am Hang. Ich war nicht einmal dort. Fragen kann man beim Sundowner am Lagerfeuer stellen, wenn die ganze Mannschaft versammelt ist. Und kleinere Probleme werden rasch durch die Guides und Begleiter, Kellner und Betreuer (in einer Person, für uns war es meistens Willard) gelöst, z.B. ein Stuhl in unserem Badezimmer, damit Elise sich allein die Hände waschen kann. Und wenn Elise auf einer der Wanderungen nicht mehr laufen kann, nimmt Willard sie einfach auf die Schulter.

Ausflug im Kanu. Stimmungsvolle Beleuchtung zum Sundowner am Strand
06.05.2009
Heute, an unserem letzten „richtigen“ Urlaubstag, steht noch ein Höhepunkt an: Der Besuch in Mala Village. Mala liegt etwa eine Dreiviertelstunde Fußmarsch entfernt in nördlicher Richtung an der Küste. Elise läuft fast die ganze Strecke selbst. Der Weg ist uneben, sehr schmal und manchmal recht steinig. Verrückt, wenn man sich vorstellt, daß dieser Pfad sich Hunderte, ja Tausende von Kilometern entlang der Küste des Malawi-Sees erstreckt und nach Norden weiter durch Tansania und Kenia verläuft. Einstmals ein Sklavenpfad, der Nachschub für den Umschlaghafen auf Sansibar brachte. Heute ein Weg, den die Angestellten der Lodge nehmen, wenn sie frei haben und in ihre Heimatdörfer zurückkehren, und – abgesehen vom Boot – die einzige Verbindung zwischen der Lodge und dem Ort Cobué. Die nächste „richtige“ Stadt in Mosambik ist Lichinga, etwa vier Fahrstunden südliche von Cobué. Das muß man sich immer wieder bewußt machen, wenn man z.B. an vier Tagen in der Lodge nur einmal ein Gericht mit Käse bekommt. Den gibt es nämlich nicht einmal in Lichinga.

Elise barfuß unterwegs nach Mala Village.
Also Mala Village. Schon einen Kilometer vor dem Dorf kommen uns Kinder entgegen, werden wir von Bauern auf den Feldern gegrüßt. Schulkinder mit Heften unter dem Arm kommen uns entgegen. Ein ganzer Pulk Kinder begleitet uns ein Stück weit, umringt Elise. Eins der Mädchen, vielleicht sieben oder acht Jahre alt, weicht Elise nicht von der Seite. Schließlich laufen die beiden Hand in Hand. Elise ist ganz stolz auf ihre große Freundin, die Loza heißt und an diesem Vormittag frei hat. Den Grund erfahren wir, als wir die Schule von Mala erreichen. Ein solides Gebäude aus Stein mit Blechdach. Ein Blechdach in diesem Teil von Afrika ist etwas Besonderes, geradezu Luxus. Die Schule wurde zum Teil mit Fördermitteln der Nkwichi Lodge gebaut – eins von vielen Projekten, für die sich die Lodge und ihre Mitarbeiter engagieren. Das Schulgebäude hat zwei Klassenräume. Es gibt aber 170 Schüler. Also wird in Schichten unterrichtet, einige Kinder sind erst nachmittags dran. Wir dürfen kurz den laufenden Unterricht in einem der Klassenzimmer verfolgen. Die Kinder sind konzentriert, lassen sich durch uns kaum ablenken. Sie lernen Portugiesisch, die Amtssprache und erste Fremdsprache, aus bunten Lehrbüchern mit vielen Zeichnungen. Der große Unterschied zur Schule in Malawi, die wir besucht haben, ist, daß die Kinder hier auf dem Fußboden sitzen. Es gibt keine Tische und Stühle. Die einzige Einrichtung des Raumes besteht aus einer Tafel. Keins der Kinder hat Schuhe an. Elise ist davon so fasziniert, daß sie auch barfuß laufen möchte. Sie will sich die „harten Fußsohlen“ antrainieren, die man hier braucht, um über Felsen, unebene Wege und harten, pieksigen Untergrund zu laufen. Eine Weile gelingt es ihr auch, die starke Frau zu spielen, dann will sie doch wieder ihre Sandalen anziehen.

Das Schulgebäude von Mala Village, eins der wenigen mit Blechdach
Die Kinderschar begleitet uns noch bis an den Strand von Mala. Dort liegt Fisch zum Trocknen auf großen Gestellen. Elise will alles sehen, die Fische anfassen und riechen, und bekommt prompt einen geschenkt. Ein Fischerboot hat frischen Fang gebracht, die Männer sind noch dabei, die Fische aus den Maschen des Netzes zu ziehen. Wieder schauen wir gespannt zu, überrascht, daß das Netz so voll ist und die Fische so groß sind. Beim Schnorcheln haben wir nämlich meist nur recht kleine gesehen. Wieder bekommt Elise gleich zwei geschenkt. Willard zieht eine Schnur heraus und knotet damit die drei Fische zusammen, so daß Elise sie tragen kann. Sie möchte die Fische zu Mittag essen. Wir können uns das aber noch nicht so recht vorstellen.
Das Motorboot der Lodge holt uns am Strand von Mala wie ausgemacht ab, so daß wir nicht den langen Weg zu Fuß zurücklaufen müssen. Noch lange winken Elise und Loza sich zu. Zum Mittagessen bekommt Elise tatsächlich ihre drei Fische gebraten serviert. Zwei davon, die beiden frischen, sind ganz lecker, wenn auch voller Gräten. Der dritte aber, der vom Trockengestell, ist durch das Braten nicht mehr genießbar. Nach diesem Aperitif ißt Elise wie immer ihr Brötchen mit Butter und das war’s.
Als wir abends im Halbkreis um das Feuer am Strand sitzen, der sich übrigens deutlich vergrößert hat, da seit gestern eine Gruppe Portugiesen angereist ist, erleben wir noch eine besondere Darbietung: Der Chor von Mala Village singt für uns. Laut, kraftvoll, schön. Am Ende klatschen und tanzen wir mit, es gibt lange Beifall. Elise kann gar nicht begreifen, daß die Kinder und Jugendlichen nun durch die Nacht auf dem schmalen Weg barfuß zurück in ihr Dorf laufen müssen. Und noch jemand ist derzeit zu Fuß auf diesem Weg unterwegs: Ein Angestellter der Lodge hatte schon am Nachmittag unsere Reisepässe mitgenommen, um in Cobué die Ausreisestempel aus Mosambik für uns zu besorgen. Drei Stunden hin und drei Stunden zurück, um uns den Boots-Stop in Cobué und eine etwa einstündige Verzögerung zu ersparen. Schon der Hammer. Um zwei war er losgelaufen, um neun Uhr abends ist er noch nicht wieder zurück. In der Hoffnung, unsere Pässe irgendwann wiederzusehen, gehen wir schlafen – zum letzten Mal in diesem kleinen Paradies.

Gesangsdarbietung beim Sundowner. Privates Dinner am privaten Strand
07.05.2009
Der Reisepaß-Abgeordnete hatte die Ausreisestempel in Cobué besorgt und auf dem Rückweg die Nacht in einem Dorf bei Bekannten verbracht. Frühmorgens war er weitergelaufen und ist wohlbehalten mit unseren Pässen zurückgekehrt. Auch wir sind schon lange wach, denn heute geht es früh raus. Das Motorboot der Nkwichi Lodge bringt uns auf direktem Weg nach Likoma Island. Dort müssen wir erneut nach Malawi einreisen, wobei uns Mr Jack behilflich ist – wie gewohnt nach vielen Handy-Telefonaten und auf mehreren Umwegen. Am Flughafen der Insel steht eine 8-Sitzer Caravan bereit, die uns in einer Stunde nach Lilongwe bringt. Mein Handy klingelt, als ich dort im Flughafengebäude die Ausreisekarte aus Malawi ausfülle. Es ist das Büro von Wilderness. Ob alles gut geklappt hat. Ich bin des Lobes voll und gebe es auch gern so weiter.

Der “Hafen” von Likoma Island. Riesige Schwärme von Lake Flies über dem Malawi-See
Der Flug von Lilongwe nach Johannesburg ist wieder voll besetzt und der abenteuerlichste von allen auf dieser Reise, denn kurz vor Johannesburg geht ein Gewitter nieder, durch das wir hindurchfliegen. Es hebt uns immer wieder aus den Sitzen. Erst Kreischen, dann Lachen in der Kabine. Man nimmt’s halt mit Humor.
Die letzte Nacht vor unserem Rückflug nach Deutschland verbringen wir im Drifters Inn. Eine gute Wahl, auch wenn es recht weit vom Flughafen entfernt ist. Wir bekommen in der Bar noch ein kleines Abendessen und schlafen dann wunderbar in den angenehmen Betten. Wenn es wärmer gewesen wäre, hätten wir die Liegestühle im Garten und den Pool nutzen können, aber es ist mittlerweile Winter im Hochland von Südafrika, und vor allem morgens ist es schon empfindlich kühl.
08.05.2009
Den Vormittag vertreiben wir uns in einem riesigen Gartencenter in Northcliff, der eine Outdoor-Spiellandschaft für Kinder, mehrere Restaurants und auch Klamottenläden hat. Am Nachmittag fahren wir gemeinsam zum Flughafen zurück. Marco nimmt einen Inlandsflug nach Durban, wo er noch für ein paar Tage die Reisemesse Indaba besuchen will, und Elise und ich warten auf den Abendflug mit Lufthansa zurück nach Deutschland. Unsere Reise ist zu Ende. Elises einstmals weißer Stoffhase ist schmutzig-braun. Wir freuen uns auf Simon und ein Wiedersehen mit meinen Eltern, aber Kopf und Herz sind noch voll vom Sonnenschein über dem Malawi-See, vom herzlichen Lächeln der Menschen und von Gedanken an viele kleine Sternstunden, die wir erleben durften. Diese begleiten uns hoffentlich noch lange und helfen uns beim Wiedereinstieg in den Alltag. Malawi mit Elise war auf vielerlei Weise besser als erwartet und einfacher als gedacht. Ein guter Einstieg für Reisen nach Afrika mit Kindern.
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Ein Beispiel für eine Kombination aus Safari in Sambia und Relaxen in Nkwichi ist “Safari und See”. Gern erstellt Outback Africa ein individuelles Safari-Angebot mit der Nkwichi Lodge. Hier klicken und Reiseanfrage stellen.
Alle Teile des Reiseberichtes Malawi in der Übersicht:
- Reisebericht Malawi (1): Via Johannesburg nach Lilongwe zur Heuglins Lodge
- Reisebericht Malawi (2): Mumbo Island
- Reisebericht Malawi (3): Mvuu Lodge und Mvuu Camp, Liwonde NP
- Reisebericht Malawi (4): Kaya Mawa, Likoma Island
- Reisebericht Malawi-Mosambik (5): Nkwichi Lodge

02.05.2009
Es geht früh los. Auf unserem Voucher steht Abfahrt Mvuu 7.30 Uhr, Ankunft Lilongwe 11.30 Uhr. An der Rezeption sagten sie uns am Abend zuvor aber, daß wir schon um 7 Uhr startklar sein sollten. Also frühstücken wir zeitig und werden danach über den Fluß gebracht. Am anderen Ufer erwartet uns ein neuer Fahrer von Wilderness, Willy. Mit uns sind noch die zwei Franzosen unterwegs, die wir schon von Mumbo kennen. Sie wollen den Ethiopian Airlines Flug um 13 Uhr erreichen, ihr Urlaub ist zu Ende. Wir haben ja erst die Hälfte rum. Unser Flug geht um 12.30 Uhr nach Likoma. Willy warnt uns, er müsse zügig fahren, Pausen seien nicht drin. Auf unser Bitten hält er dann aber doch an einem Souvenirmarkt am Straßenrand, bei dem ich fünf kleine Hippos aus Ebenholz nach hartem Verhandeln für 1 Dollar das Stück kaufe. Elise sorgt für zwei oder drei weitere Stops, da sie mal pullern muß. Willy kommt ins Schwitzen. Wir erreichen den Flughafen erst kurz vor halb eins, nach fünfeinhalb Stunden Fahrt.
Willy hatte schon unterwegs mit dem Wilderness-Mitarbeiter am Flughafen telefoniert und unsere Verspätung angekündigt. Zum Glück ist am Ende alles ganz relaxt. Die Franzosen erreichen ihre Maschine, und wir werden persönlich von unserem Nyassa Air Piloten abgeholt. Nach Wiegen und fünf Dollar Flughafensteuer bezahlen führt uns Salmon, so heißt der junge Pilot, zu Fuß übers Rollfeld an der noch wartenden Ethiopian Airlines Maschine vorbei zu einer Gruppe kleiner Flugzeuge. Das kleinste von ihnen wird unseres. Es hat genau vier Sitzplätze. Einen für den Piloten und die anderen für uns drei. Ich sitze vorn neben Salmon und schaue ehrfürchtig auf die vielen Instrumente und Hebel. Das Flugzeug ist wirklich winzig. Nicht nur, daß wir über die Tragfläche einsteigen mußten, nun soll ich auch noch die Tür einen Spalt aufhalten, bis wir unsere Startposition erreicht haben, da es sonst unerträglich heiß im Innenraum wird. Also rollen wir mit offener Tür ein paar Hundert Meter bis zur Startbahn. Dann schließt und verriegelt Salmon die Tür, setzt seinen Kopfhörer auf, gibt Gas und hebt ab. Wir erleben einen ruhigen einstündigen Flug, zur Hälfte über Land und zur Hälfte über Wasser. Aus etwa 2000 Metern Höhe können wir viel erkennen. Am Horizont taucht Likoma Island auf, dahinter die mosambikanische Küste. Der Pilot dreht eine Runde über die Chalets von Kaya Mawa, unserer Unterkunft am Südende der Insel, dann schwenkt er ab in Richtung Flughafen. Genau unter uns sehe ich die hellen Steinmauern der großen St. Peter’s Kathedrale. Dann kommt der Flughafen in Sicht, der uns alle erstaunt. Die Landebahn ist asphaltiert und riesig, die Ankunftshalle aus Stein und brandneu. Wir erfahren, daß die Arbeiten erst vor wenigen Wochen fertiggestellt wurden. Davor gab es nur eine Sandpiste. Es gehörte zu den Wahlversprechen des amtierenden Präsidenten, einen vernünftigen (eigentlich viel zu großen) Flughafen zu bauen, um wiedergewählt zu werden.

Kaya Mawa aus der Luft. Elise verschläft den Flug.
Als wir aussteigen, erwartet uns schon Craig, einer der Manager der Kaya Mawa Lodge, der uns in seinem blauen Landrover direkt auf dem Rollfeld abholt. In einem Reiseführer hatte ich gelesen, daß es auf der kleinen, nur sieben Kilometer langen und von etwa 6000 Menschen bewohnten Insel nur ein einziges Auto gibt. Craig lacht und sagt, daß es mittlerweile etwa sieben gibt, aber nicht alle seien fahrtüchtig. Er fährt uns auf tief ausgewaschenen Erdpisten im Schrittempo zur Kaya Mawa Lodge. Die Unterkunft liegt herrlich zwischen Felsen und entlang eines breiten Sandstrands. Hoch in den Felsen liegen die Bar, die Küche und einige schattige Sitzgelegenheiten sowie ein Pool mit genialer Aussicht. Wir lassen uns ein spätes, exzellentes Mittagessen schmecken und genießen den Blick auf die ins Meer hineinragenden Felsen und die darauf gebauten Häuschen. Einige davon kann man nur über Stege erreichen, und das Honeymoon Chalet sogar nur per Boot. Wir sind in einem der Strandhäuser untergebracht. Ich bin erst fast ein wenig enttäuscht darüber, nicht in einem der Häuser auf den Felsen zu wohnen, doch dann sehr froh. Unser Steinhäuschen ist toll eingerichtet, hat ein separates Kinderzimmer, ein originelles Bad komplett unter freiem Himmel, eine große Holzterrasse unter schattigen hohen Bäumen, auf der zwei mit weichen Matratzen ausgelegte Fischerboote als Sofas dienen, und das Beste: direkten Zugang zum Strand und zum See. Das ist gerade für Elise toll. Sie kann vom Haus aus gefahrlos überall hinlaufen. Wir machen es uns auf den Strandliegen gemütlich und schwimmen dann eine Runde. Marco schnorchelt an den Felsen am anderen Ende der Bucht und sieht noch mehr und buntere Fische als auf Mumbo Island. Elise und ich suchen schöne Steine und spielen damit am Ufer.

Offenes Badezimmer und Schlafzimmer unseres schönen Strandhäuschens
Etwa Hundert Meter entfernt sind zwei afrikanische Frauen beim Wäschewaschen. Viele Kinder spielen um sie herum. Es gehört zur Politik von Kaya Mawa, den Einheimischen der nahen Dörfer einen Korridor zum Strand zu lassen, damit sie ans Wasser können wie vor dem Bau der Lodge. Elise ist neugierig, die schwarzen Kinder auch. Langsam verringert sich der Abstand zwischen ihnen. Schließlich ist Elise von ihnen umringt, und als ich dazukomme und „This is Elise“ sage, wiederholen sie laut im Chor „Eliiisäh!“ Restlos begeistert sind sie, als ich Elises Sandspielzeug heraushole. Alle dürfen mitspielen, die Kinder bauen und schaufeln und matschen, Elise mittendrin. Ich setze mich dazu, komme mit den älteren Mädchen ins Gespräch. Eine hat ihren Baby-Bruder auf dem Arm, ich darf ihn mal halten, einen noch zahnlosen dicken Jungen mit sooo weicher Haut, der mir mit seinen kleinen Patschefingern an den Haaren zieht und grinst. Den hätte ich glatt behalten mögen. Erstaunlich, daß die Babys gar keine Windeln tragen. Wie machen die das nur?

Die Kinder am Strand von Kaya Mawa dürfen Elises Sandspielzeug benutzen.
Schließlich wird es Zeit für eine Dusche, die Sonne steht schon tief. Elise nimmt ein Bad in der steinernen Badewanne, das Problem ist nur, daß das Wasser recht dünn fließt und es ewig dauert, bis etwas Wasser in der Wanne steht. Da dusche ich sie lieber ab. Kaya Mawa möchte bewußt anders sein als die klassischen Lodges in Botswana oder Sambia, wo am Abend alle Gäste an einem gemeinsamen Tisch sitzen und sich Manager und Guides dazugesellen und wichtige Geschichten erzählen. Jeder Gast kann hier essen, wo er möchte, und sich innerhalb eines gewissen Rahmens auch die Uhrzeit aussuchen. Was es gibt, wird vorher nicht verraten und schon gar nicht auf irgendeiner Tafel angeschrieben. Wir entscheiden uns für ein Abendessen am Strand vor unserem Häuschen und essen im Schein von Gaslampen romantisch unter dem Sternenhimmel, während Elise hinter uns schon schläft und wir gar keinen Babysitter brauchen. James, einer der Manager, der die Lodge vor zwei Jahren gekauft hat, gesellt sich später dazu und erzählt von großen Umbauplänen, die er für die nächste Regenzeit hat, während der die Lodge ausnahmsweise geschlossen bleibt – die Auslastung ist momentan ohnehin schlecht. Er will die Chalets in den Felsen vergrößern, zum Teil ein Deck auf dem Dach dazu bauen. Das Honeymoon Chalet soll zu einem Wellnessbereich umgebaut werden, und das Zentrum der Lodge mitsamt der Küche will er an den Strand verlagern. Das macht für unsere Begriffe auch Sinn, denn die Wege vom Strand zur Bar sind weit – eben auch für die Angestellten, die Tisch und Stühle und natürlich das Essen mehrere Hundert Meter weit anschleppen und über Treppen und durch den Sand tragen müssen.
Beim Einschlafen hören wir in der Ferne die Einheimischen singen, wohl eine Party zum Samstagabend.

Einige Chalets sind nur über Stege zu erreichen. Privates Dinner am Strand.
03.05.2009
Gegen fünf Uhr früh ist meine Nacht zu Ende. Es ist noch dunkel, die Dämmerung beginnt eben erst, da krähen gefühlte 20 Hähne in den Nachbardörfern gleichzeitig. Und das dauert, bis es richtig hell ist. Dann krächzt ein Schildrabe auf dem großen Baobab vor unserem Haus dermaßen laut und häßlich, daß es mich nicht mehr im Bett hält. Elise ist auch schon wach, also machen wir uns fertig. Auf der Terrasse liegt eine frisch vom Baum gefallene Baobab-Frucht. Mit großen Steinen klopfen wir die harte Schale auf und knabbern das weiße Fruchtfleisch von den schwarzen Kernen ab, mit denen wir anschließend Weitspucken üben. Ein verspielter Hund gesellt sich dazu. Um 7 Uhr bekommen wir Kaffee und Kakao auf unserer Terrasse serviert und werden gefragt, wann und wo wir frühstücken möchten. Genau hier, in einer Stunde, und mit Eiern nach Geschmack. In jeder Lodge auf dieser Reise gibt es reichlich Eier, auf Wunsch auch ein „Full English Breakfast“ mit gebratenem Schinkenspeck, Tomaten, Wurst, gebackenen Bohnen, Röstkartoffeln u.s.w., dazu Toast. Die Eier kann man gekocht, als Spiegelei gebraten („sunny side up“), von beiden Seiten gebraten, als Rührei, als Omelett mit diversen Füllungen, als Eierkuchen süß oder pikant oder als „French Toast“ (eine Art Arme Ritter) bestellen. Dieses System scheint sich gleichermaßen durch alle afrikanischen Länder zu ziehen, die einst britische Kolonien waren. Auch das Abendessen ist britisch geprägt, und hier muß ich „leider“ sagen, denn es ist oft zu langweilig und nicht genug gewürzt. In einigen Unterkünften steht daher am Buffet oder am Tisch noch eine ganze Palette diverser Gewürze, Saucen und freurig scharfem Zeug.
Nach dem Frühstück bekommt Marco von James einige andere Chalets gezeigt, um einen Vergleich zu haben und um zu fotografieren. Sein Fazit bei der Rückkehr ist, daß wir eins der schönsten Häuser haben. Um 10 Uhr fährt uns Craig ins Zentrum der Insel. In der St. Peter’s Cathedral ist Sonntagsgottesdienst. Der hat schon um 8 Uhr angefangen und geht bis um 12. Wir wollen nur mal reinschnuppern. Touristen sind willkommen und dürfen sogar fotografieren und filmen. Es ist beeindruckend. Eine riesige, massive Kirche aus Stein, fast voll besetzte Bänke, rechts die Männer und links die Frauen und Kinder, vorn zwei Chöre, Begleitmusik aus Lautsprechern, es herrscht richtig Stimmung. Erst sitzen wir schüchtern weit hinten, dann will Elise mehr sehen. Durch die freundlichen, aufmunternden Blicke der Einheimischen fühlen wir uns ermutigt und trauen uns nach vorn. Schließlich sitzen wir in der ersten Reihe, direkt vor einem der Chöre. Die jungen Frauen und Männer singen und tanzen mit Begeisterung und Hingabe. Sie haben schöne, volle Stimmen, es klingt richtig toll. Zwei kleine Mädchen im Sonntagskleid mit Zöpfchenfrisur gesellen sich zu Elise und mir, bestaunen uns, spielen mit meinen Fingern. Es ist gerade die Zeit der Kollekte. In kleinen Gruppen kommen die Männer und Frauen aus den Bänken abwechselnd nach vorn und werfen Geldscheine in einen riesigen Strohkorb. Der wird von Zeit zu Zeit geleert, und der Inhalt an einem Tisch im Hintergrund von älteren Frauen umgehend gezählt und notiert. Auch wir entrichten unseren Obolus, während die Chöre weitersingen. Irgendwann wird es Elise zu laut und zu viel und sie will raus. Marco stößt zu uns. Er war zuletzt oben auf der Empore, wo noch ein dritter Chor aus etwas älteren Sängern auf seinen Auftritt wartete. Es war wirklich ein beeindruckendes Erlebnis und ich wäre gern noch länger geblieben.

St. Peter’s Cathedral, Sonntagsmesse
Craig hatte vor der Abfahrt in die Stadt darum gebeten, daß wir unsere Reisepässe mitnehmen. Er wollte unsere Ausreiseprozedur aus Malawi verkürzen. Sein Plan war, mit uns zum Immigrationsbüro in der Stadt zu fahren, so daß wir gleich den Ausreisestempel bekommen und uns das Boot aus Mosambik an der Kaya Mawa Lodge abholen und direkt ans mosambikanische Ufer fahren würde. Doch Mr Jack vom Immigrationsbüro, einer der wichtigsten und bekanntesten Männer der Insel, ist trotz vieler Handy-Telefonate nirgendwo aufzutreiben. Also müssen wir unverrichteter Dinge zurück zur Lodge. Dort baden wir erst noch einmal, packen dann unsere Taschen, laufen zur Bar und bestellen noch ein Mittagessen. Die richtige Entscheidung, wie sich später herausstellt.
Um zwei sollte uns das Boot abholen. Um halb zwei sitzen wir startklar im Schatten hinter der Rezeption. Craig telefoniert, läßt sich dann nochmal unsere Pässe geben und fährt damit in die Stadt, während James auch telefoniert und uns informiert, es dauere noch eine Dreiviertelstunde. Eine halbe Stunde später hören wir, es würde sich nochmal verzögern. Dann kommt Craig angebraust, winkt uns alle ins Auto, unsere Taschen werden eilig eingeladen und ab geht es in die Stadt. Mr Jack ist endlich im Einreisebüro (so verstehen wir es zumindest), und das Boot wird uns am Hafen unterhalb der Stadt abholen. Wir sind erstaunt, daß das Büro wie ein normales Wohnhaus aussieht, das im hinteren Teil noch eine Bar hat. Auf einer halbhohen Mauer hinter dem Haus kriegen unsere Pässe die Ausreisestempel – von einem jungen Mann in Shorts und schwarzem T-Shirt mit Werbeaufdruck, während von drinnen in ziemlicher Lautstärke der Mitschnitt eines afrikanischen Live-Konzerts ertönt. Das ist Mr Jack. That’s Africa.
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Ein Beispiel für eine Privatsafari in Malawi finden Sie hier. Gern erstellt Outback Africa ein individuelles Safari-Angebot mit Kaya Mawa und anderen Lodges Hier klicken und Reiseanfrage stellen.
Alle Teile des Reiseberichtes Malawi in der Übersicht:
- Reisebericht Malawi (1): Via Johannesburg nach Lilongwe zur Heuglins Lodge
- Reisebericht Malawi (2): Mumbo Island
- Reisebericht Malawi (3): Mvuu Lodge und Mvuu Camp, Liwonde NP
- Reisebericht Malawi (4): Kaya Mawa, Likoma Island
- Reisebericht Malawi-Mosambik (5): Nkwichi Lodge
29.04.2009
In der Nacht kommt Wind auf. Im Morgenlicht sehen wir, wie die Zeltwände wackeln. Der See ist aufgewühlt, hat sogar weiße Schaumkronen, geschätzte fünf Windstärken. Baden oder Kajak fahren ist heute nicht angesagt. Aber es ist ja ohnehin unser letzter Morgen in Mumbo, nach dem Frühstück geht unser Motorboot zurück ans Festland. Die Überfahrt ist weniger schlimm als befürchtet, auch wenn sie über eine Stunde dauert. Niemandem wird schlecht, obwohl das Boot ganz schön schaukelt. Am anderen Ufer erwartet uns schon der gute alte Everlasting mit seinem Landcruiser. Er bringt uns und ein französisches Paar, das mit uns auf Mumbo war, in den Liwonde Nationalpark, unserem nächsten Ziel. Die Fahrt dauert etwa zweieinhalb Stunden und ist größtenteils auf guten Teerpisten, bis auf die obligatorische letzte halbe Stunde. Aber immer gibt es Interessantes zu sehen – Dörfer, Läden, Märkte, viele Menschen, Schulkinder, Baobabs, das Ufer des Lake Malombe, Baumwollfelder, Mais, Tabak, getrocknete Fische auf großen Grasmatten. Malawi ist dicht besiedelt. Immer wieder winken uns Kinder zu. Der Wind hat sich gelegt, es ist wieder ein warmer sonniger Tag geworden. Die Landschaft wird zusehends feuchter, tropischer. Die ersten Palmen tauchen auf. Kurz dahinter sehen wir den Shire-Fluß. Dort setzt Everlasting uns ab und verabschiedet sich. Wir geben ihm noch ein Trinkgeld.

Der Toyota Landcruiser ist eine gute Wahl für die Transfer-Fahrten.
Ein Motorboot erwartet uns. Es fährt uns und unser Gepäck über den breiten Shire, der die Westgrenze des Nationalparks bildet. Am anderen Ufer setzt der Bootsmann erst die Franzosen, die auf Hochzeitsreise sind, an der Mvuu Lodge ab und anschließend uns drei am Mvuu Camp. Beide Unterkünfte gehören Wilderness. Die Lodge ist mit 16 Betten sehr klein und exklusiv, das Camp mit 40 Betten größer und familiärer. Dort sind Kinder jeden Alters willkommen. Nach der Begrüßung und Einweisung entdeckt Elise gleich eine große Spielzeugkiste in einer Ecke neben der Rezeption. Etwas verwundert schaut sie auf die beiden Schaufeln darin. Doch als sie draußen im Garten einen ganzen Spielplatz mit Klettergerüst, Rutsche, Schaukeln und Sandkasten entdeckt, ist die Freude groß. Wir beziehen unser Familienchalet. Es ist ein riesiges Zelt – etwa hüfthoch gemauert und mit Steinfußboden, darüber aus Holz mit Zeltbahnen und Fenstern aus Moskitonetzen und mit weißen Vorhängen. Die Betten sind aus Holz und Rattan kunstvoll gebaut und mit Moskitonetzen wie ein Himmelbett ausgestattet. Im hinteren Teil des Zeltes gibt es ein weiteres Doppelbett, das ist sozusagen das Kinderzimmer. Elise kann sich ein Bett aussuchen. Dazwischen ist das gemauerte Badezimmer mit Toilette, Waschbecken und Dusche. Mehrere offene Schränke bieten viel Ablagefläche. Ich bin ein Ausräumer, also wird möglichst viel aus den Reisetaschen ausgepackt – für drei Nächte lohnt sich das allemal, finde ich. Das ständige Suchen in den Reisetaschen mit all ihren Seitentaschen nervt mich sowieso. Wir machen noch ein Nickerchen, während unten im Fluß die Hippos schnauben.

Viel Platz und schöne Betten im Familienchalet im Mvuu Camp
Um 16 Uhr beginnt unsere erste Pirschfahrt. Unser Guide hat den schönen Namen Angel und wird uns ab jetzt bei allen Aktivitäten begleiten. Wir haben ihn erst einmal exklusiv für uns, was sich auch bald als ideal herausstellt, denn Elise wird es schnell langweilig. Immer wieder unterbricht sie die Erklärungen des Guides, den sie ja sowieso nicht versteht, und will lieber Geschichten erzählt bekommen. Leider ist die Pirschfahrt auch nicht sonderlich ergiebig. Wir sehen zwar viele Impalas, Wasserböcke, Rappenantilopen, Paviane und verschiedene Vögel, aber dazwischen auch lange mal gar nichts. Doch die Natur ist herrlich abwechslungsreich und sehr grün. Oft fahren wir durch Pfützen und Schlammlöcher. Als die Sonne tiefer steht, fährt uns Angel an den Fluß vor wunderschöner Kulisse aus Borassus-Palmen. Zusammen mit den Hippos im Fluß und einem trägen Krokodil am Ufer sehen wir die Sonne untergehen und genießen beim mittlerweile Standard gewordenen Gin&Tonic den roten Abendhimmel.
Anschließend besteigt der zweite Guide, der bisher still vorne gesessen hatte, den Ranger-Sitz vorn auf der Motorhaube und schaltet einen starken Strahler an. Hier sind also Nachtpirschfahrten gestattet. Schon bald entdeckt er im Lichtkegel ein Genet (Ginsterkatze), die ich aber verpasse, da Elise mich mal wieder ablenkt. Kurz darauf eine kleine Scops-Eule und später noch ein Buschbaby. Angel schaltet den Motor aus und wir stehen ein paar Minuten ganz still im Dunkeln. Das Knistern und Knacken, die Vogelrufe und in der Ferne eine heulende Hyäne sind für mich der schönste Moment dieser Pirschfahrt.
Gegen 18:30 sind wir zurück. Als ich Elise ins Bett bringe, überlege ich noch, ob sie wohl bald einschläft und ob die Entfernung zum Restaurant für das Babyphone überhaupt ausreicht, da sehe ich draußen ein Taschenlampen-Signal und es ertönt eine Stimme: „I am your watchman. I will babysit.“ That’s Africa, so einfach, so genial. Natürlich ist das Babyphone wegen der weiten Wege nicht brauchbar. Elise schläft seelenruhig. Als wir nach einem leckeren Abendessen mit Kuche Kuche Bier zum Chalet zurückkehren, sitzt der Watchman mit ausgeschalteter Taschenlampe auf unserer Terrasse und meldet Null Problemo. Wir bestellen ihn gleich für den nächsten Abend vor.

Unser Chalet von außen. Abendessen im Restaurant.
30.04.2009
Heute wollen wir die nahe Nanthomba-Schule und ein Dorf besuchen. Wir fahren mit dem Boot ans andere Ufer des Shire und mit einem Allradwagen über sehr holperige Pisten, vorbei an bestellten Feldern, zur Nanthomba School. Ein amerikanischer junger Mann, der hier das Projekt H.E.L.P. Malawi leitet, erklärt uns das Konzept dieser Schule. Durch amerikanische Sponsoren konnten mehrere Schulgebäude aus Stein, Toilettenhäuschen und Lehrerunterkünfte gebaut werden, und es wurden kleinere Felder angelegt, die die Lehrer und Schüler selbst bestellen. Im Unterricht lernen sie nicht nur trockenes Wissen, sondern auch viel über die einheimische Landwirtschaft. Mittlerweile gehen etwa 700 Schüler zwischen sechs und 16 Jahren in diese Schule.
Eine fröhliche Lehrerin winkt uns in einen Klassenraum. Es ist die unterste Stufe, Grade One. Da sitzen und stehen locker 50 bis 60 Kinder, die gleich neugierig angelaufen kommen. Die Lehrerin pfeift sie zur Ordnung. Elise darf sich in eine der Bänke setzen. Dann singen die Kinder drei Lieder für uns. Singen kann man das eigentlich nicht nennen, eher schreien Elise ist total überwältigt und fast ängstlich. Aber als später Pause ist und die Kinder raus auf den Hof laufen, Elise umringen und ihr geröstete Maiskörner anbieten, taut sie auf. Sie versucht sich sogar im Seilspringen. Sie hüpft auch weiter draußen herum, als wir in eine der oberen Klassen kommen. Die Schüler hier sind zwischen 14 und 16 Jahre alt und werden in einigen Monaten die Schule mit einer Prüfung beenden. Viele sind Waisen oder kommen aus sehr schlechten Verhältnissen, viele sind auch Quereinsteiger von anderen Schulen und haben hier erst vor kurzem Lesen und Schreiben gelernt. Der Lehrer, ein junger motivierter Mann mit Schlips, hält uns ein Lehrbuch hin – wir sollen ein Kapitel auswählen. Es wird ein Dialog zwischen Patienten und Krankenschwester in einem Krankenhaus. Langsam und holprig lesen zwei Schüler im Wechsel den englischen Text vor. Danach kommt noch eine englische Grammatik-Übung. Die Schüler sind eifrig dabei uns melden sich, stehen beim Antworten auf. Wir wünschen ihnen viel Glück für die Prüfungen. Nach einem kurzen Rundgang, bei dem wir auch das sehr organisiert wirkende Lehrerzimmer von innen und eins der Lehrerhäuser von außen sehen, verabschieden wir uns.

Kinder in Njobvu Village und in der Nanthomba School
Wieder geht es langsam über unebene Feldwege in eins der Dörfer in der Umgebung. Dort gibt es seit 2001 das Projekt Njobvu – Leben im Dorf für Touristen. Wer mag, kann hier für ein paar Nächte das ganz normale Leben der Menschen miterleben und daran teilhaben. In schlichten Lehmhütten liegen auf dem Fußboden Matratzen mit Moskitonetz darüber, der einzige „Komfort“. Ein Plumpsklo mit Wassereimer daneben sowie eine originelle Dusche unter freiem Himmel stehen bereit. Die Besucher helfen bei der normalen Tagesarbeit mit, sei es Korn stampfen oder Essen zubereiten. Überall sind Kinder, die hier noch abgewetzter, schmutziger und schlechter ernährt aussehen. Man möchte jedem einzelnen helfen und kann es doch nur über eine allgemeine Geldspende an den Dorfvorsteher. Oder indem man für das Übernachtungsprojekt wirbt. Die Pauschale ist mit 40 US-Dollar pro Person und Nacht im Vergleich zum „Komfort“ recht hoch, dafür gehen 90% dieser Einnahmen direkt an die Menschen im Dorf.
Elise sitzt im Staub und malt mit einem Stöckchen Bilder in den Sand. Mittlerweile ist sie barfuß so wie die anderen auch. Ganz versunken merkt sie kaum, daß sie von der ganzen Kinderschar beobachtet und verfolgt wird. Marco macht indessen Fotos mit seiner Digitalkamera. Im großen Display sieht man die Bilder gut, und er zeigt sie auch gleich herum. Sofort bildet sich eine Traube Kinder um ihn herum, es erinnert mich an ein Rugby-Spiel, wenn sich alle auf den Ball stürzen. Immer wieder ertönt der gleiche begeisterte Ruf. Unser Führer übersetzt: „Das bin ich, das bin ich!“. Überhaupt kommen alle Kinder gern vor die Kamera, drängen sich geradezu auf. Mit viel Winken und guten Wünschen verabschieden wir uns und kehren über den Fluß zum Mvuu Camp zurück.

Spielplatz und Pool des Mvuu Camps
Ein Sprung in den Pool bietet willkommene Erfrischung, und bald gibt es Mittagessen. Anschließend wollen wir Siesta in unserem Wohnzelt halten. Elise liegt noch lange wach, vielleicht denkt sie über die afrikanischen Kinder nach? Aber die Geräuschkulisse hat es auch in sich. Afrikanische Stimmen überall, Hausmädchen und Gärtner, es hämmert und klopft, die Hippos im Fluß melden sich lautstark, und immer wieder so scharrende und zupfende Geräusche, ganz nah. Schließlich will ich wissen, was das ist, und schiebe den Vorhang vor dem Fliegengitter beiseite. Da frißt direkt an unserer Hauswand ein Warzenschwein Gras! Die Lodge ist nicht umzäunt, so daß tierischer Besuch ganz normal ist. Darauf weisen auch die Hippo-Warnschilder hin. Schließlich schlafen wir doch noch eine Runde, bevor es um 16 Uhr mit unserem Guide Angel aufs Boot geht zur Flußsafari. Als wir auf dem Weg zu Boot an der Rezeption vorbeikommen, werden wir sogleich herangewunken und bekommen ein Päckchen überreicht. „Please hand to Elise Penzel“ steht da drauf. Es ist ihr weißer Stoffhase, den sie in Lilongwe vergessen hatte. Große Freude.

Auf Bootssafari im Liwonde-Nationalpark. Malachit-Eisfischer und Hippos
Bis zum Sonnenuntergang gegen 17:20 fahren wir am Ufer auf uns ab, sehen Hippos und große Krokodile, farbenfrohe Eisvögel, Klaffschnabel-Störche, Nilgänse, Sporengänse, Hunderte von Kormoranen, die in den Palmen am Ufer nisten, Schreiseeadler und sogar Jacanas (Blaustirn-Blatthühnchen). Elise interessiert das alles herzlich wenig, und so halte ich sie mit allerlei erfundenen Geschichten bei Laune. Als die Sonne schon sehr tief steht, stellt Angel den Motor ab, serviert einen leider zu warmen Gin&Tonic, und wir lassen die ruhige Szenerie auf uns wirken. Bei der Rückkehr ist Elises Abendessen schon fast fertig. Immerhin ißt sie heute außer den Kartoffeln mit Ketchup auch zwei kleine panierte Fischfilets vom „Chambo“ aus dem Malawisee. Der Watchman ist zur Stelle, als Elise im Bett liegt. Wieder läuft alles wie geschmiert, und um neun ist auch bei uns das Licht aus.
01.05.2009
Ein entspannter Morgen. Wieder wecken uns diverse laut rufende Vögel und die schnaubenden Hippos. Nach dem Frühstück erwartet uns Angel zu einer weiteren Bootssafari, bei der wir diesmal Elefanten finden wollen. Wir fahren weit nach Norden und ans andere Ufer. Und wir haben Glück: Im Schilf etwa 100 Meter entfernt steht eine Herde von 16 Tieren. Wir können sie lange beobachten und ihnen beim Fressen zuschauen.

Elefantenherde und Kormorane am Ufer des Shire
Wieder zurück am Camp wollen Marco und ich uns die Mvuu Lodge ansehen. Elise zieht es vor, im Camp zu bleiben und zu spielen. Zum Glück hat George von der Rezeption Zeit und Lust, auf sie aufzupassen, was ihr auch recht ist. Wir gehen zu Fuß zur etwa 200 Meter entfernten Loge, die ebenfalls von Wilderness betrieben wird. Der Manager Chris zeigt uns ein Chalet im „alten Stil“, das Honeymoon Chalet und eins der erst vor einem Jahr gebauten neuen Chalets. Die Lage der acht Häuser ist genial. Direkt an einer ruhigen Lagune, die der Shire hier bildet, auf Stelzen direkt ans Wasser gebaut, so daß man vom Balkon aus die herrliche grüne Wasserlandschaft genießen kann. Die Chalets sind hier ebenfalls aus Holz und Zeltstoff und im Bereich der Badezimmer aus Stein. Sie haben ein rustikales Himmelbett und einen Schreibtisch mit den berühmten drei Flaschen (rote Hupe, blaues Peaceful Sleep und grünes Doom), auf dem Balkon eine Hängematte und zwei bequeme Korbstühle, dazu ein Deck für ein privates Dinner. Wer gemeinsam mit den anderen Gästen essen möchte, trifft sich in einem zentral gelegenen offenen Speiseraum in edlem Holz mit Bar und Lounge.

Die kleine, exklusive Mvuu Lodge mit ihren schönen Chalets
Also, in der Mvuu Lodge hätte es mir auch sehr gut gefallen, aber sie nehmen keine Kinder unter 12. Und das ist eigentlich auch gut so. Die Lodge ist für Leute, die es gern romantisch haben und ihre Ruhe möchten.
Wir kehren zurück zu Elise, die ganz versunken mit George auf dem Spielplatz spielt. Sie begrüßt uns mit den Worten „Wenn Ihr wieder weggeht, sollt Ihr aber länger wegbleiben!“
Im Camp ist mittlerweile viel mehr Trubel. Heute am 1. Mai, einem Freitag, kommen viele weitere Gäste aus Lilongwe und Blantyre, die hier ein langes Wochenende verbringen und mit Kindern und Omas und Opas anreisen. Am Abend ist das Camp ausgebucht.
Um 16 Uhr wollen wir unsere letzte Pirschfahrt starten, während Elise im Camp bleibt. Leider hat George von der Rezeption keine Zeit, aber er organisiert etwas. Kurz darauf kommt eine fröhliche, in Elefanten-Design gekleidete Frau und stellt sich als Elizabeth vor. Nach kurzen „Beschnuppern“ faßt Elise Vertrauen. Als wir im offenen Wagen – diesmal fast voll besetzt – das Camp verlassen, spielen die beiden bereits auf dem Spielplatz; Elise ist so beschäftigt, daß sie uns gar nicht hinterher schaut.
Die Pirschfahrt ist leider wieder nicht sehr ergiebig. Außer vielen Antilopen, Warzenschweinen und Vögeln gibt es kaum Tiere zu sehen. Nicht einmal die schönen Rappenantilopen zeigen sich heute. Schließlich doch noch ein Elefant in der Ferne. Gegen 17:15 geht die Sonne unter. Kurz darauf erreichen wir das Ufer des Shire und halten zum Sundowner. Nun beginnt für mich die schönste Zeit. Bei einem wieder mal zu warmen Gin&Tonic lausche ich den Grillen, den klickenden Fröschen, den Rufen der Hadeda-Ibisse und dem Schnauben der Hippos. Über uns scheint ein halber Mond, und das Kreuz des Südens und der Orion tauchen am Nachthimmel auf. Während sich die anderen über Reisen in Malawi und anderswo unterhalten, stelle ich mich ein paar Schritte abseits und träume davon, hier und jetzt ein Zelt aufzustellen und die Nacht allein am Flußufer zu verbringen. Tief im Herzen bin ich ein Camper geblieben. Aber das abenteuerliche Reisen muß erstmal noch warten – bis die Kinder größer sind.
Auf der Rückfahrt durch die Nacht mit Spotlicht sehen wir noch so manches Hippo, darunter auch eins mit Baby, und viele viele liegende Impalas und Wasserböcke. Sie können in Ruhe schlafen, da sie hier fast keine natürlichen Feinde haben.
An der Rezeption erwartet uns Elizabeth mit einer sehr müden Elise auf dem Arm. Am Ende hatte sie uns doch vermißt, war ihr die Zeit lang geworden. Aber Elizabeth erzählt begeistert, wie schön der Nachmittag war. Elise hat sogar eine ordentliche Portion zum Abendbrot gegessen.
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Ein Beispiel für eine Privatsafari in Malawi finden Sie hier. Gern erstellt Outback Africa ein individuelles Safari-Angebot mit Mvuu Camp oder Lodge und anderen Zielen Hier klicken und Reiseanfrage stellen.
Alle Teile des Reiseberichtes Malawi in der Übersicht:
- Reisebericht Malawi (1): Via Johannesburg nach Lilongwe zur Heuglins Lodge
- Reisebericht Malawi (2): Mumbo Island
- Reisebericht Malawi (3): Mvuu Lodge und Mvuu Camp, Liwonde NP
- Reisebericht Malawi (4): Kaya Mawa, Likoma Island
- Reisebericht Malawi-Mosambik (5): Nkwichi Lodge
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