Neuigkeiten und Berichte von Outback Africa Erlebnisreisen

Tages-Archive: 29. Dezember 2008

8. Tag: Dienstag, 18.11.2008
Wir verlassen das Landesinnere und kehren an die Küste zurück, genauer gesagt an die Sunshine Coast. Hier im Land der Xhosa sind Kindersterblichkeit und Arbeitslosigkeit besonders hoch. In den ehemaligen Homelands der Transkei und Ciskei ist Armut allgegenwärtig. Die Xhosa leben in den sogenannten Rondavels (Rundhütten), deren Wände meist aus Stein, Lehmziegeln und Lehm erbaut sind. Sie sind weiß getüncht und tragen kegelförmige Grasdächer. Die Türen sind stets nach Osten gerichtet. Die Rundhütten sind weit verstreut im Gelände und meist auf Anhöhen errichtet. Begrenzungen gibt es nicht, denn alles Land ist Gemeinbesitz.

Xhosa-Frauen in Südafrika © Fotos: Jens Döring

Trotz der offensichtlichen Armut scheinen die Menschen am Wegesrand nicht unglücklich zu sein, falls man dieses Wort in diesem Zusammenhang überhaupt benutzen kann.

Gegen Mittag erreichen wir East London und damit das Drifters Inn, wo die Managerin uns bereits mit einem leckeren Mittagessen erwartet. Größter Arbeitgeber in der Region ist Daimler Benz mit seiner Fertigung von Pkw und Lkw für den südafrikanischen Markt.

Um 14:00 Uhr beginnt für mich die wohl einprägsamste Erfahrung dieser Reise: die Township Tour durch einen Teil East Londons. Wir besuchen eine Vorschule und Medizinfrauen, probieren (etwas widerwillig) Fleisch in einer traditionellen „Shebeen“. Diese illegalen Kneipen waren während der Zeit der Apartheid wichtige Orte, an denen sich nicht nur Nachbarn, sondern auch politische Aktivisten trafen. Die Kneipe ist sehr einfach eingerichtet: Wellblech-Decken und Wände, eine Bar, ein paar Barhocker, Plakate an den Wänden und Werbe-Gimmicks von diversen Brauereien.

Europäischen Hygienebestimmungen wird diese Shebeen in keinster Weise gerecht. Zu trinken gibt es selbst gebrautes Bier aber auch Bier von größeren Brauereien sowie Schnäpse und Getränke von Pepsi oder Coca-Cola.

Wir probieren frische Annanas auf einem Markt, beobachten das geschäftige Treiben am Minibus-Terminal, von dem aus die Sammeltaxis hoffnungslos überladen auf Tour gehen. Dies ist wohl die bessere Alternative zum Kilometer weiten Fußmarsch.

Schule in einem Township bei East London © Foto: Jens Döring

Besonders bedrückend ist jedoch der Besuch einer Vorschule. Die Kinder sind zwar alle fröhlich und ausgelassen, sie tanzen und singen mit uns. Und dennoch: irgendwie fühle ich mich als Europäer mit meinem Fotoapparat „peinlich berührt“. Ist es tatsächlich noch möglich, dass Kinder in stinkenden Wellblechhütten Ihre Kindheit verbringen, unter hygienisch schlechten Bedingungen leben müssen und wohl nie so recht aus diesem Kreis ausbrechen können?

Schulklasse in einem Tonwship bei East London © Foto: Jens Döring

Sicherlich kann man jetzt sagen: „die kennen das ja nicht anders“. Ich kann aber an diesem Tag nicht mehr damit aufhören mir die Frage zu stellen, wie das in unserer heutigen Welt eigentlich noch möglich ist und wir das einfach so dulden können. Und noch viel schlimmer: wir machen Fotos davon und zeigen es unseren Lieben zu Hause. Gefühlsmäßig bin ich heute wie hin und her gerissen. Fasziniert auf der einen, beschämt auf der anderen Seite. Ich will dieses Elend eigentlich nicht zu nah an mich heran kommen lassen, aber verdrängen kann ich es auch nicht. Daher will mir auch das Abendessen in einem lokalen Restaurant mit herrlicher Strandlage heute Abend nicht so recht schmecken.

Noch ein paar Worte zum Drifters Inn in East London: Von außen mag man von dem Gebäude denken, was man will, aber innen versprüht dieses alte Haus einen ganz besonderen Charme. Ein großer Flur, dessen Türen den Weg frei machen zu großen komfortablen Zimmern mit jeweils eigenem Badezimmer. Vom Speiseraum aus hat man einen fast unverbauten Blick auf den Indischen Ozean. Der Swimmingpool mit kleinem Sonnendeck lädt zum Faulenzen ein. An der Bar herrscht Selbstbedienung und im Lounge-Bereich stehen gemütliche Couches bereit.

Drifters East London In © Fotos: Jens Döring

9. Tag: Mittwoch, 19.11.2008
Wir verlassen East London und kommen nun an die Wild Coast, einen der schönsten Küstenabschnitte Südafrikas. Felsige, steile Küstenabschnitte wechseln sich mit Sandstränden ab. Zahlreiche Flussmündungen sorgen für eine zerklüftete Küstenlinie. Wer unzerstörte Natur sucht, wir hier in Hülle und Fülle fündig.

Landschaft an der Wild Coast © Foto: Jens Döring

In Umtata besuchen wir das Nelson Mandela Museum und erfahren sehr viel Interessantes über den Befreiungskämpfer und ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas.

Einfhrt zum Drifters Wild Coast In © Foto: Jens Döring

Nachdem wir die N2 verlassen, führt uns eine 40 Kilometer lange, unbefestigte Schlamm-Piste durch Farmland und vorbei an zahlreichen Xhosa-Siedlungen hinunter an den Indischen Ozean. Brett muss mehrfach nach dem richtigen Weg fragen – schwierig, wenn kaum jemand Englisch versteht. Schließlich schaffen wir es dann doch am späten Nachmittag, das nächste Drifters Inn an der Wild Coast zu erreichen. Das Wild Coast Inn liegt völlig abgeschieden und fern jeglicher Zivilisation direkt am Indischen Ozean.

Bar des Drifters Wild Coast In © Foto: Jens Döring

Das Inn besteht im Wesentlichen aus 6 Rundhütten mit jeweils 2 Einheiten (je 2 Einzelbetten) und eigenem Bad mit Dusche und WC. Ferner wird in der kleinen „Boma“ (offenes Restaurant) gegessen und eine Bar steht zur Selbstbedienung zur Verfügung. Es ist erstaunlich, was die Köchinnen trotz der Abgeschiedenheit dieser Location uns alles auf den Tisch zaubern. Wir lassen es uns richtig schmecken und fallen heute wieder einmal völlig erschöpft ins Bett.

Zimmer und Chalets des Drifters Wild Coast In © Foto: Jens Döring

Alle Teile des Reiseberichts in der Übersicht:

 
Die beschriebene Reise kann man hier buchen.

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