Neuigkeiten und Berichte von Outback Africa Erlebnisreisen

Tages-Archive: 23. Dezember 2008

4. Tag: Freitag, 14.11.2008
Nachdem es die ganze Nacht seicht aber stetig durchgeregnet hat, präsentiert sich der heutige Morgen zwar Wolken verhangen aber trocken. Wir starten heute extrem zeitig: 6:00 Uhr Frühstück und 6:30 Uhr Abfahrt. Es erwartet uns heute ein voll gepackter Tag. Wir fahren westwärts entlang der N2 und biegen irgendwo zwischen Swellendam und Riversdale links ab in Richtung der Kleinen Karoo. Plötzlich ändert sich die Landschaft: die steilen Berge der Outeniqua Mountains in der Kleinen Karoo erscheinen am Horizont. Je weiter nordwärts wir fahren, umso trockener und freundlicher wird es. Nach etwa drei Stunden erreichen wir „Ronny’s Sex Shop“, ein ursprüngliches Pub in der Mitte von nirgendwo. Ein paar Spaßvögel ergänzten „Ronny’s Shop“ mit dem witzigen Kürzel und seitdem ist das Lokal Anziehungspunkt aller Durchreisenden. Wir legen einen kurzen Fotostopp ein und strecken unsere Glieder.

Drei Buchstaben machen aus Ronny's Shop eine kleine Attraktion. © Foto: Jens Döring

Weiter geht die Fahrt bis Oudtshoorn, wo wir gegen 10:30 Uhr an einer Straußenfarm ankommen. Die Strauße und die Straußenfeder-Mode haben Oudtshoorn weltberühmt und viele Züchter steinreich gemacht. Vom Wohlstand vergangener Tage zeugen auch heute noch die zahlreichen Villen der „Straußen-Barone“. Heute ist die Straußenzucht eine perfekt organisierte Industrie, die neben den Federn auch Fleisch, Eier, Knochen und die Haut (als edles Leder) produziert. Während einer 45 minütigen Führung erfahren wir sehr viel Wissenswertes und Interessantes rund um die Straußenzucht als Wirtschaftszweig. Im angeschlossenen Souvenir-Shop nutze ich die Gelegenheit, die ersten Ansichtskarten zu besorgen. Mal sehen, wann ich letztendlich zum Schreiben komme.

Sieht so ein Straußen-Baron aus?

Ein fader Beigeschmack bleibt allerdings von diesem Besuch: nicht alle Tiere waren im allerbesten Zustand und ich weiß auch nicht ob es notwendig ist, auf Straußen zu reiten und sich einen Spaß daraus zu machen. Aber das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Strauße sind die typischen südafrikanischen Nutztiere © Foto: Jens Döring

Wir verlieren nach dem Farmbesuch nicht zu viel Zeit und machen uns auf den Weg zu den 30km entfernten Cango Caves in den beeindruckenden Swartbergen im Norden der Kleinen Karoo nahe dem Swartberg Pass. Die Swartberge sind geprägt durch eine Folge von schroffen Gipfeln und Kämmen mit tief eingeschnittenen Schluchten. Das Höhlensystem der Cango Caves ist auf einer Länge von 800 Metern zugänglich und in zwei unterschiedlichen „Schwierigkeitsstufen“ begehbar. Effektvoll durch verschiedene Lichtspiele in Szene gesetzte Tropfsteingebilde beeindrucken wirklich jeden Besucher. Natürlich bucht Drifters für seine Kunden die schwierigere „Adventure-Tour“. Als wäre das nicht genug, hat man uns einen wahren Entertainer als Guide zur Seite gestellt. Durch seine teilweise übertriebene humoristische und homosexuelle Art, uns die Cango Caves näher zu bringen, schafft er es tatsächlich, aus einem eher unspektakulären Besuch ein wahres „Showprogramm“ zu zaubern.

Das Lachen vergeht insbesondere mir, als die 08/15 Tour endet und der Abenteuerteil beginnt. Durch die ersten engen Felsspalten quetsche ich mich ja auch gerne noch kniend und kriechend hindurch. Als sich aber die sogenannte „Esse“ vor mir noch oben in die Dunkelheit erstreckt, bekomme ich ein beklemmendes Gefühl. Ein Zurück gibt es nicht. Ein Nach-Oben scheint auf Grund des senkrechten Anstiegs, des rutschigen Kalksteins und meinem falschen Schuhwerk schier unmöglich. Aber es hilft nichts. Ich schiebe mich in die Esse von unten hinein, kann kaum aufrecht stehen, weil von links und rechts die Felsen drücken. Und dann soll ich auch noch mein rechtes Knie in den Absatz pressen, wo gerade noch meine Hand nach Halt gesucht hat. Der ohnehin schon kleine Raum wird psychologisch bedingt immer winziger, die Knie werden weich und ein Gefühl von Panik kommt auf. Der rechte Fuß sucht vergeblich nach Halt, das Adrenalin lässt meine Knie zittern und meine Muskeln verkrampfen. Jetzt hilft nur noch externe Hilfe. So peinlich dieser Moment auch für mich sein mag, aber ich bin schließlich heilfroh, dass einer von oben zieht und der Guide von unten schiebt. „Mein Gott, bin ich ein Chicken“, sage ich zu mir selbst. Aber es hilft ja nix. Ich bin wieder um eine Erfahrung reicher und weiß, was ich meinen Kunden in Zukunft empfehlen kann und was nicht.

Nun steht nur noch die „Letterbox“ an, ein Briefkastenschlitz, der den Namen auch wirklich verdient. Auf dem Rücken liegend und den Bauch einziehend presse ich mich durch eine 30-35cm hohe horizontale Felsspalte hindurch. Geschafft! Das war die letzte Hürde der Abenteurtour und ich bin einfach nur froh, als ich das Tageslicht wieder erblicke. Diese Führung hat mal wirklich ihren Namen verdient.

Nach dieser Anstrengung stärken wir uns vor der beeindruckenden Bergkulisse der Swartberge. Einsetzender Regen stört uns mittlerweile auch nicht mehr bei der Nahrungsaufnahme.

Über den Outeniqua Pass und durch den Ort George gelangen wir wieder auf die N2 und befinden uns damit auf der berühmten Gartenroute. Diese reiseroute verläuft nahe der Küste des Indischen Ozeans, zwischen Mossel Bay im Westen und der Mündung des Storms Rivers im Osten. Die Küstenebene mit vielen malerischen Buchten und Sandstränden ist auchgeprägt durch eine üppig grüne Vegetation mit dichten Waldgebieten.

In einem solchen Waldgebiet liegt nahe Knysna (ca. 40 Minuten Fahrt) das Drifters Inn. Nach etwa zehn Kilometern von Knysna in Richtung Plettenberg Bay zweigt links eine kleine Schotterstraße ab. Von hier geht es weitere acht Kilometer durch dichtes Waldgebiet, bis man nach ca. 25 Minuten das Knysna Inn erreicht. Die äußerst gemütliche Lodge liegt weit weg von Stress und Hektik des Alltags. Die Lodge besteht aus einem Hauptgebäude und fünf Chalets mit jeweils zwei Einheiten (2 Einzelbetten). Alle Gebäude sind komplett aus Holz gebaut. Die Zimmer verfügen alle über Badezimmer mit Dusche und befinden sich sowohl im Hauptgebäude als auch in den fünf Chalets, die in Hufeisenform angeordnet und über Holzstege verbunden sind. Das Hauptgebäude verfügt über eine kleine Bar, Lounge-Bereich mit DVD-Ecke und einem Swimmingpool. Hier lässt es sich wirklich aushalten und ist daher absolut empfehlenswert!

Die Chalets des Drifters Knysna In © Foto: Jens Döring

Am Abend kocht uns Margaret eine köstliche südafrikanische Mahlzeit: Bobuti mit Reis und Süßkartoffeln. Auch die leckeren Salate sind nicht zu verachten und von dem Schokoladenkuchen mit Vanillesoße als Dessert schwärme ich heute immer noch. Ich biete Margaret einen Job bei mir zu Hause in Deutschland an – sie lehnt aber leider dankend ab. Mit einem Augenzwinkern verrät sie mir aber, dass sie 2009 nach Europa kommt und vielleicht gibt sie mir zumindest ein Gastspiel in meiner Küche. Bei Rotwein und Bier lassen wir den ereignisreichen Tag ausklingen. Wir bitten Brett, den nächsten Morgen ruhig angehen zu lassen. Er lässt sich dankenswerter Weise darauf ein.

5. Tag: Samstag, 15.11.2008
Wir wachen heute Morgen zum ersten Mal mit Sonnenschein auf. Ich stehe mindesten 15 Minuten vor dem Fenster und starre auf diese traumhaft schöne Waldlandschaft im weichen Morgenlicht.

Die Lagune von Knysna © Foto: Jens Döring

Nach einem leckeren Frühstück machen wir uns um 8:30 Uhr auf den Weg nach Knysna. Dort erwartet uns bereits das Boot für eine Fahrt in der Lagune von Knysna und durch den Durchlass zwischen den „Heads“ hindurch hinaus auf das offene Meer. Von dort aus bietet sich einem ein schöner Blick auf die Lagune und die Stadt. Wale sehen wir heute wieder keine, Ihnen war wohl das Wetter rund ums Kap auch zu stürmisch in den letzten Tagen und sind schon weiter nordwärts gezogen. Das Einzige „Wildlife“, was sich uns bietet, ist eine Pelzrobbe, die sich im Wasser in der Sonne aalt. Ansonsten bleibt mehr Zeit, die Küstenlandschaft und lange Sandstrände zu bestaunen.

Wink einer Robbe © Foto: Jens Döring

Zurück in der Stadt bleibt uns ein wenig Freizeit, um die alte Holzfäller-Metropole auf eigene Faustzu erkunden. Ich nutze noch einmal die Gelegenheit, um eine eMail nach Hause abzusetzen. Schließlich weiß ich ja nicht, wie lange sich diese Gelegenheiten noch ergeben. Zu Mittag essen wir in einem Restaurant im Hafen von Knysna, dass ausschließlich Cape Malay Gerichte serviert. Gerade in der würzigen asiatischen Küche der Kap-Malayen spiegelt sich die facettenreiche Kultur Südafrikas.

Am Strand des Indischen Ozeans bei Knysna

Den Nachmittag verbringen wir ganz relaxt an einem Strand außerhalb von Knysna. Endlich ein paar Sonnenstrahlen, die wir alle mit Genuss in uns aufsaugen. Auf dem Rückweg legen wir noch einen Fotostopp ein. Wir klettern alle auf das Dach des Trucks und lassen uns von Brett mit Knysna und der Lagune im Hintergrund fotografieren.

Unsere kleine Gruppe auf dem großen Safari-Truck

Zu Abend essen wir in einem schicken Restaurant wieder im Hafen von Knysna. Wir kommen uns mit unseren durchgeschwitzten Shirts und kurzen Hosen etwas deplaziert vor, besonders als die „Schickeria“ gleich Busgruppenweise in das Restaurant einfällt. Sehen und gesehen werden ist wohl hier das Motto. Wir haben nach drei Flaschen Wein jedenfalls unseren Spaß und ich beginne auf der Rückfahrt zum Drifters Inn damit, die ersten Weihnachtslieder anzustimmen.

Der Pool des Knysna In zur Adventszeit 2008

Alle Teile des Reiseberichts in der Übersicht:

 

Die beschriebene Reise kann man hier buchen.

3. Tag: Donnerstag, 13.11.2008
Der heutige Tag beginnt so, wie der gestrige aufgehört hat: stürmisch. Immerhin sind die Wolken an diesem Morgen nicht mehr ganz so dunkel und grau wie am Vortag. Die Straßen sind auch etwas abgetrocknet. Und so macht sich Hoffnung auf schöneres Wetter in mir breit.

er Truck steht abfahrbereit vor dem Cape Town Inn © Foto: Jens Döring

Um 8:30 Uhr soll Start für die Safari sein. Wir (ganze sechs Reiseteilnehmer) versammeln uns nach dem Frühstück um 08:15 Uhr im Kaminzimmer. Ich staune nicht schlecht, als sich der junge 22jährige Brett, den ich ja bereits am ersten Tag bei meiner Ankunft kennen lernen durfte, als unser Guide für die nächsten zehn Tage herausstellt. Und nicht als weiterer Tourteilnehmer wie irrtümlich von mir angenommen.

Nach einer kurzen Einführung in die Tour, die im Wesentlichen aus einer kurzen Beschreibung des Reiseverlaufes und den grundlegenden “Regeln” für die Reise besteht, steigen wir in unseren Truck ein. Bei 17 Sitzplätzen können wir uns großzügig ausbreiten. Der Truck gehört zu den älteren Modellen und hat im Innenraum schon einige Roststellen. Dennoch macht er nach den ersten gefahrenen Kilometern einen robusten und sicheren Eindruck. Meine Befürchtungen, das meine Reisetasche nicht in die Schließfächer im Heck des Trucks passen würden, bewahrheiteten sich (fast) nicht. Mit etwas Drücken und Quetschen konnten die 22 Kilogramm sicher verstaut werden. Das war aber auch die absolute Obergrenze. Hartschalenkoffer wären hier vollkommen fehl am Platze gewesen.

Für die Fußball-WM 2010: Die Baustelle des neuen Greenpoint Stadions in Kapstadt. © Foto: Jens Döring

Wir verlassen Kapstadt in Richtung Osten. Auf unserem Weg auf der N2 erfährt Brett, dass die Küstenstraße entlang der False und Walker Bay wegen Hochwasser und Erdrutschen gesperrt ist. Unser erstes Ziel für heute – die “Walhauptstadt Hermanus” fällt schon einmal buchstäblich ins Wasser. Naja, wir werden ja sicherlich noch an anderer Stelle Wale sehen können. Wir überspringen notgedrungener Maßen diesen Punkt und fahren direkt zum Kap Agulhas, dem einzig wahren “südlichsten Punkt Afrikas”. Der Weg dorthin gestaltet sich aber ebenfalls schwierig, da viele Straßen geflutet und Brücken weggerissen sind. So langsam wird einem der Ernst der Lage bewusst. Das ist nicht mehr nur gewöhnlicher Regen oder ein Sommergewitter.

Nach mehrmaligem Umdrehen vor Straßensperren und dem Suchen nach Alternativstrecken erreichen wir schließlich um die Mittagszeit das Kap Agulhas. Auf diesem Längengrad liegt die Grenze zwischen Atlantischem und Indischem Ozean. Wir gönnen uns ein paar Minuten des Verschnaufens um Bilder zu schießen und die Regenpause zu genießen. Der Leuchtturm ist leider wegen Bauarbeiten gesperrt, aber an Sperrungen sind wir ja in der Zwischenzeit gewöhnt. Das Mittagessen nehmen wir in einem Fish&Chips-Geschäft ein, das sich gleich in der Nähe befindet. Fish&Chips hatte ich schon ewig nicht mehr und genieße diese Mahlzeit in vollen Zügen. Okay, gesundheitsbewusste Ernährung sieht anders aus, aber wir sind ja im “Urlaub”. Lecker ist es allemal!

Weiter geht die stürmische und von weiteren gesperrten Straßen geprägte Fahrt in Richtung De Hoop Naturreservat. Die Zufahrtsstraße zum Reservat lässt uns dann ziemlich schnell die Entscheidung treffen, gleich zur geplanten Unterkunft für die nächste Nacht zu fahren. Die Straße selbst ist nicht mehr auszumachen, nur ein Hinweisschild “De Hoop Nature Reserve” lässt die geflutet Straße erahnen, die wohl jetzt eher als neuer Flusslauf fungiert.

Die Straße zum De Hoop Naturreservat ist zum Wasserweg geworden. © Foto: Jens Döring

Wir versuchen nun, unsere Unterkunft “Felix Unite River Adventures – Around The Bend Lodge” zu erreichen. Als wir um die Kurve biegen, ist davon allerdings nur noch das Dach zu erkennen. Laut Eigentümer hat sich der Fluß Breede in den letzten vier Stunden seinen Weg erst durch die Küche, dann durch die Bar und schließlich bis in die Schlafräume gebahnt. Auf der einen Seite gut, dass er das während des Tages getan hat und nicht des nachts, während wir schlafen. Die Lage der Unterkunft ist allerdings top direkt am Fluß, sieht man von den Gefahren, die davon ausgehen, einmal ab.

Das alles nützt uns in diesem Moment jedoch nichts, muss sich Brett nun um eine Ersatzunterkunft bemühen. Sein Vorschlag, im mittlerweile undichten Safari-Truck zu übernachten, stößt bei uns auf wenig Gegenliebe.

So bahnen wir uns bei einbrechender Dunkelheit aus der De Hoop Region den Weg zurück in Richtung Hauptstraße N2. Wir versuchen es als erstes in Swellendam und haben in einem kleinen Backpacker tatsächlich Glück. Obwohl wir alle in einem Zimmer sowie ohne Strom und Heizung schlafen müssen, sind wir überglücklich, nun endlich ins Trockene zu kommen.

Zum Glück wird hier auf Gas gekocht, denn der Strom fällt immer wieder aus. © Foto: Jens Döring

Gekocht wird heute Abend mit Stirn- und Taschenlampen sowie im etwas wärmenden Licht der Petroleumlampen. Wenigstens wird mit Gas gekocht, sodass eine warme Mahlzeit möglich ist. Nach immer wieder lang anhaltenden Stromausfällen stabilisiert sich die Lage am sehr späten Abend ein wenig. Bis wir endlich gegen 22:30 Uhr todmüde ins Bett fallen ist der Strom noch mindestens dreimal weg.

Alle Teile des Reiseberichts in der Übersicht:

 
Die beschriebene Reise kann man hier buchen.

Jens bei Stürmischem Wetter am Kap der Guten Hoffnung

1. Tag: Dienstag, 11.11.2008
Nun beginnt also das “Abenteuer Afrika”. Zwar von langer Hand geplant, aber dann doch immer wieder vor sich her geschoben. “Es ist ja noch ein Stück hin!”, habe ich mir immer wieder gesagt. Und dann ging es doch ganz schön schnell. Mitten in der Nacht fahre ich mit meinem schicken BMW-Mini-Mietwagen zum Flughafen Nürnberg. Die Abgabe am Terminal funktioniert recht reibungslos, selbst nachts um 3:00 Uhr empfängt mich ein Sixt-Mitarbeiter und nimmt mir das Auto ab.

Dank der überschaubaren Größe des Nürnberger Flughafens finde ich mich schnell zurecht. Am Check-In Schalter der KLM präsentiert man sich sehr kunden- und serviceorientiert. Trotz einer vorherigen Sitzplatzreservierung bietet man mir eine nochmalige Sitzplatzänderung an, da ich ja in der mittleren Reihe in der Mitte sitze. Ich lasse mich überzeugen und ergattere nun einen der letzten Fensterplätze für den Langstreckenflug von Amsterdam nach Kapstadt.

Nach einem unspektakulären einstündigen Flug von Nürnberg nach Amsterdam komme ich gegen 7:30 Uhr an. Noch knappe zwei Stunden, bis die KLM-Maschine nach Kapstadt startet. Der Flughafen Schiphol in Amsterdam ist nun doch einige Nummern größer als der in Nürnberg. Man braucht schon einige Zeit länger, um von A nach B zu kommen. Aber dank der Instruktionen der netten KLM-Mitarbeiterin in Nürnberg weiß ich nun, ausgestattet mit einem Lageplan, wo ich hinzugehen habe. Ganze 20 Minuten dauert es, bis ich vom Ankunftsgate zum Abfluggate gelange. Aber die Umsteigezeit gibt es ja her, allerdings würde die Zeit nicht für das Neu-Einchecken des Gepäcks ausreichen. Das Durchchecken bewährt sich in diesem Fall mal wieder, trotz Unkenrufen und der Angst, das Gepäck käme nicht am Bestimmungsort an.

Der Langstreckenflug verläuft bis kurz vor Kapstadt sehr entspannt. Wobei ich sagen muss, dass ich auf Grund meiner quasi durchgemachten Nacht den Großteil des Fluges verschlafe.

Beim Landeanflug auf Kapstadt wird es dann aber doch noch richtig interessant. Das Flugzeug beginnt sich zu schütteln und man merkt, wie der Pilot ständig gegensteuern muss. Er begrüßt uns nach der Landung mit den Worten „Welcome to windy Cape Town“. Und tatsächlich scheint da draußen Einiges los zu sein. Aber erst einmal muss ich ja durch die Passkontrolle, die gefühlte 120 und tatsächlich 45 Minuten in Anspruch nimmt. Das Gepäck dreht in der Zwischenzeit Extra-Runden. Aber immerhin finde ich meine Tasche dann schnell und kann mich in der kleinen Ankunftshalle nach meinem Transfer in das Cape Town Drifters Inn umschauen. Unvorteilhaft ist, wenn der Fahrer ein Schild mit seiner rechten Hand in die Luft hält und ausgerechnet meinen Namen mit seiner Faust verdeckt. Da kann man dann lange suchen…

Nach der Landung in Kapstadt um 22:30 Uhr vergehen insgesamt 90 Minuten, bis ich endlich im Transferbus sitze. Auf dem Weg zu meiner Unterkunft für die nächsten beiden Nächte (Drifters Inn im Ortsteil Sea Point) zeigt sich der Sturm von seiner hässlichen Seite: umgeknickte Bäume, abgedeckte Dächer, umherfliegender Müll und sogar Einkaufskörbe finden sich auf der Straße. Nach 40 Minuten Fahrt durch dieses Chaos erreichen wir dann schließlich das Drifters Inn. Mir öffnet „Brett“ die Tür und ich bin froh, dass überhaupt noch jemand kurz vor 1:00 Uhr nachts wach ist. Er erklärt mir kurz das Wichtigste, denn ich mache wohl keinen besonders aufnahmefähigen Eindruck mehr. Er sagt nur noch kurz, dass wir zusammen auf der „Coastal Explorer“ (Südafrikas Küsten) sind. Ich freue mich, schon den ersten Teilnehmer getroffen zu haben und sehne mich nun nach einem Bett!

2. Tag: Mittwoch, 12.11.2008
Die Nacht verlief alles andere als ruhig und erholsam. Der Sturm wütet selbst am Morgen noch und das wegen Wartungsarbeiten geöffnete und nur mit Folie notdürftig geflickte Dach tat sein übriges dazu. Begleitet von Regen und Donnergrollen weckt mich der Sturm um ca. 7:00 Uhr auf. Macht aber nichts, denn ich muß ohnehin jetzt aufstehen, weil bereits um 8:30 Uhr meine Halbtagestour nach Cape Point und zum Kap der guten Hoffnung startet. Erst jetzt habe ich Zeit (und Lust) mir die Unterkunft genauer anzuschauen. Die Twin-Zimmer sind zwar zweckmäßig eingerichtet, versprühen aber dennoch ein gemütliches Flair. Hier fühlt man sich auch aufgrund der warmen Farben sofort wohl. Der Speiseraum ist mit Liebe zum Detail eingerichtet und lässt auch zum Teil den Blick auf den nur einen Steinwurf entfernten Atlantik frei. Eine Bushaltestelle ist übrigens auch gleich um die Ecke, falls man auf eigene Faust zur V&A Waterfront und ins Stadtzentrum möchte. Auch das Kaminzimmer mit seinen schweren aber äußerst komfortablen Couches lädt zum Faulenzen ein. Hier liest man gerne mal ein Buch aus der hauseigenen kleinen Bibliothek. Leider habe ich dafür aber keine Zeit. Denn nach dem kontinentalen Frühstück wartet auch schon der Minibus für die Tour nach Cape Point auf mich.

Die Tour ist Ihre 450 Rand (ca. 35,- EUR) auf jeden Fall wert. An der Westseite der Kaphalbinsel entlang geht es vorbei an Kirstenbosch mit seinen Botanischen Gärten und weiter über Groot Constantia und den umgebenen Weingütern bis zum Cape of Good Hope Nature Reserve. Das Naturreservat bildet die Südspitze der Kap-Halbinsel und ist Teil des Table Mountain National Park. Die Straße endet an einem Parkplatz. Hier ist Vorsicht geboten vor den oft dreisten und teilweise aggressiven „Baboons“ (Paviane), die sich hier in großer Zahl aufhalten. Füttern ist strengstens verboten.

Bis zum Südpol ist es von hier aus nicht mehr so weit, bis nach Berlin schon.

Mit der Standseilbahn fahren wir schließlich hinauf zum eigentlichen Cape Point (212 Meter ü.M.), der äußersten Spitze der Halbinsel. Wie wir aber an diesem Tag lernen, ist weder Cape Point noch das Kap der Guten Hoffnung der südlichste Punkt Afrikas! Vor dem altem Leuchtturm eröffnen sich wunderschöne Ausblicke auf den Atlantik, jedoch stürmt und regnet es immer noch derart heftig, dass es mich kaum auf den Füßen hält. Es fällt einem schwer zu glauben, dass es zwischen diesem Ort und dem Südpol nur noch Wasser und Eis gibt.

Wir steigen wieder in unseren Minibus ein und fahren die wenigen Meter hinunter zum Kap der guten Hoffnung. Hier bläst der Wind sogar noch stärker und mehr als ein ganz ganz kurzer „japanischer Fotostop“ ist leider nicht drin. Schade, hätte ich doch gern auch eines der berühmten Bilder von mir hinter dem Kap-Schild.

Anschließend setzen wir unsere Fahrt fort in Richtung Norden, diesmal an der Ostseite der Kap-Halbinsel entlang. Wir legen noch einen kurzen Zwischenstopp in „The Boulders Bay“ ein. Hier hat sich am Strand eine Kolonie von zahlreichen Brillen-Pinguinen angesiedelt, die in den bewachsenen Dünen und am Strand brüten und sich aus der Nähe betrachten lassen.

Läßt sich gern fotografieren: Ein Brillenpinguin in Boulders Bay.

Schließlich fahren wir zurück nach Kapstadt, wo wir gegen 14:00 Uhr ankommen. Mein Magen knurrt und ich entschließe mich, mir um die Ecke vom Dirfters Inn einen schnellen Snack zu besorgen. Der Wind peitscht immer noch und der Regen fällt mittlerweile „nur noch“ in Schauern. Schönes Wetter sieht anders aus…

Den Rest des Nachmittages verbringe ich damit, meine Sachen neu zu packen, da ich mich ja eigentlich auf warmes Frühlingswetter eingestellt hatte und sich die wärmenden Regensachen ganz unten in der 22kg schweren Reisetasche befinden. Am späten Nachmittag zieht es mich dann aber doch noch einmal nach draußen, da ich gerne noch eine eMail an die Lieben zu Hause absetzen will. Der Supermarkt gleich neben dem Internet Café versorgt mich mit ein paar Knabbereien und Wasser für den morgigen ersten Abschnitt der Reise „Südafrikas Küsten“. Der Einfachheit halber gehe ich noch einmal zum selben Schnellimbiss, um mir noch etwas für den Abend zu holen.

Alle Teile des Reiseberichts in der Übersicht:

 

Die beschriebene Reise kann man hier buchen.

Katogorien

Archiv