Reisebericht von Südafrikas Küsten (6): Von der Wild Coast an die Dolphin Coast

Bloged in Allgemein, Reiseberichte, Südafrika von Jens Dienstag Dezember 30, 2008

Wandern an der Wild Coast © Foto: Jens Döring

10. Tag: Donnerstag, 20.11.2008
So langsam machen sich heute Morgen die sehr langen Fahrtstrecken und kurzen Nächte bemerkbar. Mir fällt es immer schwerer, morgens aus dem Bett zu kommen. Zum Glück frühstücken wir heute ausnahmsweise erst um 9:00 Uhr. Eine dreiviertel Stunde später machen wir uns zu einer kleinen Wanderung auf. Den ungestümen und mit Felsen gesäumten Gewässern der Wild Coast sind schon mehrer Schiffe zum Opfer gefallen. Eines davon liegt in unmittelbarer Nähe des Wild Coast in: die BBC China. Das 122 Meter lange Schiff ist am 17. Oktober 2004 bei starken Winden auf Grund gelaufen. Die 16 Männer Besatzung konnten wohlbehalten evakuiert werden. Die Fracht (Schweröl, Benzin, Farbe, Gas, Batterien) konnte ebenfalls zum Großteil rechtzeitig vom Schiff gebracht werden, bevor dieses durch die immensen Kräfte der Wellen in Teile gerissen wurde.

Wrack der BBC China an der Wild Coast © Foto: Jens Döring

Heute liegt das Wrack auf den Felsen und rottet vor sich hin. Einmal pro Woche verirren sich ein paar Drifters-Kunden hierher, um das Wrack näher zu inspizieren.

Die achtköpfige Karawane zieht nun weiter an der Küste entlang. Wir nehmen die Spur eines Flusses auf, der hier in den Ozean mündet. Etwas weiter bergauf stoßen wir auf einen natürlich durch einen Wasserfall gefüllten Pool. Mittlerweile scheint auch die Sonne erbarmungslos in der Mittagshitze auf uns herab. Wir stürzen uns voller Vergnügen in das kühle Nass. Hier werden Abenteuerträume wahr! Ein unbändiger Freiheitsdrang steigt in mir hoch. Oder wie Goethe einst in Faust zu sagen pflegte: „Hier bin ich Mensch, ich darf ich sein!“. Diese willkommene Abwechslung erzeugt, gewollt oder ungewollt, neuen Entdeckerdrang und motiviert uns für die nächste lange Etappe am morgigen Tag.

Jens (rechts): Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.

Doch zunächst verbringen wir den Nachmittag mit Sonnenbaden am Strand oder mit dem Lesen eines guten Buches. Ein letztes Mal verwöhnen uns die guten Feen aus der Küche mit einem leckeren Abendmahl.

Einsamer Strand an der Wild Coast © Foto: Jens Döring

11. Tag: Freitag, 21.11.2008
Der letzte Tag auf Tour – die letzte lange Etappe, zumindest was die Tour „Südafrikas Küsten“ betrifft. Um 8:00 Uhr starten wir an der Wild Coast und wollen am Nachmittag schon in Durban sein. Das setzt pünktliches Frühstücken und rechtzeitiges Kofferpacken voraus. Nach 9 Tagen sind wir darin ja bestens geübt und versuchen unser Bestes, pünktlich los zu kommen. Nur schwer können wir uns von diesem Paradies verabschieden.

Es stehen uns ja zunächst ca. zwei Stunden Schlaglochpiste bevor, ehe wir die gut ausgebaute N2 wieder erreichen. Erstaunlicher Weise bekomme ich davon gar nicht viel mit, da ich bereits nach 15 Minuten wieder in den Schlaf geschüttelt bin und erst wieder auf der N2 wach werde.

Die Fahrt nach Durban wird nur durch kurze Toilettenstopps unterbrochen, schließlich wollen wir ja den Sonnenuntergang heute Nachmittag bereits an der Dolphin Coast erleben. Irgendwie schaffen wir es dann auch, gegen 16:00 Uhr in Umdloti (ca. 30 Minuten nördlich von Durban) anzukommen.

Blick vom Dolphin Coast In auf den Indischen Ozean © Foto: Jens Döring

Das Dolphin Coast Inn von Drifters liegt außerhalb des Ortes und buchstäblich am Ende einer wenig befahrenen Küstenstraße, an der sich ein Hotel ans andere reiht. Dennoch versprüht diese Unterkunft Ihren ganz eigenen Charme. Es ist vor allem die direkte Strandlage, die so fasziniert. Da sieht man dann schon mal über die ein oder andere Stelle hinweg, die einer Schönheitsreparatur bedürfte.

Dolphn Coast In © Foto: Jens Döring

Ich nutze die Gelegenheit, noch einmal Wäsche zu waschen, oder besser waschen zu lassen. Am letzten Abend verwöhnt uns Brett noch einmal so richtig mit einem Fisch-Barbecue. Ja, er will uns den Abschied wohl so richtig schwer machen.

Begleitet vom Meeresrauschen falle ich in einen Tiefschlaf und wache erst am nächsten Morgen wieder auf.

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Reisebericht von Südafrikas Küsten (5): Im Land der Xhosa

Bloged in Allgemein, Reiseberichte, Südafrika von Jens Montag Dezember 29, 2008

8. Tag: Dienstag, 18.11.2008
Wir verlassen das Landesinnere und kehren an die Küste zurück, genauer gesagt an die Sunshine Coast. Hier im Land der Xhosa sind Kindersterblichkeit und Arbeitslosigkeit besonders hoch. In den ehemaligen Homelands der Transkei und Ciskei ist Armut allgegenwärtig. Die Xhosa leben in den sogenannten Rondavels (Rundhütten), deren Wände meist aus Stein, Lehmziegeln und Lehm erbaut sind. Sie sind weiß getüncht und tragen kegelförmige Grasdächer. Die Türen sind stets nach Osten gerichtet. Die Rundhütten sind weit verstreut im Gelände und meist auf Anhöhen errichtet. Begrenzungen gibt es nicht, denn alles Land ist Gemeinbesitz.

Xhosa-Frauen in Südafrika © Fotos: Jens Döring

Trotz der offensichtlichen Armut scheinen die Menschen am Wegesrand nicht unglücklich zu sein, falls man dieses Wort in diesem Zusammenhang überhaupt benutzen kann.

Gegen Mittag erreichen wir East London und damit das Drifters Inn, wo die Managerin uns bereits mit einem leckeren Mittagessen erwartet. Größter Arbeitgeber in der Region ist Daimler Benz mit seiner Fertigung von Pkw und Lkw für den südafrikanischen Markt.

Um 14:00 Uhr beginnt für mich die wohl einprägsamste Erfahrung dieser Reise: die Township Tour durch einen Teil East Londons. Wir besuchen eine Vorschule und Medizinfrauen, probieren (etwas widerwillig) Fleisch in einer traditionellen „Shebeen“. Diese illegalen Kneipen waren während der Zeit der Apartheid wichtige Orte, an denen sich nicht nur Nachbarn, sondern auch politische Aktivisten trafen. Die Kneipe ist sehr einfach eingerichtet: Wellblech-Decken und Wände, eine Bar, ein paar Barhocker, Plakate an den Wänden und Werbe-Gimmicks von diversen Brauereien.

Europäischen Hygienebestimmungen wird diese Shebeen in keinster Weise gerecht. Zu trinken gibt es selbst gebrautes Bier aber auch Bier von größeren Brauereien sowie Schnäpse und Getränke von Pepsi oder Coca-Cola.

Wir probieren frische Annanas auf einem Markt, beobachten das geschäftige Treiben am Minibus-Terminal, von dem aus die Sammeltaxis hoffnungslos überladen auf Tour gehen. Dies ist wohl die bessere Alternative zum Kilometer weiten Fußmarsch.

Schule in einem Township bei East London © Foto: Jens Döring

Besonders bedrückend ist jedoch der Besuch einer Vorschule. Die Kinder sind zwar alle fröhlich und ausgelassen, sie tanzen und singen mit uns. Und dennoch: irgendwie fühle ich mich als Europäer mit meinem Fotoapparat „peinlich berührt“. Ist es tatsächlich noch möglich, dass Kinder in stinkenden Wellblechhütten Ihre Kindheit verbringen, unter hygienisch schlechten Bedingungen leben müssen und wohl nie so recht aus diesem Kreis ausbrechen können?

Schulklasse in einem Tonwship bei East London © Foto: Jens Döring

Sicherlich kann man jetzt sagen: „die kennen das ja nicht anders“. Ich kann aber an diesem Tag nicht mehr damit aufhören mir die Frage zu stellen, wie das in unserer heutigen Welt eigentlich noch möglich ist und wir das einfach so dulden können. Und noch viel schlimmer: wir machen Fotos davon und zeigen es unseren Lieben zu Hause. Gefühlsmäßig bin ich heute wie hin und her gerissen. Fasziniert auf der einen, beschämt auf der anderen Seite. Ich will dieses Elend eigentlich nicht zu nah an mich heran kommen lassen, aber verdrängen kann ich es auch nicht. Daher will mir auch das Abendessen in einem lokalen Restaurant mit herrlicher Strandlage heute Abend nicht so recht schmecken.

Noch ein paar Worte zum Drifters Inn in East London: Von außen mag man von dem Gebäude denken, was man will, aber innen versprüht dieses alte Haus einen ganz besonderen Charme. Ein großer Flur, dessen Türen den Weg frei machen zu großen komfortablen Zimmern mit jeweils eigenem Badezimmer. Vom Speiseraum aus hat man einen fast unverbauten Blick auf den Indischen Ozean. Der Swimmingpool mit kleinem Sonnendeck lädt zum Faulenzen ein. An der Bar herrscht Selbstbedienung und im Lounge-Bereich stehen gemütliche Couches bereit.

Drifters East London In © Fotos: Jens Döring

9. Tag: Mittwoch, 19.11.2008
Wir verlassen East London und kommen nun an die Wild Coast, einen der schönsten Küstenabschnitte Südafrikas. Felsige, steile Küstenabschnitte wechseln sich mit Sandstränden ab. Zahlreiche Flussmündungen sorgen für eine zerklüftete Küstenlinie. Wer unzerstörte Natur sucht, wir hier in Hülle und Fülle fündig.

Landschaft an der Wild Coast © Foto: Jens Döring

In Umtata besuchen wir das Nelson Mandela Museum und erfahren sehr viel Interessantes über den Befreiungskämpfer und ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas.

Einfhrt zum Drifters Wild Coast In © Foto: Jens Döring

Nachdem wir die N2 verlassen, führt uns eine 40 Kilometer lange, unbefestigte Schlamm-Piste durch Farmland und vorbei an zahlreichen Xhosa-Siedlungen hinunter an den Indischen Ozean. Brett muss mehrfach nach dem richtigen Weg fragen – schwierig, wenn kaum jemand Englisch versteht. Schließlich schaffen wir es dann doch am späten Nachmittag, das nächste Drifters Inn an der Wild Coast zu erreichen. Das Wild Coast Inn liegt völlig abgeschieden und fern jeglicher Zivilisation direkt am Indischen Ozean.

Bar des Drifters Wild Coast In © Foto: Jens Döring

Das Inn besteht im Wesentlichen aus 6 Rundhütten mit jeweils 2 Einheiten (je 2 Einzelbetten) und eigenem Bad mit Dusche und WC. Ferner wird in der kleinen „Boma“ (offenes Restaurant) gegessen und eine Bar steht zur Selbstbedienung zur Verfügung. Es ist erstaunlich, was die Köchinnen trotz der Abgeschiedenheit dieser Location uns alles auf den Tisch zaubern. Wir lassen es uns richtig schmecken und fallen heute wieder einmal völlig erschöpft ins Bett.

Zimmer und Chalets des Drifters Wild Coast In © Foto: Jens Döring

Fortsetzung hier.

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Reisebericht von Südafrikas Küsten (4): Tsitsikamma und Addo Elephant NP

Bloged in Allgemein, Reiseberichte, Südafrika von Jens Freitag Dezember 26, 2008

6. Tag: Sonntag, 16.11.2008
Heute beginnt der Tag schon eine halbe Stunde eher. Nach einem weiteren köstlichen Frühstück brechen wir um 8:00 Uhr auf. Unser erstes Ziel heute heißt Tsitsikamma Nationalpark, genauer gesagt der “Otter Trail”. Auf dem Weg dorthin überqueren wir auf der Paul Sauer Brücke die 130 Meter tiefe Schlucht des Storms River. Im Tsitsikamma Nationalpark angekommen, bereiten wir uns auf die dreistündige Wanderung auf einem Teil des Otter Trails vor.

Ziel ist ein Wasserfall, bei dem wir ein paar Minuten verweilen wollen. Brett scheint aber irgendwie auf einer Ralley zu sein. Ich versuche, mit ihm Schritt zu halten, schaffe das aber nur für die erste halbe Stunde. Dann verliere ich ihn aber aus den Augen. Der Schwierigkeitsgrad steigert sich, da die Holzbrücken über den an der Küste entlang und über Felsen hinwegführende Wanderweg durch die starken Regenfälle weggeschwemmt wurden. Immerhin bin ich aber nicht der Letzte, der den Wasserfall erreicht. Zwischendurch leiste ich einer Reiseteilnehmerin Hilfe, die mit ihrem linken Bein zwischen zwei Felsen gerutscht ist. Sieht von weitem schlimmer aus, als es ist. Aber eine Schrecksekunde beschert es uns allen. Aus den Minuten am Wasserfall wurden maximal 90 Sekunden – gerade genug für ein schnelles Foto.

Jens erlebt die Wanderung auf dem Otter-Trail als Wettrennen.

Brett macht wieder Druck. Er möchte am Parkplatz noch ein Picknick machen, bevor es zur nächsten Aktivität geht. Tags zuvor hatten wir uns für eine Zipline Tour entschieden, bei der man an Seilen gesichert von Baum zu Baum auf Rollen rutscht.

Auf dem Rückweg vom Otter Trail merke ich, wie sich eine Blase an meiner rechten großen Fußzehe bildet. Von nun an bin ich mir bewusst, dass jeder Schritt zu viel ist und die Blase nur noch vergrößert. Durch das hohe Tempo und wegen meiner nur durchschnittlichen Fitness fangen nun so langsam die Beine an, wackelig zu werden. Die Konzentration und schließlich die Kräfte lassen nach. Von Brett ist wieder keiner Spur zu sehen. Zu guter letzt irren wir drei Letzten uns auch noch im Weg und quälen uns umsonst zahlreiche Stufen hoch. Als wir merken, dass dieser Weg nicht ans gewünschte Ziel führt, kehren wir schließlich um und erreichen schließlich auf dem richtigen Weg wieder den Truck, allerdings mit einer halben Stunde Verspätung.

Als Erkenntnis nehme ich mit, dass der Otter Trail nichts für „Couch Potatoes“ ist und er sollte in einem langsameren Tempo bewältigt werden. Ordentliches Schuhwerk und eine ordentliche Fitness sind Voraussetzung. Zudem würde eine Aktivität an diesem Tag meiner Meinung nach vollkommen ausreichen. Aber dies kommt wohl auch auf den Guide und auf die Zusammensetzung der Reisegruppe an.

Um 13:30 Uhr verschlingen wir dann unser Picknick, damit wir noch rechtzeitig an der „Zipline“ sind. Wegen meiner Blase, die Brett übrigens hervorragend mit Desinfektionsflüssigkeit und Pflaster versorgte, verzichte ich auf die Teilnahme der kostenpflichtigen Aktivität. Ich nutze die 90 Minuten, um die Postkarten zu schreiben, die ich zuvor in Oudtshoorn gekauft hatte.

Unser Etappenziel ist die Farm „Avoca“, was übersetzt „das Treffen von Wasser“ bedeutet. Auf der Farm werden Zitrusfrüchte angebaut und Rosen gezüchtet. Wir sind hier in (sehr) einfachen aus Schlamm gefertigten und mit Reet gedeckten Hütten für die nächsten beiden Nächte untergebracht. Zwei Hütten teilen sich je eine „Badhütte“ mit Dusche und WC. Insgesamt gibt es 6 Hütten mit je 2 Betten. Das Areal verfügt zudem über einen Aufenthaltsbereich mit Küche, Essbereich und einen Lagerfeuerplatz, an welchem wir wieder bei einem „Savanna“ den Tag ausklingen lassen.

Einfsche Hütten sind unsere Unterkunft auf der Farm Avoca © Foto: Jens Döring

7. Tag: Montag, 17.11.2008
Den ganzen Tag verbringen wir im Addo Elephant Park. Wir erreichen den Park nach 25 Minuten. Die Vegetation ist geprägt durch das sogenannte „Valley Bushveld“ ein undurchdringliches immergrünes Dornengestrüpp. Hier macht sich die hohe Sitzposition im Safari-Truck bezahlbar. Wir sehen viel mehr, als die Leute in den Pkw, die teils planlos auf den vorgegebenen Straßen auf der Suche nach Wild umherirren.

Elefanten im Addo Elephant NP © Foto: Jens Döring

Dieser Park wurde zum Schutz der Elefanten errichtet, die in der Umgebung auf der Suche nach Nahrung die intensiv bewirtschafteten Agrarflächen zerstörten und von den Farmen abgeschossen wurden. Daraufhin wurde hier 1931 der Nationalpark gegründet. Seitdem erhöhte sich die Zahl der Elefanten von anfangs elf auf nun über 350. Neben ihnen sehen wir auch Kudus, Schildkröten und Mistkäfer, die hier stets Vorfahrt haben.

Elefanten im Addo Elephant NP © Foto: Jens Döring

Am späten Nachmittag kehren wir nach „Avoca“ zurück und machen es uns erneut vor dem Lagerfeuer in den bequemen Stühlen gemütlich. Das Abendessen bereiten heute Abend die Frauen zu, gestern waren ja die Männer dran.

Fortsetzung hier.

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Reisebericht von Südafrikas Küsten (3): Sonne in Knysna

Bloged in Allgemein, Reiseberichte, Südafrika von Jens Dienstag Dezember 23, 2008

4. Tag: Freitag, 14.11.2008
Nachdem es die ganze Nacht seicht aber stetig durchgeregnet hat, präsentiert sich der heutige Morgen zwar Wolken verhangen aber trocken. Wir starten heute extrem zeitig: 6:00 Uhr Frühstück und 6:30 Uhr Abfahrt. Es erwartet uns heute ein voll gepackter Tag. Wir fahren westwärts entlang der N2 und biegen irgendwo zwischen Swellendam und Riversdale links ab in Richtung der Kleinen Karoo. Plötzlich ändert sich die Landschaft: die steilen Berge der Outeniqua Mountains in der Kleinen Karoo erscheinen am Horizont. Je weiter nordwärts wir fahren, umso trockener und freundlicher wird es. Nach etwa drei Stunden erreichen wir „Ronny’s Sex Shop“, ein ursprüngliches Pub in der Mitte von nirgendwo. Ein paar Spaßvögel ergänzten „Ronny’s Shop“ mit dem witzigen Kürzel und seitdem ist das Lokal Anziehungspunkt aller Durchreisenden. Wir legen einen kurzen Fotostopp ein und strecken unsere Glieder.

Drei Buchstaben machen aus Ronny's Shop eine kleine Attraktion. © Foto: Jens Döring

Weiter geht die Fahrt bis Oudtshoorn, wo wir gegen 10:30 Uhr an einer Straußenfarm ankommen. Die Strauße und die Straußenfeder-Mode haben Oudtshoorn weltberühmt und viele Züchter steinreich gemacht. Vom Wohlstand vergangener Tage zeugen auch heute noch die zahlreichen Villen der „Straußen-Barone“. Heute ist die Straußenzucht eine perfekt organisierte Industrie, die neben den Federn auch Fleisch, Eier, Knochen und die Haut (als edles Leder) produziert. Während einer 45 minütigen Führung erfahren wir sehr viel Wissenswertes und Interessantes rund um die Straußenzucht als Wirtschaftszweig. Im angeschlossenen Souvenir-Shop nutze ich die Gelegenheit, die ersten Ansichtskarten zu besorgen. Mal sehen, wann ich letztendlich zum Schreiben komme.

Sieht so ein Straußen-Baron aus?

Ein fader Beigeschmack bleibt allerdings von diesem Besuch: nicht alle Tiere waren im allerbesten Zustand und ich weiß auch nicht ob es notwendig ist, auf Straußen zu reiten und sich einen Spaß daraus zu machen. Aber das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Strauße sind die typischen südafrikanischen Nutztiere © Foto: Jens Döring

Wir verlieren nach dem Farmbesuch nicht zu viel Zeit und machen uns auf den Weg zu den 30km entfernten Cango Caves in den beeindruckenden Swartbergen im Norden der Kleinen Karoo nahe dem Swartberg Pass. Die Swartberge sind geprägt durch eine Folge von schroffen Gipfeln und Kämmen mit tief eingeschnittenen Schluchten. Das Höhlensystem der Cango Caves ist auf einer Länge von 800 Metern zugänglich und in zwei unterschiedlichen „Schwierigkeitsstufen“ begehbar. Effektvoll durch verschiedene Lichtspiele in Szene gesetzte Tropfsteingebilde beeindrucken wirklich jeden Besucher. Natürlich bucht Drifters für seine Kunden die schwierigere „Adventure-Tour“. Als wäre das nicht genug, hat man uns einen wahren Entertainer als Guide zur Seite gestellt. Durch seine teilweise übertriebene humoristische und homosexuelle Art, uns die Cango Caves näher zu bringen, schafft er es tatsächlich, aus einem eher unspektakulären Besuch ein wahres „Showprogramm“ zu zaubern.

Das Lachen vergeht insbesondere mir, als die 08/15 Tour endet und der Abenteuerteil beginnt. Durch die ersten engen Felsspalten quetsche ich mich ja auch gerne noch kniend und kriechend hindurch. Als sich aber die sogenannte „Esse“ vor mir noch oben in die Dunkelheit erstreckt, bekomme ich ein beklemmendes Gefühl. Ein Zurück gibt es nicht. Ein Nach-Oben scheint auf Grund des senkrechten Anstiegs, des rutschigen Kalksteins und meinem falschen Schuhwerk schier unmöglich. Aber es hilft nichts. Ich schiebe mich in die Esse von unten hinein, kann kaum aufrecht stehen, weil von links und rechts die Felsen drücken. Und dann soll ich auch noch mein rechtes Knie in den Absatz pressen, wo gerade noch meine Hand nach Halt gesucht hat. Der ohnehin schon kleine Raum wird psychologisch bedingt immer winziger, die Knie werden weich und ein Gefühl von Panik kommt auf. Der rechte Fuß sucht vergeblich nach Halt, das Adrenalin lässt meine Knie zittern und meine Muskeln verkrampfen. Jetzt hilft nur noch externe Hilfe. So peinlich dieser Moment auch für mich sein mag, aber ich bin schließlich heilfroh, dass einer von oben zieht und der Guide von unten schiebt. „Mein Gott, bin ich ein Chicken“, sage ich zu mir selbst. Aber es hilft ja nix. Ich bin wieder um eine Erfahrung reicher und weiß, was ich meinen Kunden in Zukunft empfehlen kann und was nicht.

Nun steht nur noch die „Letterbox“ an, ein Briefkastenschlitz, der den Namen auch wirklich verdient. Auf dem Rücken liegend und den Bauch einziehend presse ich mich durch eine 30-35cm hohe horizontale Felsspalte hindurch. Geschafft! Das war die letzte Hürde der Abenteurtour und ich bin einfach nur froh, als ich das Tageslicht wieder erblicke. Diese Führung hat mal wirklich ihren Namen verdient.

Nach dieser Anstrengung stärken wir uns vor der beeindruckenden Bergkulisse der Swartberge. Einsetzender Regen stört uns mittlerweile auch nicht mehr bei der Nahrungsaufnahme.

Über den Outeniqua Pass und durch den Ort George gelangen wir wieder auf die N2 und befinden uns damit auf der berühmten Gartenroute. Diese reiseroute verläuft nahe der Küste des Indischen Ozeans, zwischen Mossel Bay im Westen und der Mündung des Storms Rivers im Osten. Die Küstenebene mit vielen malerischen Buchten und Sandstränden ist auchgeprägt durch eine üppig grüne Vegetation mit dichten Waldgebieten.

In einem solchen Waldgebiet liegt nahe Knysna (ca. 40 Minuten Fahrt) das Drifters Inn. Nach etwa zehn Kilometern von Knysna in Richtung Plettenberg Bay zweigt links eine kleine Schotterstraße ab. Von hier geht es weitere acht Kilometer durch dichtes Waldgebiet, bis man nach ca. 25 Minuten das Knysna Inn erreicht. Die äußerst gemütliche Lodge liegt weit weg von Stress und Hektik des Alltags. Die Lodge besteht aus einem Hauptgebäude und fünf Chalets mit jeweils zwei Einheiten (2 Einzelbetten). Alle Gebäude sind komplett aus Holz gebaut. Die Zimmer verfügen alle über Badezimmer mit Dusche und befinden sich sowohl im Hauptgebäude als auch in den fünf Chalets, die in Hufeisenform angeordnet und über Holzstege verbunden sind. Das Hauptgebäude verfügt über eine kleine Bar, Lounge-Bereich mit DVD-Ecke und einem Swimmingpool. Hier lässt es sich wirklich aushalten und ist daher absolut empfehlenswert!

Die Chalets des Drifters Knysna In © Foto: Jens Döring

Am Abend kocht uns Margaret eine köstliche südafrikanische Mahlzeit: Bobuti mit Reis und Süßkartoffeln. Auch die leckeren Salate sind nicht zu verachten und von dem Schokoladenkuchen mit Vanillesoße als Dessert schwärme ich heute immer noch. Ich biete Margaret einen Job bei mir zu Hause in Deutschland an – sie lehnt aber leider dankend ab. Mit einem Augenzwinkern verrät sie mir aber, dass sie 2009 nach Europa kommt und vielleicht gibt sie mir zumindest ein Gastspiel in meiner Küche. Bei Rotwein und Bier lassen wir den ereignisreichen Tag ausklingen. Wir bitten Brett, den nächsten Morgen ruhig angehen zu lassen. Er lässt sich dankenswerter Weise darauf ein.

5. Tag: Samstag, 15.11.2008
Wir wachen heute Morgen zum ersten Mal mit Sonnenschein auf. Ich stehe mindesten 15 Minuten vor dem Fenster und starre auf diese traumhaft schöne Waldlandschaft im weichen Morgenlicht.

Die Lagune von Knysna © Foto: Jens Döring

Nach einem leckeren Frühstück machen wir uns um 8:30 Uhr auf den Weg nach Knysna. Dort erwartet uns bereits das Boot für eine Fahrt in der Lagune von Knysna und durch den Durchlass zwischen den „Heads“ hindurch hinaus auf das offene Meer. Von dort aus bietet sich einem ein schöner Blick auf die Lagune und die Stadt. Wale sehen wir heute wieder keine, Ihnen war wohl das Wetter rund ums Kap auch zu stürmisch in den letzten Tagen und sind schon weiter nordwärts gezogen. Das Einzige „Wildlife“, was sich uns bietet, ist eine Pelzrobbe, die sich im Wasser in der Sonne aalt. Ansonsten bleibt mehr Zeit, die Küstenlandschaft und lange Sandstrände zu bestaunen.

Wink einer Robbe © Foto: Jens Döring

Zurück in der Stadt bleibt uns ein wenig Freizeit, um die alte Holzfäller-Metropole auf eigene Faustzu erkunden. Ich nutze noch einmal die Gelegenheit, um eine eMail nach Hause abzusetzen. Schließlich weiß ich ja nicht, wie lange sich diese Gelegenheiten noch ergeben. Zu Mittag essen wir in einem Restaurant im Hafen von Knysna, dass ausschließlich Cape Malay Gerichte serviert. Gerade in der würzigen asiatischen Küche der Kap-Malayen spiegelt sich die facettenreiche Kultur Südafrikas.

Am Strand des Indischen Ozeans bei Knysna

Den Nachmittag verbringen wir ganz relaxt an einem Strand außerhalb von Knysna. Endlich ein paar Sonnenstrahlen, die wir alle mit Genuss in uns aufsaugen. Auf dem Rückweg legen wir noch einen Fotostopp ein. Wir klettern alle auf das Dach des Trucks und lassen uns von Brett mit Knysna und der Lagune im Hintergrund fotografieren.

Unsere kleine Gruppe auf dem großen Safari-Truck

Zu Abend essen wir in einem schicken Restaurant wieder im Hafen von Knysna. Wir kommen uns mit unseren durchgeschwitzten Shirts und kurzen Hosen etwas deplaziert vor, besonders als die „Schickeria“ gleich Busgruppenweise in das Restaurant einfällt. Sehen und gesehen werden ist wohl hier das Motto. Wir haben nach drei Flaschen Wein jedenfalls unseren Spaß und ich beginne auf der Rückfahrt zum Drifters Inn damit, die ersten Weihnachtslieder anzustimmen.

Der Pool des Knysna In zur Adventszeit 2008

Fortsetzung hier.

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Reisebericht Südafrikas Küsten (2): Land unter in De Hoop

Bloged in Allgemein, Reiseberichte, Südafrika von Jens Dienstag Dezember 23, 2008

3. Tag: Donnerstag, 13.11.2008
Der heutige Tag beginnt so, wie der gestrige aufgehört hat: stürmisch. Immerhin sind die Wolken an diesem Morgen nicht mehr ganz so dunkel und grau wie am Vortag. Die Straßen sind auch etwas abgetrocknet. Und so macht sich Hoffnung auf schöneres Wetter in mir breit.

er Truck steht abfahrbereit vor dem Cape Town Inn © Foto: Jens Döring

Um 8:30 Uhr soll Start für die Safari sein. Wir (ganze sechs Reiseteilnehmer) versammeln uns nach dem Frühstück um 08:15 Uhr im Kaminzimmer. Ich staune nicht schlecht, als sich der junge 22jährige Brett, den ich ja bereits am ersten Tag bei meiner Ankunft kennen lernen durfte, als unser Guide für die nächsten zehn Tage herausstellt. Und nicht als weiterer Tourteilnehmer wie irrtümlich von mir angenommen.

Nach einer kurzen Einführung in die Tour, die im Wesentlichen aus einer kurzen Beschreibung des Reiseverlaufes und den grundlegenden “Regeln” für die Reise besteht, steigen wir in unseren Truck ein. Bei 17 Sitzplätzen können wir uns großzügig ausbreiten. Der Truck gehört zu den älteren Modellen und hat im Innenraum schon einige Roststellen. Dennoch macht er nach den ersten gefahrenen Kilometern einen robusten und sicheren Eindruck. Meine Befürchtungen, das meine Reisetasche nicht in die Schließfächer im Heck des Trucks passen würden, bewahrheiteten sich (fast) nicht. Mit etwas Drücken und Quetschen konnten die 22 Kilogramm sicher verstaut werden. Das war aber auch die absolute Obergrenze. Hartschalenkoffer wären hier vollkommen fehl am Platze gewesen.

Für die Fußball-WM 2010: Die Baustelle des neuen Greenpoint Stadions in Kapstadt. © Foto: Jens Döring

Wir verlassen Kapstadt in Richtung Osten. Auf unserem Weg auf der N2 erfährt Brett, dass die Küstenstraße entlang der False und Walker Bay wegen Hochwasser und Erdrutschen gesperrt ist. Unser erstes Ziel für heute – die “Walhauptstadt Hermanus” fällt schon einmal buchstäblich ins Wasser. Naja, wir werden ja sicherlich noch an anderer Stelle Wale sehen können. Wir überspringen notgedrungener Maßen diesen Punkt und fahren direkt zum Kap Agulhas, dem einzig wahren “südlichsten Punkt Afrikas”. Der Weg dorthin gestaltet sich aber ebenfalls schwierig, da viele Straßen geflutet und Brücken weggerissen sind. So langsam wird einem der Ernst der Lage bewusst. Das ist nicht mehr nur gewöhnlicher Regen oder ein Sommergewitter.

Nach mehrmaligem Umdrehen vor Straßensperren und dem Suchen nach Alternativstrecken erreichen wir schließlich um die Mittagszeit das Kap Agulhas. Auf diesem Längengrad liegt die Grenze zwischen Atlantischem und Indischem Ozean. Wir gönnen uns ein paar Minuten des Verschnaufens um Bilder zu schießen und die Regenpause zu genießen. Der Leuchtturm ist leider wegen Bauarbeiten gesperrt, aber an Sperrungen sind wir ja in der Zwischenzeit gewöhnt. Das Mittagessen nehmen wir in einem Fish&Chips-Geschäft ein, das sich gleich in der Nähe befindet. Fish&Chips hatte ich schon ewig nicht mehr und genieße diese Mahlzeit in vollen Zügen. Okay, gesundheitsbewusste Ernährung sieht anders aus, aber wir sind ja im “Urlaub”. Lecker ist es allemal!

Weiter geht die stürmische und von weiteren gesperrten Straßen geprägte Fahrt in Richtung De Hoop Naturreservat. Die Zufahrtsstraße zum Reservat lässt uns dann ziemlich schnell die Entscheidung treffen, gleich zur geplanten Unterkunft für die nächste Nacht zu fahren. Die Straße selbst ist nicht mehr auszumachen, nur ein Hinweisschild “De Hoop Nature Reserve” lässt die geflutet Straße erahnen, die wohl jetzt eher als neuer Flusslauf fungiert.

Die Straße zum De Hoop Naturreservat ist zum Wasserweg geworden. © Foto: Jens Döring

Wir versuchen nun, unsere Unterkunft “Felix Unite River Adventures – Around The Bend Lodge” zu erreichen. Als wir um die Kurve biegen, ist davon allerdings nur noch das Dach zu erkennen. Laut Eigentümer hat sich der Fluß Breede in den letzten vier Stunden seinen Weg erst durch die Küche, dann durch die Bar und schließlich bis in die Schlafräume gebahnt. Auf der einen Seite gut, dass er das während des Tages getan hat und nicht des nachts, während wir schlafen. Die Lage der Unterkunft ist allerdings top direkt am Fluß, sieht man von den Gefahren, die davon ausgehen, einmal ab.

Das alles nützt uns in diesem Moment jedoch nichts, muss sich Brett nun um eine Ersatzunterkunft bemühen. Sein Vorschlag, im mittlerweile undichten Safari-Truck zu übernachten, stößt bei uns auf wenig Gegenliebe.

So bahnen wir uns bei einbrechender Dunkelheit aus der De Hoop Region den Weg zurück in Richtung Hauptstraße N2. Wir versuchen es als erstes in Swellendam und haben in einem kleinen Backpacker tatsächlich Glück. Obwohl wir alle in einem Zimmer sowie ohne Strom und Heizung schlafen müssen, sind wir überglücklich, nun endlich ins Trockene zu kommen.

Zum Glück wird hier auf Gas gekocht, denn der Strom fällt immer wieder aus. © Foto: Jens Döring

Gekocht wird heute Abend mit Stirn- und Taschenlampen sowie im etwas wärmenden Licht der Petroleumlampen. Wenigstens wird mit Gas gekocht, sodass eine warme Mahlzeit möglich ist. Nach immer wieder lang anhaltenden Stromausfällen stabilisiert sich die Lage am sehr späten Abend ein wenig. Bis wir endlich gegen 22:30 Uhr todmüde ins Bett fallen ist der Strom noch mindestens dreimal weg.

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Reisebericht von Südafrikas Küsten (1): Windiges Kapstadt

Bloged in Allgemein, Reiseberichte, Südafrika von Jens Dienstag Dezember 23, 2008

Jens bei Stürmischem Wetter am Kap der Guten Hoffnung

1. Tag: Dienstag, 11.11.2008
Nun beginnt also das “Abenteuer Afrika”. Zwar von langer Hand geplant, aber dann doch immer wieder vor sich her geschoben. “Es ist ja noch ein Stück hin!”, habe ich mir immer wieder gesagt. Und dann ging es doch ganz schön schnell. Mitten in der Nacht fahre ich mit meinem schicken BMW-Mini-Mietwagen zum Flughafen Nürnberg. Die Abgabe am Terminal funktioniert recht reibungslos, selbst nachts um 3:00 Uhr empfängt mich ein Sixt-Mitarbeiter und nimmt mir das Auto ab.

Dank der überschaubaren Größe des Nürnberger Flughafens finde ich mich schnell zurecht. Am Check-In Schalter der KLM präsentiert man sich sehr kunden- und serviceorientiert. Trotz einer vorherigen Sitzplatzreservierung bietet man mir eine nochmalige Sitzplatzänderung an, da ich ja in der mittleren Reihe in der Mitte sitze. Ich lasse mich überzeugen und ergattere nun einen der letzten Fensterplätze für den Langstreckenflug von Amsterdam nach Kapstadt.

Nach einem unspektakulären einstündigen Flug von Nürnberg nach Amsterdam komme ich gegen 7:30 Uhr an. Noch knappe zwei Stunden, bis die KLM-Maschine nach Kapstadt startet. Der Flughafen Schiphol in Amsterdam ist nun doch einige Nummern größer als der in Nürnberg. Man braucht schon einige Zeit länger, um von A nach B zu kommen. Aber dank der Instruktionen der netten KLM-Mitarbeiterin in Nürnberg weiß ich nun, ausgestattet mit einem Lageplan, wo ich hinzugehen habe. Ganze 20 Minuten dauert es, bis ich vom Ankunftsgate zum Abfluggate gelange. Aber die Umsteigezeit gibt es ja her, allerdings würde die Zeit nicht für das Neu-Einchecken des Gepäcks ausreichen. Das Durchchecken bewährt sich in diesem Fall mal wieder, trotz Unkenrufen und der Angst, das Gepäck käme nicht am Bestimmungsort an.

Der Langstreckenflug verläuft bis kurz vor Kapstadt sehr entspannt. Wobei ich sagen muss, dass ich auf Grund meiner quasi durchgemachten Nacht den Großteil des Fluges verschlafe.

Beim Landeanflug auf Kapstadt wird es dann aber doch noch richtig interessant. Das Flugzeug beginnt sich zu schütteln und man merkt, wie der Pilot ständig gegensteuern muss. Er begrüßt uns nach der Landung mit den Worten „Welcome to windy Cape Town“. Und tatsächlich scheint da draußen Einiges los zu sein. Aber erst einmal muss ich ja durch die Passkontrolle, die gefühlte 120 und tatsächlich 45 Minuten in Anspruch nimmt. Das Gepäck dreht in der Zwischenzeit Extra-Runden. Aber immerhin finde ich meine Tasche dann schnell und kann mich in der kleinen Ankunftshalle nach meinem Transfer in das Cape Town Drifters Inn umschauen. Unvorteilhaft ist, wenn der Fahrer ein Schild mit seiner rechten Hand in die Luft hält und ausgerechnet meinen Namen mit seiner Faust verdeckt. Da kann man dann lange suchen…

Nach der Landung in Kapstadt um 22:30 Uhr vergehen insgesamt 90 Minuten, bis ich endlich im Transferbus sitze. Auf dem Weg zu meiner Unterkunft für die nächsten beiden Nächte (Drifters Inn im Ortsteil Sea Point) zeigt sich der Sturm von seiner hässlichen Seite: umgeknickte Bäume, abgedeckte Dächer, umherfliegender Müll und sogar Einkaufskörbe finden sich auf der Straße. Nach 40 Minuten Fahrt durch dieses Chaos erreichen wir dann schließlich das Drifters Inn. Mir öffnet „Brett“ die Tür und ich bin froh, dass überhaupt noch jemand kurz vor 1:00 Uhr nachts wach ist. Er erklärt mir kurz das Wichtigste, denn ich mache wohl keinen besonders aufnahmefähigen Eindruck mehr. Er sagt nur noch kurz, dass wir zusammen auf der „Coastal Explorer“ (Südafrikas Küsten) sind. Ich freue mich, schon den ersten Teilnehmer getroffen zu haben und sehne mich nun nach einem Bett!

2. Tag: Mittwoch, 12.11.2008
Die Nacht verlief alles andere als ruhig und erholsam. Der Sturm wütet selbst am Morgen noch und das wegen Wartungsarbeiten geöffnete und nur mit Folie notdürftig geflickte Dach tat sein übriges dazu. Begleitet von Regen und Donnergrollen weckt mich der Sturm um ca. 7:00 Uhr auf. Macht aber nichts, denn ich muß ohnehin jetzt aufstehen, weil bereits um 8:30 Uhr meine Halbtagestour nach Cape Point und zum Kap der guten Hoffnung startet. Erst jetzt habe ich Zeit (und Lust) mir die Unterkunft genauer anzuschauen. Die Twin-Zimmer sind zwar zweckmäßig eingerichtet, versprühen aber dennoch ein gemütliches Flair. Hier fühlt man sich auch aufgrund der warmen Farben sofort wohl. Der Speiseraum ist mit Liebe zum Detail eingerichtet und lässt auch zum Teil den Blick auf den nur einen Steinwurf entfernten Atlantik frei. Eine Bushaltestelle ist übrigens auch gleich um die Ecke, falls man auf eigene Faust zur V&A Waterfront und ins Stadtzentrum möchte. Auch das Kaminzimmer mit seinen schweren aber äußerst komfortablen Couches lädt zum Faulenzen ein. Hier liest man gerne mal ein Buch aus der hauseigenen kleinen Bibliothek. Leider habe ich dafür aber keine Zeit. Denn nach dem kontinentalen Frühstück wartet auch schon der Minibus für die Tour nach Cape Point auf mich.

Die Tour ist Ihre 450 Rand (ca. 35,- EUR) auf jeden Fall wert. An der Westseite der Kaphalbinsel entlang geht es vorbei an Kirstenbosch mit seinen Botanischen Gärten und weiter über Groot Constantia und den umgebenen Weingütern bis zum Cape of Good Hope Nature Reserve. Das Naturreservat bildet die Südspitze der Kap-Halbinsel und ist Teil des Table Mountain National Park. Die Straße endet an einem Parkplatz. Hier ist Vorsicht geboten vor den oft dreisten und teilweise aggressiven „Baboons“ (Paviane), die sich hier in großer Zahl aufhalten. Füttern ist strengstens verboten.

Bis zum Südpol ist es von hier aus nicht mehr so weit, bis nach Berlin schon.

Mit der Standseilbahn fahren wir schließlich hinauf zum eigentlichen Cape Point (212 Meter ü.M.), der äußersten Spitze der Halbinsel. Wie wir aber an diesem Tag lernen, ist weder Cape Point noch das Kap der Guten Hoffnung der südlichste Punkt Afrikas! Vor dem altem Leuchtturm eröffnen sich wunderschöne Ausblicke auf den Atlantik, jedoch stürmt und regnet es immer noch derart heftig, dass es mich kaum auf den Füßen hält. Es fällt einem schwer zu glauben, dass es zwischen diesem Ort und dem Südpol nur noch Wasser und Eis gibt.

Wir steigen wieder in unseren Minibus ein und fahren die wenigen Meter hinunter zum Kap der guten Hoffnung. Hier bläst der Wind sogar noch stärker und mehr als ein ganz ganz kurzer „japanischer Fotostop“ ist leider nicht drin. Schade, hätte ich doch gern auch eines der berühmten Bilder von mir hinter dem Kap-Schild.

Anschließend setzen wir unsere Fahrt fort in Richtung Norden, diesmal an der Ostseite der Kap-Halbinsel entlang. Wir legen noch einen kurzen Zwischenstopp in „The Boulders Bay“ ein. Hier hat sich am Strand eine Kolonie von zahlreichen Brillen-Pinguinen angesiedelt, die in den bewachsenen Dünen und am Strand brüten und sich aus der Nähe betrachten lassen.

Läßt sich gern fotografieren: Ein Brillenpinguin in Boulders Bay.

Schließlich fahren wir zurück nach Kapstadt, wo wir gegen 14:00 Uhr ankommen. Mein Magen knurrt und ich entschließe mich, mir um die Ecke vom Dirfters Inn einen schnellen Snack zu besorgen. Der Wind peitscht immer noch und der Regen fällt mittlerweile „nur noch“ in Schauern. Schönes Wetter sieht anders aus…

Den Rest des Nachmittages verbringe ich damit, meine Sachen neu zu packen, da ich mich ja eigentlich auf warmes Frühlingswetter eingestellt hatte und sich die wärmenden Regensachen ganz unten in der 22kg schweren Reisetasche befinden. Am späten Nachmittag zieht es mich dann aber doch noch einmal nach draußen, da ich gerne noch eine eMail an die Lieben zu Hause absetzen will. Der Supermarkt gleich neben dem Internet Café versorgt mich mit ein paar Knabbereien und Wasser für den morgigen ersten Abschnitt der Reise „Südafrikas Küsten“. Der Einfachheit halber gehe ich noch einmal zum selben Schnellimbiss, um mir noch etwas für den Abend zu holen.

Fortsetzung hier.

Die beschriebene Reise kann man hier buchen.

Job-Angebot als Übersetzer auf Safari in Botswana

Bloged in Allgemein, Botswana, Safari von Marco Montag Dezember 22, 2008

Unser Partnerunternehmen für Camping-Safaris in Botswana sucht derzeit Mitarbeiter, die Safari-Gruppen als deutschsprachiger Übersetzer begleiten. Die wichtigsten Voraussetzungen sind gute Kenntnisse der deutschen und der englischen Sprache sowie Freude am Leben in der Wildnis und am Umgang mit Menschen. Aufgabe der Übersetzer ist nicht die eigentliche Reiseleitung. Dafür bleibt der versierte einheimische Safari-Guide verantwortlich. Außerdem fährt auf jeder Safari noch ein Camp-Assistent/Koch mit. Da es aber in Botswana kaum Personal gibt, das deutsch spricht, werden auf Safaris, die mit deutschsprachiger Reisebegleitung ausgeschrieben sind, zusätzlich deutsche Übersetzer mitgeschickt, die alle Informationen im Camp und auf den Pirschfahrten für die Reisegäste übersetzen. Wer Interesse an dieser Tätigkeit hat, bekommt weitere Informationen direkt bei unserem Partner vor Ort:

Bush Ways Safaris
Att. Heiko Genzmer
Telefon: +267 686 3685
E-Mail: heiko@bushways.com
www.bushways.com

Heiko wird auch am Messestand von Outback Africa auf der CMT in Stuttgart (Halle 4, Stand 4.A31) vertreten sein, und zwar am 19., 23. und 25.01.2009 sowie nach Vereinbarung.

Die Übersetzer werden auf folgenden Reisen eingesetzt:

Best of Botswana | Straße der Elefanten | Große Okavango-Rundreise

Keine touristischen Gebiete in Südafrika von Cholera betroffen

Bloged in Allgemein, Safari, Südafrika von Marco Donnerstag Dezember 18, 2008

In Südafrika sind keine touristischen Gebiete von den aktuellen Choleraausbrüchen betroffen. Darauf weist das südafrikanische Fremdenverkehrsamt in Frankfurt hin. Für Reisende mit Ziel Südafrika bietet South African Tourism eine kostenfreie Hotline Nummer an. Unter der Telefonnummer 0800/118 91 18 beraten Mitarbeiter des Call-Centers gezielt Touristen zu ihrer Reiseroute und geben Informationen zur aktuellen Situation.

Die Grenzregion Vhembe im Nordwesten Südafrikas wurde vorsorglich zum Notstandsgebiet erklärt, um einer Verbreitung der Erkrankung in andere Provinzen des Landes vorzubeugen, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Cholera war Mitte Oktober 2008 in Simbabwe ausgebrochen. Aufgrund des Kollapses des dortigen Gesundheitswesens und des öffentlichen Dienstes suchten immer mehr Simbabwer nach Hilfe in Südafrika. Vor allem die Grenzstädte Musina und Madimbo seien von dem Flüchtlingsstrom betroffen. Entgegen anderweitigen Berichten habe sich die Krankheit in Südafrika nicht weiter ausgebreitet und konzentriert sich auf das Grenzgebiet in der Limpopo-Provinz.

Es wird empfohlen, momentan Reisen in die Region Vhembe zu unterlassen. Diese Gegend im Norden Limpopos liegt aber nicht auf den üblichen, touristisch interessanten Routen. Sollten Reisen nach Vhembe unerlässlich sein, rät die Regierung Südafrikas nur gechlortes Wasser zu trinken, saubere Sanitäranlagen zu benutzen und keine von Straßenhändlern zugebereiteten Speisen zu essen. Häufiges Händewaschen kann Cholera-Bakterien abtöten. Eine Erkrankung kann mit Antibiotika geheilt werden. Vorsorglich können Reisende in diese Region sich impfen lassen. In Simbabwe fehlten solche Medikamente sowie sauberes Trinkwasser. Südafrika verfüge dagegen über ein erstklassiges Gesundheitswesen und ein funktionierendes Krisenmanagement. Soweit die Mitteilung von South African Tourism.

Air Tanzania muß Flugbetrieb einstellen

Bloged in Allgemein von Marco Dienstag Dezember 16, 2008

Die tansanische Fluggesellschaft Air Tanzania muß ihren Flugbetrieb einstellen. Diese Entscheidung hat die zivile Luftfahrtbehörde TCAA am 12. Dezember 2008 verkündet. Die Airline hätte bei fortgesetztem Flugbetrieb Sicherheitsbestimmungen nicht mehr in vollem Umfang einhalten können, begründet die Behörde.

Air Tanzania bedient Regionalstrecken innerhalb des Landes und auf dem afrikanischen Kontinent, so zum Beispiel die für Touristen interessanten Verbindungen zwischen dem Kilimanjaro Airport und Sansibar sowie zwischen Dar es Salaam und Sansibar.

Für die Urlaubssaison rund um den Jahreswechsel waren auch Kunden von Outback Africa Erlebnisreisen auf Flügen mit Air Tanzania gebucht. Unserem Partnerveranstalter ist es am Montag mit einigem Aufwand gelungen, Ersatzlösungen zu finden. Das war so kurzfristig für die Hochsaison nicht immer einfach. Wo keine Direktflüge zum Beispiel mit Precision Air mehr frei waren, konnten zumindest Umsteigeverbindungen über Nairobi oder Charterflüge in kleinen Maschinen von Dar es Salaam nach Sansibar gebucht werden. Die Mehrkosten übernimmt der Veranstalter. Wir hoffen auf Verständnis für diese unerwarteten und kurzfristigen Änderungen, zu denen es keine Alternative gibt – Sicherheit geht schließlich vor.

Ethiopian Airlines weitet Kooperation mit Lufthansa aus

Bloged in Allgemein von Marco Dienstag Dezember 9, 2008

Sind die Äthiopier auf dem Weg in die Star Alliance? Ethiopian Airlines und Lufthansa gehen zumindest einen weiteren Schritt in ihrer Zusammenarbeit. Nachdem seit April bereits ein Codeshare-Abkommen mit der deutschen Lufthansa für die Flüge zwischen Frankfurt und Addis Abeba besteht, werden seit dem 15. November 2008 weitere 13 Destinationen weltweit im Codeshare zwischen Ethiopian Airlines und Lufthansa angeflogen. Darüber informiert die äthiopische Fluglinie in einer Pressemitteilung. Nach Dar-Es-Salaam, Kilimanjaro und Sansibar (Tansania) sowie Entebbe (Uganda), Nairobi (Kenia) und Kigali (Ruanda) operiert Äthiopiens Traditionsairline nun mit einer Lufthansa-Flugnummer und verhilft damit dem deutschen Carrier zu einer deutlichen Streckennetzerweiterung im bisher nur marginal versorgten zentral- und ostafrikanischen Raum. Andersherum stehen bei Ethiopian Airlines, ausgeführt vom Partner Lufthansa, seit Mitte November nun auch die Welt-Metropolen New York, San Francisco, Los Angeles sowie Newark und Genf auf dem Flugplan. Auch Stockholm, das zuvor viermal wöchentlich von Ethiopian Airlines angeflogen wurde, ist dank des Abkommens nun noch häufiger für die Kunden von Afrikas aufstrebendster Airline erreichbar.

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