4. Tag: Freitag, 14.11.2008
Nachdem es die ganze Nacht seicht aber stetig durchgeregnet hat, präsentiert sich der heutige Morgen zwar Wolken verhangen aber trocken. Wir starten heute extrem zeitig: 6:00 Uhr Frühstück und 6:30 Uhr Abfahrt. Es erwartet uns heute ein voll gepackter Tag. Wir fahren westwärts entlang der N2 und biegen irgendwo zwischen Swellendam und Riversdale links ab in Richtung der Kleinen Karoo. Plötzlich ändert sich die Landschaft: die steilen Berge der Outeniqua Mountains in der Kleinen Karoo erscheinen am Horizont. Je weiter nordwärts wir fahren, umso trockener und freundlicher wird es. Nach etwa drei Stunden erreichen wir „Ronny’s Sex Shop“, ein ursprüngliches Pub in der Mitte von nirgendwo. Ein paar Spaßvögel ergänzten „Ronny’s Shop“ mit dem witzigen Kürzel und seitdem ist das Lokal Anziehungspunkt aller Durchreisenden. Wir legen einen kurzen Fotostopp ein und strecken unsere Glieder.

Weiter geht die Fahrt bis Oudtshoorn, wo wir gegen 10:30 Uhr an einer Straußenfarm ankommen. Die Strauße und die Straußenfeder-Mode haben Oudtshoorn weltberühmt und viele Züchter steinreich gemacht. Vom Wohlstand vergangener Tage zeugen auch heute noch die zahlreichen Villen der „Straußen-Barone“. Heute ist die Straußenzucht eine perfekt organisierte Industrie, die neben den Federn auch Fleisch, Eier, Knochen und die Haut (als edles Leder) produziert. Während einer 45 minütigen Führung erfahren wir sehr viel Wissenswertes und Interessantes rund um die Straußenzucht als Wirtschaftszweig. Im angeschlossenen Souvenir-Shop nutze ich die Gelegenheit, die ersten Ansichtskarten zu besorgen. Mal sehen, wann ich letztendlich zum Schreiben komme.

Ein fader Beigeschmack bleibt allerdings von diesem Besuch: nicht alle Tiere waren im allerbesten Zustand und ich weiß auch nicht ob es notwendig ist, auf Straußen zu reiten und sich einen Spaß daraus zu machen. Aber das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Wir verlieren nach dem Farmbesuch nicht zu viel Zeit und machen uns auf den Weg zu den 30km entfernten Cango Caves in den beeindruckenden Swartbergen im Norden der Kleinen Karoo nahe dem Swartberg Pass. Die Swartberge sind geprägt durch eine Folge von schroffen Gipfeln und Kämmen mit tief eingeschnittenen Schluchten. Das Höhlensystem der Cango Caves ist auf einer Länge von 800 Metern zugänglich und in zwei unterschiedlichen „Schwierigkeitsstufen“ begehbar. Effektvoll durch verschiedene Lichtspiele in Szene gesetzte Tropfsteingebilde beeindrucken wirklich jeden Besucher. Natürlich bucht Drifters für seine Kunden die schwierigere „Adventure-Tour“. Als wäre das nicht genug, hat man uns einen wahren Entertainer als Guide zur Seite gestellt. Durch seine teilweise übertriebene humoristische und homosexuelle Art, uns die Cango Caves näher zu bringen, schafft er es tatsächlich, aus einem eher unspektakulären Besuch ein wahres „Showprogramm“ zu zaubern.
Das Lachen vergeht insbesondere mir, als die 08/15 Tour endet und der Abenteuerteil beginnt. Durch die ersten engen Felsspalten quetsche ich mich ja auch gerne noch kniend und kriechend hindurch. Als sich aber die sogenannte „Esse“ vor mir noch oben in die Dunkelheit erstreckt, bekomme ich ein beklemmendes Gefühl. Ein Zurück gibt es nicht. Ein Nach-Oben scheint auf Grund des senkrechten Anstiegs, des rutschigen Kalksteins und meinem falschen Schuhwerk schier unmöglich. Aber es hilft nichts. Ich schiebe mich in die Esse von unten hinein, kann kaum aufrecht stehen, weil von links und rechts die Felsen drücken. Und dann soll ich auch noch mein rechtes Knie in den Absatz pressen, wo gerade noch meine Hand nach Halt gesucht hat. Der ohnehin schon kleine Raum wird psychologisch bedingt immer winziger, die Knie werden weich und ein Gefühl von Panik kommt auf. Der rechte Fuß sucht vergeblich nach Halt, das Adrenalin lässt meine Knie zittern und meine Muskeln verkrampfen. Jetzt hilft nur noch externe Hilfe. So peinlich dieser Moment auch für mich sein mag, aber ich bin schließlich heilfroh, dass einer von oben zieht und der Guide von unten schiebt. „Mein Gott, bin ich ein Chicken“, sage ich zu mir selbst. Aber es hilft ja nix. Ich bin wieder um eine Erfahrung reicher und weiß, was ich meinen Kunden in Zukunft empfehlen kann und was nicht.
Nun steht nur noch die „Letterbox“ an, ein Briefkastenschlitz, der den Namen auch wirklich verdient. Auf dem Rücken liegend und den Bauch einziehend presse ich mich durch eine 30-35cm hohe horizontale Felsspalte hindurch. Geschafft! Das war die letzte Hürde der Abenteurtour und ich bin einfach nur froh, als ich das Tageslicht wieder erblicke. Diese Führung hat mal wirklich ihren Namen verdient.
Nach dieser Anstrengung stärken wir uns vor der beeindruckenden Bergkulisse der Swartberge. Einsetzender Regen stört uns mittlerweile auch nicht mehr bei der Nahrungsaufnahme.
Über den Outeniqua Pass und durch den Ort George gelangen wir wieder auf die N2 und befinden uns damit auf der berühmten Gartenroute. Diese reiseroute verläuft nahe der Küste des Indischen Ozeans, zwischen Mossel Bay im Westen und der Mündung des Storms Rivers im Osten. Die Küstenebene mit vielen malerischen Buchten und Sandstränden ist auchgeprägt durch eine üppig grüne Vegetation mit dichten Waldgebieten.
In einem solchen Waldgebiet liegt nahe Knysna (ca. 40 Minuten Fahrt) das Drifters Inn. Nach etwa zehn Kilometern von Knysna in Richtung Plettenberg Bay zweigt links eine kleine Schotterstraße ab. Von hier geht es weitere acht Kilometer durch dichtes Waldgebiet, bis man nach ca. 25 Minuten das Knysna Inn erreicht. Die äußerst gemütliche Lodge liegt weit weg von Stress und Hektik des Alltags. Die Lodge besteht aus einem Hauptgebäude und fünf Chalets mit jeweils zwei Einheiten (2 Einzelbetten). Alle Gebäude sind komplett aus Holz gebaut. Die Zimmer verfügen alle über Badezimmer mit Dusche und befinden sich sowohl im Hauptgebäude als auch in den fünf Chalets, die in Hufeisenform angeordnet und über Holzstege verbunden sind. Das Hauptgebäude verfügt über eine kleine Bar, Lounge-Bereich mit DVD-Ecke und einem Swimmingpool. Hier lässt es sich wirklich aushalten und ist daher absolut empfehlenswert!

Am Abend kocht uns Margaret eine köstliche südafrikanische Mahlzeit: Bobuti mit Reis und Süßkartoffeln. Auch die leckeren Salate sind nicht zu verachten und von dem Schokoladenkuchen mit Vanillesoße als Dessert schwärme ich heute immer noch. Ich biete Margaret einen Job bei mir zu Hause in Deutschland an – sie lehnt aber leider dankend ab. Mit einem Augenzwinkern verrät sie mir aber, dass sie 2009 nach Europa kommt und vielleicht gibt sie mir zumindest ein Gastspiel in meiner Küche. Bei Rotwein und Bier lassen wir den ereignisreichen Tag ausklingen. Wir bitten Brett, den nächsten Morgen ruhig angehen zu lassen. Er lässt sich dankenswerter Weise darauf ein.
5. Tag: Samstag, 15.11.2008
Wir wachen heute Morgen zum ersten Mal mit Sonnenschein auf. Ich stehe mindesten 15 Minuten vor dem Fenster und starre auf diese traumhaft schöne Waldlandschaft im weichen Morgenlicht.

Nach einem leckeren Frühstück machen wir uns um 8:30 Uhr auf den Weg nach Knysna. Dort erwartet uns bereits das Boot für eine Fahrt in der Lagune von Knysna und durch den Durchlass zwischen den „Heads“ hindurch hinaus auf das offene Meer. Von dort aus bietet sich einem ein schöner Blick auf die Lagune und die Stadt. Wale sehen wir heute wieder keine, Ihnen war wohl das Wetter rund ums Kap auch zu stürmisch in den letzten Tagen und sind schon weiter nordwärts gezogen. Das Einzige „Wildlife“, was sich uns bietet, ist eine Pelzrobbe, die sich im Wasser in der Sonne aalt. Ansonsten bleibt mehr Zeit, die Küstenlandschaft und lange Sandstrände zu bestaunen.

Zurück in der Stadt bleibt uns ein wenig Freizeit, um die alte Holzfäller-Metropole auf eigene Faustzu erkunden. Ich nutze noch einmal die Gelegenheit, um eine eMail nach Hause abzusetzen. Schließlich weiß ich ja nicht, wie lange sich diese Gelegenheiten noch ergeben. Zu Mittag essen wir in einem Restaurant im Hafen von Knysna, dass ausschließlich Cape Malay Gerichte serviert. Gerade in der würzigen asiatischen Küche der Kap-Malayen spiegelt sich die facettenreiche Kultur Südafrikas.

Den Nachmittag verbringen wir ganz relaxt an einem Strand außerhalb von Knysna. Endlich ein paar Sonnenstrahlen, die wir alle mit Genuss in uns aufsaugen. Auf dem Rückweg legen wir noch einen Fotostopp ein. Wir klettern alle auf das Dach des Trucks und lassen uns von Brett mit Knysna und der Lagune im Hintergrund fotografieren.

Zu Abend essen wir in einem schicken Restaurant wieder im Hafen von Knysna. Wir kommen uns mit unseren durchgeschwitzten Shirts und kurzen Hosen etwas deplaziert vor, besonders als die „Schickeria“ gleich Busgruppenweise in das Restaurant einfällt. Sehen und gesehen werden ist wohl hier das Motto. Wir haben nach drei Flaschen Wein jedenfalls unseren Spaß und ich beginne auf der Rückfahrt zum Drifters Inn damit, die ersten Weihnachtslieder anzustimmen.

Fortsetzung hier.
Die beschriebene Reise kann man hier buchen.