Neuigkeiten und Berichte von Outback Africa Erlebnisreisen

Monats-Archive: Juni 2008

Am Flughafen Livingstone müssen wir die sambische Inlands-Abflugsteuer von 8 US-Dollar berappen, obwohl wir gar nicht mit einer Linienmaschine fliegen, sondern mit einem privaten Sefofane-Charter direkt nach Busanga im Norden des Kafue Nationalparks. Der Flug dauert etwa eine Stunde und 40 Minuten. Die meiste Zeit sehen wir unter uns nichts als einsame Wildnis, nur ganz selten sind Straßen, Wege oder Siedlungen auszumachen. Am Busanga Airstrip steht ein Hubschrauber bereit, der uns die letzten Kilometer bis zum Shumba Camp fliegt. Jetzt im Mai sind die Ebenen noch überflutet und mit dem Auto nicht befahrbar. „Wir nutzen aber die ganze Saison über den Helikopter, um unsere Gäste von der zentralen Landebahn in die drei Camps der Umgebung zu fliegen, nach Kapinga, Busanga Bush Camp oder eben nach Shumba“, erklärt Dean, der General Manager von Wilderness Safaris für die Projekte im Kafue Nationalpark. Der Hubschrauber bietet nochmals eine andere Perspektive. Wir fliegen über eine Büffelherde hinweg, die von weißen Kuhreihern begleitet wird. „Das ist ja ein Motiv wie auf dem Sambia-Prospekt“, denke ich mir – und ärgere mich, weil die Büffel von meiner Fensterseite aus nicht zu fotografieren sind.

Büffelherde in den Busanga Plains aus dem Helikopter fotografiert © Foto: Marco Penzel
Mit etwas Glück entdeckt man beim obligatorischen Helikopter-Flug zum Shumba Camp eine Büffelherde oder andere Tiere in den Busanga-Plains. © Foto: mp

In Shumba sind wir die einzigen Gäste. Das 2007 errichtete Camp hat Anfang Mai gerade für die neue Saison eröffnet. Noch sind die Flutebenen rund um Shumba überschwemmt und nur mit Booten befahrbar. Aber mit jedem Tag geht das Wasser weiter zurück. Spätestens im Juni werden die meisten Flächen abgetrocknet sein. Dann kehren die Weidetiere zurück, die sich jetzt noch im etwas weiter entfernten und leicht erhöhten Buschland verstecken. Ihnen folgen die Räuber: Löwen und Geparden, die hier im offenen Gelände ein ideales Jagdrevier finden. „Die Szenerie ändert sich in wenigen Wochen komplett“, kündigt Camp-Manager Andrew und zeigt faszinierende Nahaufnahmen von Löwen, die hier auch auf Bäume klettern, und stimmungsvolle Motive mit Lechwe-Antilopen im Morgennebel, die der bekannte deutsche Fotograf Michael Poliza vergangenen November rund um Shumba geschossen hat. Die Safari-Saison dauert hier von Mitte Mai bis November und ist damit zeitlich viel klarer eingeschränkt als beispielsweise in Botswana. „Aber innerhalb der Saison hatten wir hier die meisten Löwen-Sichtungen aller Wilderness Camps überhaupt“, berichtet Andrew stolz. Shumba braucht also auch in dieser Hinsicht den Vergleich mit berühmten Camps in Botswana nicht zu scheuen. Allerdings hatte der Naturschutz hier im Kafue in der Vergangenheit einen schwereren Stand als im Musterland Botswana. Die Wilderei war noch vor kurzer Zeit ein enormes Problem. Entsprechend scheu verhielt sich das Wild. Johannes, einer unserer Partner, der sich auf intensive Campingsafaris in Sambia spezialisiert hat, registriert aber in diesem Punkt im nördlichen Kafue-Park eine enorme Verbesserung, seit Wilderness Safaris hier im Norden des Nationalparks vor einigen Jahren damit begann, Lodges zu übernehmen, zu renovieren und neue Camps zu errichten. Zwar ärgert er sich, weil er nun keine preiswerten Lodges mehr in der Gegend bekommt, denn billig zu sein gehört nicht zu den Zielen von Wilderness. Effektiver, professioneller Naturschutz allerdings schon. Das Unternehmen kann es sich leisten, auch in der Regenzeit präsent zu sein, wenn die zahlenden Gäste ausbleiben. Das schreckt Wilderer ab, und die Tiere gewöhnen sich an die Anwesenheit von Menschen, die ihnen höchstens mit der Kamera nachstellen.

Schon vom edlen Waschtisch unseres großen Luxus-Zeltes in Shumba aus hat man einen atemberaubenden Blick auf die weiten Ebenen. Wer will, kann diesen Blick auch von der privaten Polsterecke aus genießen, die es vor jedem Wohnzelt zusätzlich gibt, oder vom Hauptdeck aus, und selbst von der kleinen Toilette in der Nähe der Bar, denn deren Front ist ebenfalls zur Landschaft hin offen. Am Nachmittag unternehmen wir einen Bootsausflug und begegnen dabei Eisvögeln, Flußpferden, Lechwe-Antilopen und Pukus und vielen Wasservögeln, darunter auch einer Kolonie Kronenkraniche. Zum Sonnenuntergang machen wir an einer Insel halt. Dort werden wir von einem kleinen Buffet mit Getränken überrascht. Ein Spaten wird mit sauberer Alu-Folie überzogen und dient im Feuer als Pfanne für leckere kleine Grillspieße, die mit Obst und Gemüse bestückt sind. Am nächsten Morgen machen wir uns nach einem relaxten Frühstück auf den Weg nach Kapinga, dem Nachbarcamp. Zunächst fahren wir wieder im Motorboot, später warten Poler auf uns in der einsamen Wildnis, um uns die letzten Kilometer im Mokoro durch das flache Wasser zu staken, und schließlich steigen wir noch in einen offenen Pirschwagen um, der uns zum Camp bringt. Es steht kurz vor der Saisoneröffnung. In der Wilderness-internen Klassifizierung ebenfalls als „Premier Camp“ eingestuft, ist Kapinga genauso komfortabel wie Shumba. Die Wohnzelte sind ähnlich aufgebaut, haben ebenfalls je zwei Duschen (eine drinnen und eine unter freiem Himmel) sowie eine private Sitzecke vor dem Zelt. Nur kann man hier nicht so weit in die offene Landschaft blicken. Kapinga steht auf einer etwas dichter bewaldeten Insel im Schatten riesiger Bäume. Mittags steuern wir wiederum eine andere Insel an. Dort ist schon eine Tafel für uns aufgebaut. An den Kochtöpfen über offenem Feuer arbeitet der gleiche Mann, der gestern zum Sundowner die vegetarischen Spieße gegrillt hat. Er war im vorigen Jahr Chefkoch in einem der Camps, erklärt Dean, nun sei er dafür zuständig, die Köche in allen Wilderness-Camps der Gegend weiterzubilden, darauf zu achten, daß die Standards eingehalten oder noch verbessert werden, und außerdem sei er zuständig für das Thema OCDE. „Was bitte?“, frage ich nach und erfahre: Die Abkürzung steht für Out of Camp Dining Expierience. Dahinter verbirgt sich die Idee, den Gästen alle zwei bis drei Tage eine Mahlzeit außerhalb des Camps an einem besonderen Ort mitten in der Natur zu servieren.

Sundowner-Buffet im Shumba Camp, Kafue NP/Sambia © Foto: Marco Penzel
Es ist angerichtet: Sundowner-Snacks auf der Terrasse des Shumba Camp mit Blick auf die Busanga Plains im nördlichen Kafue Nationalpark (Sambia). © Foto: mp

Alle Teile des Reiseberichtes in der Übersicht:

Ein Preisbeispiel für eine Sambia-Flugsafari mit Shumba sowie weiteren Wilderness Camps im Kafue, an den Victoria-Fällen und im South Luangwa Nationalpark finden Sie hier.

Ab 16. Juni 2008 fliegt Ethiopian Airlines die Strecke Lilongwe-Addis Abeba wieder täglich. Damit können die Reisegäste auf der Großen Malawi-Rundreise einen Tag länger am Malawi-See verbringen. Bislang war flugplanbedingt eine Übernachtung auf dem Rückweg in Addis Abeba notwendig.

Ethiopian Airlines hat soeben das 50. Jubiläum der Flugverbindung zwischen Frankfurt und Addis Abeba gefeiert. Der Bole International Airport mit seinem 2003 eröffneten internationalen Terminal gilt als eines der modernsten und wichtigsten Drehkreuze des afrikanischen Kontinents. Ethiopian fliegt auch im Code-Share mit Lufthansa. Seit Oktober 2007 kooperieren beide Airlines bereits mit ihren Vielflieger-Programmen Sheba Miles und Miles & More.

Gleich nach dem Eingangstor zum Mosi-Oa-Tunya Nationalpark biegt ein Sandweg links von der Hauptstraße ab. Wir überqueren die alten Eisenbahngleise, und nach ein paar Minuten sehen wir Charles, den Manager des Toka Leya Camps, der mit seinen Mitarbeitern zur Begrüßung bereit steht. Das Holz, aus dem die Stege gebaut sind, die zu den einzelnen Wohnzelten führen, sieht noch ganz frisch aus. Es ist der 4. Mai 2008. Auf die Frage, wie lange es Toka Leya schon gibt, antwortet Charles: “Wir haben das Camp Anfang des Monats eröffnet.” Es sind auch noch nicht alle Details fertiggestellt. In den Zelten fehlen noch Türgriffe und Papierkörbe. “Die Sachen sind alle noch in einem Lkw, der an der Grenze auf die Abfertigung wartet”, entschuldigt sich der Gastgeber. Trotz der Kleinigkeiten ist der Aufenthalt hier sehr komfortabel, wenn nicht luxuriös. Schon die enorme Größe der Wohnzelte verschlägt mir den Atem. Die nächsten Tage werde ich mir mit James, einem Kollegen aus England, das Zimmer teilen. James hat das große Bett in Beschlag genommen, ich darf mir dafür im Kinderzimmer einen der beiden nicht weniger bequemen Schlafplätze auswählen. Von der Terrasse aus blickt man auf den Sambesi.

Toka Leya Camp, Livingstone/Zambia © Foto: Marco Penzel
Anfang Mai 2008 neu eröffnet: Toka Leya Camp, hier die Lounge, liegt etwas außerhalb des Ortes Livingstone direkt am Sambesi. © Foto: Marco Penzel

Zum Sonnenuntergang unternehmen wir eine Bootsfahrt. Dabei begegnen wir auch den großen, zwei- und dreigeschossigen Ausflugsdampfern. Der bekanntest ist wohl die “African Queen”, die tagsüber vor der Zambezi Waterfront Lodge festmacht. Toka Leya hat für seine Gäste eine eigene Anlegestelle und fährt mit kleineren Aluminiumbooten mit sechs Drehsesseln. Unterwegs gibt es natürlich Getränke und Snacks. Durch den hohen Wasserstand fließt der Fluß zu schnell, und wir können nicht nah genug an die karminroten Bienenfresser (Scharlachspinte) heranfahren, die in der steilen Uferböschung ihre Nester haben. Mit einem tollen Vogelfoto wird es also heute nichts, aber die Lichtstimmung auf dem Sambesi ist fantastisch. Mit Drinks und Snacks geht es nach der Rückkehr am Lagerfeuer weiter, bevor schließlich das Abendessen serviert wird.

Alle Mahlzeiten und die normalen Getränke (Wasser, Saft, Bier, Hauswein, Gin & Tonic, die üblichen Liköre, Standard-Brandy- und Whisky-Marken) sind hier im Preis eingeschlossen. Wer einen besonderen Wein, Champagner oder einen Premium-Cognac trinken möchte, wird extra zur Kasse gebeten. Aber der Hauswein ist schon von bester Qualität, ein Extrawunsch scheint mir da überflüssig. Zum Abendessen gibt es eine Pilz-Zwiebel-Suppe mit Curry, gebratene Ente und zum Nachtisch Pudding mit hausgemachtem Eis. Anders als in Songwe kann man hier auch das Wasser aus dem Hahn sorglos trinken, versichert das Camp-Management. Es werde zwar auch aus dem Sambesi gepumpt, aber danach durchlaufe es eine aufwendige Filteranlage. An der Bar gibt es eine Kaffeemaschine, die sogar eine Art Cappuccino produzieren kann. Das ist im Nescafé-pulverisierten Afrika schon bemerkenswert. Unser Wunsch nach einem Espresso muß dann aber doch enttäuscht werden. Es fehlen wohl die richtigen Zutaten.

Die Victoria-Fälle von der sambischen Seite bei hohem Wasserstand Anfang Mai © Foto: Marco Penzel
Vor lauter Gischt sind im Mai die Victoria-Fälle kaum zu sehen. Die kleinen gelben Punkte links sind Menschen in Regenmänteln. © Foto: Marco Penzel

Aus dem Ausflugsangebot für den nächsten Morgen wähle ich eine Tour zu den Victoria-Fällen. Bisher habe ich sie immer nur von der simbabwischen Seite und aus der Luft gesehen. Jetzt beim hohen Wasserstand nach der Regenzeit sind die Fälle auch von Sambia aus gewaltig. In ein paar Monaten, im September oder Oktober, werden die Felsen hier trocken sein, höchstens ein paar kleine Rinnsale bleiben an diesem Ende der Wasserfälle bei niedrigem Wasserstand übrig. Das kann ich mir im Moment kaum vorstellen bei dieser riesigen Wand aus Wasser und Gischt, in der sich immer wieder Regenbogen bilden. Es werden Regen-Ponchos verteilt, trotzdem wird man spätestens beim Überqueren der kleinen Brücke zum Aussichtsfelsen bis auf die Haut naß. Am meisten beeindruckt mich aber unser Guide, der eine Unmenge zu den Wasserfälle erklären kann: wie sie entstanden sind, wie sie in ein paar tausend Jahren aussehen werden, oder was genau passiert, wenn sich in 100 Metern Tiefe Wassermassen und Luft vermischen und die riesige weiße Gischt-Wolke bilden, für die die Victoria-Fälle so berühmt sind. Die Einheimischen nennen sie Mosi Oa Tunya – der Rauch, der donnert. Also dieser Guide entspricht meinen hohen Erwartungen an Wilderness Safaris. Schließlich gilt das Unternehmen als eine der besten Adressen für anspruchsvollen Natur-Tourismus in Afrika. Toka Leya ist nicht das einzige neue Wilderness-Camp im Land. Sambia steht derzeit im Mittelpunkt der Expansionsstrategie des Safari-Unternehmens. Einige Leute, selbst im eigenen Büro in Johannesburg, würden in Sambia nur eine Art Ausweichlösung für die oft ausgebuchten Kapazitäten in Botswana sehen, wo einige der namhaftesten Lodges überhaupt zum Wilderness-Portfolio gehören. Diese Einstellung ärgert den Sambia-Manager sichtlich. „Wir haben hier eine eigenständige, spannende Destination”, ist Charles überzeugt. “Sambia ist noch viel ursprünglicher, weniger erschlossen, aber dafür umso interessanter. Hier kann man sich noch als Safari-Pionier fühlen.” Wir sind gespannt auf die nächsten Tage im Kafue Nationalpark und in South Luangwa.

Alle Teile des Reiseberichtes in der Übersicht:

Ein Preisbeispiel für eine Sambia-Flugsafari mit Toka Leya sowie weiteren Camps im Kafue und im South Luangwa Nationalpark finden Sie hier.

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