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Meeresschildkröte © Foto: Wikmedia Commons

Meeresschildkröte © Foto: Wikmedia Commons

Wie bereits bei den Seeigeln führt unsere aktuelle Pirschfahrt wieder an die Küste des Indischen Ozeans in Tansania und Kenia. Hier gibt es verschiedene Arten von Meeresschildkröten, die mit etwas Glück beim Schnorcheln und Tauchen zu sehen sind und die im warmen Sand an bestimmten Plätzen entlang der Küste ihre Eier ablegen.

Innerhalb der Reptilien bilden Schildkröten eine eigene Ordnung und Meeresschildkröten eine besondere Familie. Vor rund 200 Millionen Jahren hat sich die Spezies vom Land- zum Wasserbewohner weiterentwickelt. Es gibt sechs bis sieben Unterkategorien, von denen eine die Bezeichnung „Suppenschildkröte“ trägt. Weitere Arten sind die echte und unechte Karettschildkröte, Bastardschildkröten und Wallriffschildkröten. Je nach Art können sie bis zu 150 Zentimeter groß und über 100 Kilogramm schwer werden. Unter dem Oberbegriff „Meeresschildkröte“ ist auch häufig die Lederschildkröte gemeint. Aufgrund ihrer Anatomie stellt sie jedoch eine Sondergattung dar, denn sie hat keinen festen Hornpanzer, sondern eine dicke Lederhaut, die das Knochengerüst umschließt. Lederschildkröten sind die größten im Wasser lebenden Schildkröten und kommen in vielen, auch kälteren, Gewässern vor. Sie können über 2,50 Meter lang werden und bringen es auf rund 700 Kilogramm Gewicht.

Anatomisch sind die Schildkröten perfekt an ihren Lebensraum angepasst. Im Gegensatz zu ihren Verwandten auf dem Land können sie zwar den Kopf nicht mehr einziehen, haben aber extrem lange Vorderbeine, die zu Schwimmflossen geformt sind. Auch die Körperform ist stromlinienförmiger. Hier eine Animation der University of Wisconsin, die die Schwimmbewegungen am Computer darstellen:

Wissenschaftler haben übrigens herausgefunden, dass Lederschildkröten ihr Lungenvolumen beim Abtauchen so stark verringern können, dass sie praktisch keinen Auftrieb mehr haben. Die Lunge kollabiert und die Schildkröte versorgt sich über die Sauerstoffvorräte in Muskeln und Blut. Außerdem wurde festgestellt, dass dicke Meeresschildkröten schneller schwimmen können als ihre dünnen Artgenossen, weil letztere vermutlich ihre Flossen nicht so weit unter dem Körper zusammenführen können und damit Kraft verlieren.

Meeresschildkröten verbringen ihr ganzes Leben im Wasser und sind „philopathisch“, d.h. sie kehren wieder an den Ort ihrer Geburt zurück, um dort ihre Eier abzulegen. In den Jahren dazwischen legen sie Tausende Kilometer zurück und orientieren sich dabei am Magnetfeld der Erde. Die Eiablage erfolgt in mehreren Nächten hintereinander. Dabei gräbt das Schildkrötenweibchen ein Loch in den Sand und legt bis zu 100 Eier ab. Dies wiederholt sich bis zu 14 Tage hintereinander, danach benötigt das Weibchen wieder zwei bis drei Jahre Pause. Die Schildkröten kehren zwar an ihren Geburtsstrand zurück, müssen diesen jedoch möglichst unverändert vorfinden. Baumaßnahmen, Verschmutzung oder auch Lichtquellen stören die Schildkröten. Sie legen dann ihre Eier nicht in den Sand ab, sondern kehren ins Meer zurück und verlieren unter Umständen das Gelege.

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Brutplätze von Lederschildkröten (gelb: kleinere Brutplätze, rot: große Populationen) © Wikimedia Commons

Svenja war 2010 dabei, als kleine Schildkröten vor am Strand von Ras Kutani (Tansania) geschlüpft sind.

Durch die Sonnenwärme werden die Eier ausgebrütet. Das Geschlecht der kleinen Schildkröten wird durch die Temperatur bestimmt – beträgt sie über 30 Grad, entwickeln sich Weibchen, bei kälteren Temperaturen schlüpfen Männchen. Die Nester werden nicht selten durch Fressfeinde geplündert. Auch Stürme können die Nester freilegen und so zerstören. Die frisch geschlüpften Schildkröten machen sich gemeinsam auf den Weg zum Meer. Auch hier lauern wieder viele Gefahren. Neben Vögeln und kleineren Raubtieren ist auch der Mensch eine Gefahr, wenn die Schildkrötenbabies durch eine Lichtquelle in die falsche Richtung gelenkt werden. Hier gibt es ein schönes Video (für Kinder), dass die Entwicklung von Schildkröten zeigt (englisch mit deutschen Untertiteln):

Wie bei allen anderen Tieren ist der Mensch der größte Feind der Meeresschildkröten. Nicht umsonst tragen einige den Namen „Suppenschildkröten“ und werden als Delikatesse vor allem im asiatischen Raum angesehen. Ebenso sind das Schildkrötenleder und das Schildpatt aus den Panzern begehrte Luxusartikel. Aus dem Fett der Schildkröten wird ein Öl gewonnen, dem man in Asien und Afrika heilende Wirkung bei Asthma nachsagt. Die zunehmende Meeresverschmutzung macht auch den Schildkröten schwer zu schaffen. Sie halten Plastiktüten für Quallen oder fressen Plastikmüll, was zu Blockaden führt. Viele Tiere verenden daran qualvoll. Oft verfangen sich die Meeresbewohner auch in Fischernetzen oder bekommen Krebsgeschwüre durch das chemisch verseuchte Wasser.

Es gibt viele Hilfsprojekte an den „Turtle Beaches“, also überall dort, wo Schildkröten Eier ablegen. Hauptaufgaben sind hier der Schutz der Gelege, aber auch die Versorgung verletzter Tiere, wissenschaftliche Forschungsarbeit und vor allem in Entwicklungsländern Aufklärung der Bevölkerung.

Besucher sind in den meisten der Auffangstationen herzlich willkommen, denn sie finanzieren sich fast ausschließlich von Spenden.

Bei einer Inforeise habe ich den „Local Ocean Trust“ in Watamu besucht. Hier geht’s zum Reisebericht.

Am späten Vormittag sind die Koffer im Bus verstaut und wir nehmen Abschied vom Temple Point Resort. Die Rückfahrt nach Mombasa kommt uns viel schneller vor und wir haben sogar noch etwas Zeit, um uns die berühmten „Stoßzähne“, Mombasas Wahrzeichen, anzusehen. Durch den Umweg kommen wir aber auch an der Mülldeponie vorbei. Hier landet der Zivilisationsmüll der Großstadt und wird ohne Filter oder Sortierung verbrannt. Dicke, schwarze Schwaden ziehen über die Straße und nehmen einem die Sicht. Müll ist wirklich ein großes Problem und die fehlende Infrastruktur sorgt dafür, dass in den Städten die Müllberge wachsen und zur Gefahr für die Umwelt, die Menschen und Tiere werden.

Am Flughafen ist wenig Betrieb und wir schlendern noch etwas durch die Läden, bevor es entspannt nach Addis Abeba geht. Wieder hat die Maschine einen Zwischenstopp in Kilimanjaro und auch diesmal zeigt sich der Berg hinter dem kleinen Flughafengebäude. Der Weiterflug nach Addis ist ebenfalls nicht ausgebucht und wir genießen den Luxus von Notausgangplätzen und viel Beinfreiheit.
In Addis herrscht viel mehr Betrieb als beim Hinflug, aber irgendwie überstehen wir die Wartezeit und sitzen um kurz vor Mitternacht in der Maschine nach Frankfurt, voll mit neuen Eindrücken und Erlebnissen. Einen Tipp sollte man Ethiopian-Fluggästen mit auf den Weg geben: Viel Zeit in Frankfurt nach Ankunft einplanen! Wir haben fast eine Stunde auf unsere Koffer gewartet, weil die Maschinen aus Afrika streng kontrolliert werden und das dauert natürlich entsprechend lang.

Kilimanjaro und Flughafen © Foto: S. Schlesinger | Outback Africa Erlebnisreisen

Kilimanjaro und Flughafen © Foto: S. Schlesinger | Outback Africa Erlebnisreisen

Zeit für ein Fazit:
Die meisten unserer Kunden bevorzugen die Kombination „viel Safari und etwas Strand“, allerdings ist die umgekehrte Variante, zunächst an die Küste zu fahren und dann mit kleinem Gepäck zu starten, auch sehr reizvoll. Der Weg nach Tsavo ist nicht sehr weit und bei zwei bis drei Pirschfahrttagen zeigen sich sicher noch sehr viel mehr Tiere, vor allem an den Wasserlöchern in der Trockenzeit. Besonders gut ist die Kombination auch für Familien geeignet, denn das Resort bietet viel Spaß für Kinder und Erholung für die Eltern. Mit einem privaten Safarifahrzeug kann das Programm auf Safari dann individuell gestaltet werden.

Für die Küste Kenias werden immer wieder Sicherheitsbedenken geäußert. Diese sind unbegründet. Im Gebiet um Watamu, wo es keine größeren Städte gibt, haben wir uns sehr sicher gefühlt (auch auf den Ausflügen und beim Besuch von Malindi und in der Schule). Die Gegend ist sehr ländlich, große Menschenansammlungen gibt es kaum. Die Resorts hier liegen relativ weit auseinander und nutzen auch kaum gemeinsame Strandabschnitte, anders als am Diani Beach südlich von Mombasa, wo ein Hotel neben dem anderen steht.

Es wurde zwar gesagt, dass es in der Hochsaison auch hier Beach Boys gäbe, wir haben aber keine gesehen und wurden auch kaum belästigt (lediglich am Malindi Beach waren einige Verkäufer). Das war sehr angenehm, ebenso die Möglichkeit, an einem kleinen Privatstrand baden zu gehen, der von den Häusern des Resorts sehr bequem erreichbar ist.

Wir hatten eine tolle Zeit und sind vielen Menschen begegnet, die sich ehrlich über uns Touristen gefreut haben und denen viel daran liegt, Kenia wieder als Urlaubsland und nicht als gefährliches Krisengebiet zu sehen.

Vielen Dank nochmals an das Temple Point Resort für die Einladung!

Haben Sie Lust bekommen, auch einmal nach Kenia ins Temple Point Resort zu reisen und in Tsavo auf Safari zu gehen? Unsere neue Kenia-Kurzsafari und Baden für Einsteiger bietet eine günstige Möglichkeit dazu, auf Wunsch auch erweitert oder verlängert.

In der Nähe der Dongokundu-Grundschule befindet sich eine Auffangstation für die gefährdeten Meeresschildkröten. Wir sind spät dran, der Schulbesuch hat doch länger als erwartet gedauert.
Die Auffangstation wird vom „Local Ocean Trust“ betrieben und durch Spendengelder finanziert. Ziele der Organisation sind, die Brutplätze der Schildkröten zu schützen, verletzte Tiere zu versorgen und Aufklärungsarbeit zu leisten, um die gefährdeten Tiere vor ihrem größten Feind, dem Menschen, zu schützen.

Eine Mitarbeiterin des Trusts führt uns auf dem Gelände herum. Zuerst besuchen wir die „Turtle Clinic“. Hier gibt es vier Becken für verletzte Schildkröten, von denen im Moment aber nur eins belegt ist. Die Lederschildkröte paddelt apathisch im Becken herum und hat eine merkwürdige Schräglage. Ihr Kopf und der vordere Körper werden nach oben gedrängt. Sie hat eine Blockade, wahrscheinlich von Plastik, das nun im Verdauungstrakt festsitzt. Dadurch hat sie Luft im Magen und in der Speiseröhre, was den Auftrieb verursacht und sie am Tauchen hindert. Viel können die Helfer des Trusts nicht tun – die Schildkröte wurde geröntgt und bekommt nun Abführmittel zusammen mit püriertem Spinat und Grünzeug. Sie wird beobachtet und in regelmäßigen Abständen wieder untersucht, um festzustellen, ob sich der Fremdkörper im Darm bewegt. Operieren können sie die Schildkröte leider nicht, dafür fehlen die Möglichkeiten. Fast alle Schildkröten, die hier eingeliefert werden, haben Parasiten, die sich aber leicht durch ein Bad in Süßwasser entfernen lassen.

Die Mitarbeiter der Turtle Clinic gehen regelmäßig mit den Patienten im Meer schwimmen und beobachten, ob sie sich wieder normal bewegen können. Leider werden viele der Schildkröten mehrmals eingeliefert.

Plastikmüll ist neben den Fischernetzen, in dem sich die Schildkröten verfangen, das größte Problem für gefährdeten Meeresbewohner. Durch die zunehmende Verschmutzung der Meere wird das Futter verseucht oder die Schildkröten verheddern sich in Tüten und Netzen. Es wurden auch schon Exemplare gefunden, deren Panzer deformiert war, weil sie in unzerreißbare Plastiknetze hineingewachsen sind.

Eine ebenfalls häufig auftretende Erkrankung sind Krebsgeschwüre, die sich an Flossen oder auch am Kopf bilden. Während sie am Körper gut operierbar sind, besteht für eine Schildkröte mit Geschwüren am Auge keine Überlebenschance. Natürlich gibt es auch Verletzungen, die von Schiffsschrauben oder durch Felsen bei hohem Seegang verursacht wurden.

Die größte Gefahr geht aber nach wie vor vom Menschen aus. Schildkröten bringen viel Geld ein. Schildkrötenöl gilt in Kenia als Heilmittel gegen Asthma und bringt ein kleines Vermögen. Der Trust zahlt den Fischern eine kleine Ablösesumme von rund 1000 bis 3000 Kenianischen Schilling (umgerechnet rund ein bis drei Euro), für das Öl würden sie jedoch ein Vielfaches bekommen. Hier kann, wie auch bei Elfenbein und Rhino-Horn, nur die Vernunft und das Bewusstsein für den Tierschutz wirklich helfen.

Der Local Ocean Trust bemüht sich auch um die Brutplätze. An der Mündung des Mida Creek gibt es mehrere Strände, an denen die Schildkröten ihre Eier in Nester ablegen. Diese Strände dürfen keine Hindernisse oder Lichtquellen haben. Fühlt sich das Schildkrötenweibchen nicht sicher, kommt es nicht an Land und verliert die Eier. Gelingt die Eiablage, müssen die Nester gegen Fressfeinde geschützt werden. Nach dem Schlüpfen machen sich die kleinen Schildkröten auf den Weg über den Strand ins Meer. Auf diesem Weg lauern viele Gefahren – Greifvögel, Raubfische, aber auch Irrlichter, durch die die kleinen Schildkröten fehlgeleitet werden können.

Wir machen uns auf den Weg zum Strand. Leider hat aber die Flut bereits wieder eingesetzt und das Wasser steht so hoch, dass wir nicht mehr um den Felsen herum zum Resort laufen können. Also klettern wir über einen kleinen Pfad und kehren über die Zufahrtstraße zurück. An unserem letzten Abend erwartet uns noch einmal eine „afrikanische Nacht“ mit traditionellem Essen und einer mitreißenden Tanzvorführung.

Weitere interessante Informationen zu Meeresschildkröten finden Sie im Beitrag unserer Serie „Auf Pirschfahrt-Meeresschildkröten“.

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